Kinder lernen mit einem kleinen Roboter
Pepper verfolgt den kleinen roten Ball, den Paul (6) hin- und herbewegt. Später soll der Roboter auch menschliche Gesichter wiedererkennen. Foto: Kutter

Kinder lernen mit einem kleinen Roboter

Aufmerksam verfolgt Pepper mit seinen Augen den kleinen roten Ball, den der sechsjährige Paul hin- und herbewegt. Das zumindest lesen Menschen in seine Bewegungen und Blicke hinein. Pepper ist der neue Roboter, mit dem die Hochschule Hannover Kinder und Jugendliche für naturwissenschaftliche Fächer begeistern will. Er kann sehen, hören, sprechen und sogar auf Gefühle reagieren. Genauer: All das kann er lernen, wenn er entsprechend programmiert wird. Und dabei können Schüler im Rahmen von Workshops helfen.

Der Roboter kommt im Zukunftslabor MINT (Mathematik, Informatik, Naturwischenschaften, Technik) zum Einsatz. Ziel dieses Projektes ist es, Schüler für technische Berufsfelder zu begeistern, die sie in der Schule nicht kennenlernen. „Wir wollen die Hemmschwelle, die viele gegenüber Technik haben, herabsetzen“, erklärt Professorin Marina Schlünz. Jede Woche soll es einen Workshop für Grundschüler, einen für die Unterstufe und einen für die Oberstufe geben.

Pepper kann Gestik und Mimik erfassen

Für diesen Zweck hat die Hochschule für 17 000 Euro Pepper angeschafft. Der 1,20 Meter große Roboter ist in Deutschland erst seit etwa drei Wochen für Hochschulen verfügbar. Das Zukunftslabor ist mit ihm technisch auf dem neuesten Stand. Das hat eine Spende der Fördergemeinschaft des Fachbereichs Maschinenbau und des Fachbereichs Elektro- und Informationstechnik über 20 000 Euro ermöglicht.

Im Unterschied zu seinen Vorgängern, den NAO-Robotern, ist Pepper auf menschliche Kommunikation und Gefühle spezialisiert. Er kann Gestik und Mimik erfassen. „Pepper reagiert auf gute Laune anders als auf schlechte“, erklärt Doris Schmidt, die Leiterin des Zukunftsbüros. Mit dieser emotionalen Ebene sollten gerade auch Mädchen für die Technik begeistert werden. „Pepper zeigt eindrucksvoll, dass Roboter Menschen zukünftig auch im Alltag begleiten können. Er kann beispielsweise Texte vorlesen“, ergänzt Schmidt.

„Grundschüler nehmen den Roboter menschlich wahr“

Ein Ziel des Zukunftslabors ist es, zukünftige Studenten zu gewinnen. Trotzdem richtet es sich nicht nur an Gymnasien, sondern auch an Haupt- und Realschulklassen. „Man kann hier schließlich auch ohne klassisches Abitur studieren“, betont Schlünz. 800 von aktuell 10 000 Studenten an der Hochschule Hannover hätten die Zugangsberechtigung auf einem anderen Bildungsweg erworben.

Spezielle Kurse gibt es außerdem für Grundschüler. Sie können Pepper noch nicht selbstständig programmieren. „Gerade jüngere Kinder nehmen den Roboter aber sehr menschlich wahr. Wenn sie ein Bild gemalt haben, rennen sie zu ihm hin und sagen: Guck mal, Pepper, was ich gemacht habe“, schildert Schmidt ihre Erfahrungen. Das solle ihnen den Zugang zu Technik erleichtern. „Man kann gar nicht früh genug anfangen. Jüngere Kinder haben eine geringere Hemmschwelle“, sagt Schmidt.

Zukunftslabor bietet viele Kurse an

Für ältere Schüler gibt es mehr Möglichkeiten, aber auch sie können bei einem vierstündigen Einstiegskurs noch nicht tief einsteigen. „Wer intensiver programmieren möchte, müsste mehrmals wiederkommen“, so Schmidt. Deshalb soll das Zukunftslabor künftig auch Projektwochen anbieten. Schüler, die sich besonders dafür interessieren, sollen außerdem die Chance bekommen, ihre Seminar-Facharbeit im Zukunftslabor zu schreiben oder zusätzlich zu offenen Labor-Nachmittagen kommen. „Diese Angebote gibt es noch nicht, aber wir arbeiten daran“, sagt Schmidt.

Pepper ist der komplexeste, aber nicht der einzige Roboter im Zukunftslabor. Zusätzlich stehen 13 sogenannte NAO-Roboter zur Verfügung, eine Art Vorgänger-Typ. Die jüngeren Schüler arbeiten außerdem mit Lego-Modellen. Neben den Robotern gibt es im Zukunftslabor viele weitere Angebote, die Schülern einen Einblick in die Welt der Informatik und Elektrotechnik geben. Es gibt beispielsweise Löt-Kurse. Und auch eine eigene Smartphone-App können Schüler programmieren. „Damit bekommt man Kinder und Jugendliche sofort“, so Schmidt. Es gehe darum, das Smartphone nicht nur passiv zu bedienen, sondern zu entdecken, welche technischen Ideen dahinter stecken. „Die Teilnehmer lernen die Telefone als kleine Computer kennen, die sie selbst steuern können“, so Schmidt.

Auf der Website der Hochschule Hannover gibt es weitere Infos zu dem Zukunftslabor MINT.

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