Jagd frei auf den Wolf?
In Deutschland leben über 30 Wolfsrudel in freier Wildbahn. Foto: pixabay

Jagd frei auf den Wolf?

Politiker fordern Lockerung des Schutzes für freilebende Tiere

Die Jagd auf den Wolf in freier Wildbahn ist in Deutschland so gut wie ausgeschlossen. Er steht in Europa auf der Liste der am stärksten bedrohten Tiere. Dafür wird der Wolf von Jägern, Landwirten und ihrer Lobby mit Worten scharf bekämpft, jetzt soll es ihm mit Hilfe der Politik auch in der Natur an den Kragen gehen. In Niedersachsen hat die CDU-Landtagsfraktion die Landesregierung aufgefordert, sie solle sich in Brüssel dafür einsetzen, dass der Wolf von der Schutz-Liste gestrichen wird. Die Folge läge auf der Hand: Der Wolf dürfte gejagt werden. Soll das so sein?
Laut dem Bundesamt für Naturschutz gab es 2014 in Deutschland mindestens 31 Wolfsrudel, vier Paare sowie eine unbekannte Zahl Einzeltiere. Um die Gefährlichkeit von Wölfen läuft schon seit geraumer Zeit eine öffentliche Debatte. Besonders, seit in einigen Regionen Brandenburgs, Niedersachsens und Sachsens einzelne Wölfe in der Nähe von Dörfern, ja sogar auf Dorfstraßen gesichtet worden sind, schlagen immer mehr besorgte Bürger Alarm. Vereint schlagen jetzt in Niedersachsen CDU und Jägerschaft vor, „verhaltensauffällige Wölfe der freien Natur umgehend zu entnehmen“ – sprich, sie zu erschießen. Im Frühsommer war in Ostsachsen zuletzt ein erschossener Wolf gefunden worden.
Forderungen nach einer Neubewertung der Wolfspopulation gibt es immer wieder in Nord- und Ostdeutschland, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) weist sie regelmäßig zurück. „Das Wolfsmonitoring ist in der Praxis bislang nicht ausreichend umgesetzt, so dass uns wichtige Erkenntnisse über Wanderbewegungen, Revieransprüche und langfristige Reproduktionserfolge nicht vorliegen“, erklärte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller kürzlich in Berlin. Erst mit diesen Erfahrungen seien wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Bestandsentwicklung möglich. Erst wenn 1000 erwachsene Tiere in einem Verbreitungsgebiet nachgewiesen sind, darf der strenge Schutz aufgehoben werden. Auch zu der Frage, ob einzelne Wölfe dauerhaft ein auffälliges Verhalten an den Tag legen, sei bislang zu wenig bekannt, sagt der Nabu. Es entspräche nicht der Faktenlage, den Wolf als Risikofaktor für den Menschen zu erklären, so Miller.
Der Deutsche Jagdverband (DJV) hatte auf seinem jüngsten Verbandstag Mitte Juni in Dresden vor einer Verharmlosung des Wolfes gewarnt. Die Tiere dürften aber auch nicht verteufelt werden, erklärte der Verband in einem Positionspapier.

Von Reinhard Urschel

Soll der strenge Schutz von freilebenden Wölfen gelockert werden (Umfrage und Fotos: Bräbel Triller)?
Alican Pamuk (62), Lehrer, Hannover: Nein, der Schutz der Wölfe muss gewährleistet bleiben. Der Wolf hat wie jedes andere Lebewesen ein universelles Lebensrecht. Jeder Wolf, der getötet wird, ist ein Verlust für die Umwelt.Quelle: Triller

Alican Pamuk (62), Lehrer, Hannover: Nein, der Schutz der Wölfe muss gewährleistet bleiben. Der Wolf hat wie jedes andere Lebewesen ein universelles Lebensrecht. Jeder Wolf, der getötet wird, ist ein Verlust für die Umwelt.

Günter Wölk (85),  Architekt, Hannover: Die Population der Wölfe darf nicht überhand nehmen. Deshalb ist eine kontrollierte Bejagung durchaus richtig. Auf keinen Fall sollte der Wolf ausgerottet werden.Quelle: Triller

Günter Wölk (85), Architekt, Hannover: Die Population der Wölfe darf nicht überhand nehmen. Deshalb ist eine kontrollierte Bejagung durchaus richtig. Auf keinen Fall sollte der Wolf ausgerottet werden.

Daniel Kühl (32),  Rechtsanwalt, Ronnenberg: Wenn die Zahl der Wölfe steigt, sollten passive Schutzmaßnahmen vor Bejagung Vorrang haben. Und geschädigte Tierhalter sollten eine finanzielle Entschädigung erhalten.Quelle: Triller

Daniel Kühl (32), Rechtsanwalt, Ronnenberg: Wenn die Zahl der Wölfe steigt, sollten passive Schutzmaßnahmen vor Bejagung Vorrang haben. Und geschädigte Tierhalter sollten eine finanzielle Entschädigung erhalten.

Rainer Wildmann (61), Architekt, Hannover: Das Problem ist, dass der Wolf in Deutschland keine natürlichen Feinde hat. Deshalb sollte die Politik über Schutzmaßnahmen vor dem Wolf nachdenken. Quelle: Triller

Rainer Wildmann (61),  Architekt, Hannover: Das Problem ist, dass der Wolf in Deutschland keine natürlichen Feinde hat. Deshalb sollte die Politik über Schutzmaßnahmen vor dem Wolf nachdenken.

Bildquelle

  • Alican%20Pamuk: Triller
  • Guenter_Woelk: Triller
  • Daniel_Kuehl_2: Triller
  • Rainer%20Wildhagen: Triller
  • wolf-864792: Pixabay

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