Langsam nerven die Streiks
ver.di kündigt an, in der kommenden Woche den Poststreik zu verschärfen.

Langsam nerven die Streiks

Bahn, Post, Lufthansa und Kindergärten – von diesen Arbeitskämpfen sind wir alle betroffen

Von Reinhard Urschel

Der Streik bei der Post wird in der kommenden Woche noch eine Spur schärfer. Der Blick in den Briefkasten wird ins Leere gehen. Die Gewerkschaften haben angekündigt, dass weitere Paket- und Briefverteilzentren hinzukommen werden. Das heißt, Geschäftsbriefe, Bestellungen, natürlich auch persönliche Schreiben bleiben dort tage- wenn nicht wochenlang liegen.

Bei den Kitas und bei der Bahn, bei den Fluggesellschaften und bei den Sicherheitsfirmen wird zwar derzeit nicht gestreikt wie in den Wochen davor, sondern geschlichtet, aber wehe, das geht schief.
Dann werden die Folgen wieder ausgetragen auf dem Rücken der Normalbürger: Die Familien ächzen, weil sie nicht mehr wissen, wie sie Kinderbetreuung organisieren sollen. Die freien Tage sind aufgebraucht, Oma kann nicht mehr. Beim Reiseverkehr von Bahn und Flugzeug stehen die Ferien vor der Tür. Bricht dann das Chaos aus? Vielerorts wird das Bargeld knapp, weil die Wachschützer keine Geldautomaten mehr bestücken. Streikrecht schön und gut, stöhnen viele, aber weshalb wird das alles auf unserem Rücken ausgetragen?

Die klassischen Arbeitskämpfe richten sich eigentlich gegen den jeweiligen Arbeitgeber. Er soll zum Einlenken gezwungen werden. Was aber, wenn die Bevölkerung am meisten leidet? Im Fall der Post weist nun Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer genau auf diesem Umstand hin und fordert die Gewerkschaft Verdi zu einem sofortigen Ende der Streiks auf. „Das Verhalten von Ver.di gegenüber der Deutschen Post ist verantwortungslos“, sagte Kramer dieser Tage. „Die Streikfolgen tragen nicht nur die Arbeitnehmer in den betroffenen Betrieben, sondern auch viele Kunden der Post. Ver.di sollte am Verhandlungstisch eine Lösung suchen und die Anwendung eigener Flächentarifverträge in den betroffenen Betrieben akzeptieren.“

Beide Seiten reden nach Angaben der Gewerkschaft Verdi im Moment nicht miteinander. Es herrsche „totale Funkstille“, sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. Der Streik werde deshalb weiter Schritt für Schritt ausgeweitet. Nach fast vierwöchigem Streik in kommunalen Kitas suchen nun Schlichter nach einer Lösung. Sie ist nicht in Sicht. Der Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL ist auch nach einem dreiwöchigen Schlichtungsversuch noch nicht ausgestanden. Das Verfahren wurde bis zum 25. Juni verlängert. Ausgang offen.

Umfrage: Streiks auf unsere Kosten. Wie lange halten wir das noch aus?

Louisa%20Behnsen
Louisa Behnsen (18),
Studentin, Neustadt:
Man sich schon genau ansehen, wer mit welchen Forderungen streikt. Vom Bahnstreik war ich persönlich betroffen und meine Fahrten umständlich organisieren. Einen 10. Bahnstreik wünsche ich mir nicht.

 

Michael%20Hirt

Michael Hirt (40),
Feuerwehrmann, Hannover:
Streiks sind grundsätzlich gerechtfertigt und ich finde auch die Forderungen der Beschäftigten richtig. Die Streiks verlängern sich durch die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber. Sie spekulieren darauf, dass die Sympathie in der Bevölkerung für die Streikenden schwindet.

 

Peter%20Jendralski
Peter Jendralski (50),
Restaurantfachmann, Hannover:
Ich kann mir schon vorstellen, dass die Menschen die Folgen der Streiks zu spüren bekommen. Aber die Forderungen der Beschäftigten halte ich für richtig. Auch wenn die Streiks noch länger dauern sollten.

 

Susanne%20Buchmann
Susanne Buchmann (53),
Beamtin, Hannover:
Ich halte die Streiks für gerechtfertigt. Die Forderungen sind nachvollziehbar und wenn sie realisiert werden sollten, wäre das ein Gewinn für uns alle. Mehr Zufriedenheit und Gesundheit hilft allen.

 

Umfrage/Fotos: Triller

Bildquelle

  • ver.di kündigt an, in der kommenden Woche den Poststreik zu verschärfen.: Imago

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