Mit zehn PS und auf drei Rädern überquert Golletz die Alpen

Mit der Ape über die Alpen: Zwei Wochen und viele Abenteuer in der kleinen Kabine. Die Ape – italienisch Biene – ist ein uriger, dreirädriger Kleintransporter und Rollermobil von Piaggio. Die Ape wird seit 1947 in Italien und seit 2007 in Indien hergestellt.
 

Begeisterter Motorradfahrer aus Hannover hat Hobby zum Beruf gemacht

Hannover. Markus Golletz ist gebürtiger Hannoveraner und hat seinen Lebensmittelpunkt seit vielen Jahren in Linden-Mitte. Der 45-jährige ist Diplom-Sozialwissenschaftler, freier Journalist, Buchautor und als Fotograf bekannt. Seine Liebe zum Motorradreisen hat er zu seinem Beruf gemacht. Als Reisereporter für verschiedene Motorradzeitungen entstehen so leidenschaftliche Reisereportagen über Italien, die Westalpen, Südeuropa oder die Pyrenäen. Aus seiner Feder stammen auch Reiseführer wie „Die schönsten Motorradrouten in Norditalien“ oder „Die schönsten Küstenstraßen Europas“. Für seine Bücher (erschienen im Bruckmann-Verlag) ist Golletz viel unterwegs: 2008 beispielsweise war er zwei Mal ausgiebig mit einer KTM 990 und einer BMW F 800 GS auf über 9000 Motorradkilometern in den Pyrenäen unterwegs zwischen Atlantik und Mittelmeer, um alle erdenklichen Motorradstrecken zu erkunden. Der erfahrene Motorjournalist lebt in Hannover und hält sich gerne länger in Italien auf. Sein Liebesbekenntnis zu Italien drückte der Autor einmal so aus, indem er mit einem Zehn-PS-Ape-Dreirad (Piaggio) von San Remo aus die Alpen überquerte. Detaillierte Informationen zu seinen Touren und Büchern gibt es im Internet unter www.motorradreisefuehrer.de. Das Hannoversche Wochenblatt sprach mit Golletz über seine Touren, Erlebnisse und Pläne für die Zukunft.

Hat es von Anfang an funktioniert, sein Hobby zum Beruf zu machen?

Als Freiberufler muss man immer mehrgleisig fahren. Wichtig war es schon, sich einen Namen zu machen. Danach geht vieles einfacher. Die Bücher haben mir dabei geholfen.

Deine Reiseziele liegen oft jenseits der Alpen, ist das nicht immer eine ‚ganz schöne Fahrerei‘?

Ja, anfänglich bin ich viel durch Schnee und Regen gefahren, mittlerweile geht es oft mit dem Autozug der DB in den Süden. Außerdem habe ich da unten auch ein Motorrad stehen.

Wo denn?

In Ligurien, eine immer noch hierzulande relativ unbekannte Gegend zwischen Bergen und Meer … Das Motorrad kann ich allerdings nicht immer für Reportagen nutzen, weil in Motorradzeitungen lieber aktuelle Modelle abgebildet werden sollen.

Wo bekommst Du die dann her?

Mittlerweile stellen mir die Hersteller für ein, zwei Wochen ein Testbike zur Verfügung – wenn es gerade passt. Manchmal auch sehr spontan geht es dann Last Minute zu einem Terminal des Autozuges (Hildesheim, oder auch mal Hamburg, Düsseldorf) und dann geht es bei hoffentlich gutem Wetter auf Foto-Tour.

Und wenn das Wetter mal schlecht ist?

Das Problem gibt es am Mittelmeer auch schon mal. Geduld ist dann gefragt und sowieso: Reisereportage heißt nicht knipsen: Ich muss schon zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, wenn da die Lichtverhältnisse am besten sind und oft gehen da nur gute Fotos mit Kamera und Fernauslöser. Bei Wetterpech ist Geduld gefragt.

Was sind Deine aktuellen Projekte?

Ich habe dieses Jahr ein paar Firmen besucht, die in Italien oder Deutschland Motorradzubehör herstellen, dann bin ich mit kleinen Geländemaschinen und Freunden von Berlin an die Ostsee gefahren und zwar nur auf nicht ausgeschilderten Sandwegen. Das hat über zwei Tage gedauert … In den Pyrenäen habe ich Aktualisierungen zu meinem letzten Buch gemacht und im Herbst soll es auch noch mal ins Friaul oder Veneto gehen.

Das hört sich ziemlich nach Traumjob an. Oder gibt es auch eine Kehrseite der Medaille?

Sicherlich. Derzeit bin ich zufrieden aber mit dem Reisen alleine ist es nicht getan. Motorrad und Foto-Ausrüstung kosten ihr Geld und dann gibt es die langen Winterabende die man vor dem Computer verbringt. Jedes Buch ist wie eine kleine Diplomarbeit zu schreiben und gute Recherche kostet Zeit.

Wie bist Du damals auf die Idee mit dem Ape-Import gekommen?

Das war verrückt und ein wenig Liebe auf den ersten Blick. Ich habe es bis heute nicht bereut, aber wir sind dann nach einer Vorbereitungsphase einfach mit dem Motorrad auf blauen Dunst losgefahren, haben halb Norditalien abgegrast und sind dann in San Remo fündig geblieben. Außer in meinem Westalpenbuch habe ich die Geschichte an mehrere Motorrad- und Rollerzeitungen verkauft und auch heute noch, sieben Jahre später, erinnern sich Leser noch an unsere langsame Fahrt mit dem Dreirad über die Alpen – Das Motorrad hinten Huckepack auf der Ladefläche.
Hartmut Heinze

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