Andeutungen

Glosse aus hallo Sonntag vom 15. Januar 2011

Der gute Vorsatz allein reicht nicht – das habe ich schon festgestellt. Es gehört auch eine gute Portion Willenskraft dazu, gesteckte Ziele zu erreichen. Doch auch das allein reicht nicht aus. Man muss den Vorsatz auch mit Zuversicht ausstatten. Wer nicht davon überzeugt ist, dass er sein Ziel erreicht, sollte sich am Besten gar nicht von der Stelle rühren.
Allerdings sollte man es mit dem Optimismus nicht übertreiben. Einfach eine rosarote Brille vorhalten und glauben, alles wird schön, bringt es nicht. Ich habe so eine Brille mal aufgesetzt – im Sommer findet man sie manchmal bei fliegenden Händlern – und ich muss sagen, die Welt sieht damit ziemlich bescheuert aus. Also sollte man als weitere Zutat zum Gelingen des Vorsatzes einen guten Schuss Wirklichkeitssinn hinzufügen. Damit hätte man jetzt schon eine kräftige Brühe angerührt, die man wie Asterix den Zaubertrank zu sich nehmen könnte, um mit breiter Brust den kommenden Aufgaben entgegen zu treten. Nun will mir das alles aber immer noch nicht genügen, um an guten Vorsätzen festzuhalten. Mir fehlt noch etwas, das man mit der an das Diesseits gebundenen Vernunft nicht erklären kann und deshalb gern als Unfug abtut. Aber mir hilft es in vielen Situationen, Mut zu fassen. Manchmal jedoch wirkt es auch entmutigend. Gemeint sind Vorzeichen. Das kann die schwarze Katze sein, die einem über den Weg läuft. Dann dreht man am Besten gleich wieder um, weil irgendetwas gleich in die Hose geht. Treffe ich hingegen auf einen Schornsteinfeger, ist der Tag gerettet.
Neben diesen allgemein bekannten Glücks- und Unglücksboten deute ich mir die Dinge manchmal ganz individuell aus. Wobei ich mir selbst nicht immer ganz sicher bin, was ich von den Zeichen halten soll.
Vor ein paar Tagen hatte ich auf dem Weg zur Arbeit gleich mehrere Begegnungen mit möglichen Vorboten. Zunächst erschien im Scheinwerferlicht meines Fahrrades ein totes Kaninchen. Das arme Tier. Was aber will es mir sagen? Eine Hasenpfote gilt als Glücksbringer – aber ein komplettes Kaninchen? Während ich noch so darüber nachgrübelte, kam schon das nächste Zeichen in meinen Blick. Ein Handschuh lag auf dem Weg. Was soll das nun wieder? Sagt mir da jemand den Kampf an? Früher gab es doch mal den Gebrauch des Fehdehandschuhs. Dann kamen noch Papiertaschentücher, zwei flinke Eichhörnchen und ein Mann, der in die Luft blickte. Da habe ich jetzt richtig dran zu tun, mir die Welt zurecht zu deuten ...

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