Keine Pause auf der Spielplatzbank
Parkranger haben die 69-jährige Hedda Bennecke vom Parkplatz an der Ottweiler Straße vertrieben. Foto: Haak

Keine Pause auf der Spielplatzbank

Hedda Bennecke ist entrüstet: Parkranger haben die 69-Jährige von einer Spielplatzbank vertrieben. An einem sonnigen Tag im Mai kommt Bennecke gegen Mittag mit dem Fahrrad vom Schwimmen. An der Ottweiler Straße holt sie sich einen Kaffee und setzt sich damit auf eine Bank auf dem nahegelegenen Spielplatz.

Einige Zeit später seien zwei Ordnungshüter auf sie zugekommen. „Sie haben mich aufgefordert, den Spielplatz zu verlassen“, sagt Bennecke. Gemäß der Spielplatzsatzung der Stadt Hannover ist die Benutzung der 406 Spielplätze und 142 Boltzplätze nur bis zum Alter von 18 Jahren gestattet. Ohne Kinder dürfen sich Erwachsene dort nicht aufhalten. Damit sollen einerseits Trinkergruppen ferngehalten werden. Andererseist soll es auch eine Handhabe gegen Erwachsene mit pädophiler Neigung geben, die auf dem Spielplatz Kinder beobachten wollen. Die aktuelle Regelung trifft aber ebenso Senioren, die auf der Spielplatzbank eine Pause machen möchten.

„Auf dem Spielplatz spielten Kinder. Und es hielten sich mehrere Erwachsene dort auf, die nicht in Kinder-Begleitung waren“, so Stadtsprecher Dennis Dix. In einer solchen Situation sei es üblich, dass Erwachsene gebeten werden, den Spielplatz zu verlassen. Dix betont aber auch: „Wenn sich eine erwachsene Person ganz allein auf dem Spielplatz aufhält, um Pause zu machen, agieren die Parkranger mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß – und lassen den Spielplatzbesucher oder die Spielplatzbesucherin sitzen.“

Doch Fingerspitzengefühl vermisste Bennecke an jenem Vormittag. Sie habe die Ordnungshüter gefragt, ob sie noch ihren Kaffee austrinken dürfe. „Darauf haben sie sich aber nicht eingelassen“, beschwert sie sich. Sie sollte den Spielplatz sofort verlassen. Andernfalls müsse sie mit einem Bußgeld von 45 Euro rechnen. Dix zufolge gibt es keine festgeschriebene Bußgeldhöhe: „Die Parkranger protokollieren den Vorgang. Im Nachinein wird je nach Situation ein Verwarnungsgeld festgelegt.“ Eine konkrete Bußgeld-Summe hätten die Parkranger nach eigener Aussage nicht genannt.

Grundsätzlich kann Hedda Bennecke die Vorgabe der Spielplatzsatzung verstehen, wenn sie dem Schutz der Kinder dient. „Sie sollte aber nicht pauschal angewandt werden“, wünscht sie sich. „Die Parkranger sollten einschätzen, ob sich Erwachsene auf dem Spielplatz bedenklich verhalten.“ An jenem Vormittag haben auf dem Spielplatz nach ihrer Aussage nur sie und zwei junge Frauen gesessen. In einiger Entfernung von den Sitzbänken habe eine Mutter mit ihrem Kind gespielt. „Alles war friedlich“, betont Bennecke.

Andere Städte kommen ganz ohne Altersbeschränkung für Spielplätze aus. „Bei uns können sich Erwachsene auf jeden Spielplatz setzen, wenn sie möchten“, sagt Silke Brickwedde, Sprecherin der Stadt Osnabrück. Adrian Foitzik, Sprecher der Stadt Braunschweig, will nicht ausschließen, dass es in Einzelfällen Hinweistafeln mit Altersbeschränkungen gebe: „Das ist aber nicht die Regel.“
Der Kinderschutzbund Hannover spricht sich grundsätzlich für die aktuelle Altersbegrenzung aus. „An vielen Orten in der Stadt müssen Familien mit Kindern auf andere Rücksicht nehmen. Auf den Spielplätzen müssen andere im Zweifelsfall Rücksicht auf die Kinder nehmen.“ Prinzipiell setze sich der Kinderschutzbund für ein Miteinander der Generationen ein. „Wir haben kein Problem damit, wenn beispielsweise eine ältere Dame auf einer Spielplatzbank sitzt“, betont Schach. Es sei dann aber schwierig, zu entscheiden, wer auf dem Spilplatz sitzen dürfe und wer nicht.

Grundsätzlich stellt auch Jens Seidel, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat, die hannoversche Spielplatzordnung nicht in Frage. „Es ist richtig, dass Spielplätze in erster Linie für Kinder gedacht sind“, sagt er. Dass Parkranger pauschal Erwachsene von Spielplätzen vertreiben, kritisiert er aber: „Da fehlt es offenbar an Fingerspitzengefühl.“ Für viele ältere Menschen sei es nett, sich auf einer Bank auszuruhen und Kindern beim Spielen zuzusehen. Es liege im Ermessensspielraum der Parkranger, individuell zu entscheiden.

FDP-Fraktionsvorsitzender Wilfried Engelke geht einen Schritt weiter. Er hält auch eine Anpassung der Spielplatzordnung für denkbar: „Es sollte klargestellt werden, dass die Altersbegrenzung nur für die Benutzung der Spielgeräte gilt. Natürlich dürfen sich auch Erwachsene auf Spielplätzen aufhalten.“ Es müssten trotzdem Wege gefunden werden, um beispielsweise zu verhindern, dass Männer auf den Spielplatz kämen, um Kinder zu beobachten.

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