O Tannenbaum
Glosse aus hallo Sonntag vom 18. 12. 2011
Das Schönste kommt zuletzt – jedenfalls meiner Meinung nach. Ein Weihnachtsfest ohne Baum ist für mich nicht komplett oder – besser gesagt – gar kein richtiges Fest. Er gehört einfach dazu, wie die Eier zu Ostern.
Dabei hat der geschmückte und beleuchtete Nadelbaum im Wohnzimmer ursprünglich gar nichts mit dem Weihnachtsfest zu tun. Ähnlich wie das Osterfeuer soll er auf alte heidnische Bräuche zurück zu führen sein.
Schon die alten Römer hätten Bäume geschmückt, heißt es. Später dann soll man Äpfel in Bäume gehängt haben, um an den Baum der Erkenntnis aus dem Paradies zu erinnern. Aus den Äpfeln sind dann wohl irgendwann unsere Glaskugeln geworden.
Eine Legende besagt, dass der Reformator Martin Luther zu Weihnachten einen geschmückten Tannenbaum in die Stube gestellt haben soll. Das ist wohl tatsächlich eine Falschmeldung, aber mit einem wahren Kern. Denn richtig ist, dass der Weihnachtsbaum im 19. Jahrhundert seinen Siegeszug durch die Wohnzimmer in evangelischen Gebieten Deutschlands begann. In katholisch geprägten Gebieten war eher die Krippe verbreitet. Als dann der Baum kam, hat man sie einfach darunter gestellt. So ist es bis heute in beiden Konfessionen geblieben. Der „heidnische“ Weihnachtsbaum legt seine bunt geschmückten Nadelzweige schützend über das neugeborene Christkind.
Damit ersmal genug der historischen Weisheiten, denn das Aufstellen des Baumes ist jedes Jahr weihnachtliche Gegenwart und will gepflegt werden. Und dazu hat jede Familie so ihre eigenen Ansichten. Mein Kollege auf der anderen Seite des Tisches ist zum Beispiel ein strenger Traditionalist, wie er selbst immer wieder sagt. Der Baum wird bei ihm erst an Heiligabend aufgestellt und mit echten Kerzen beleuchtet. Ich bin da nicht so streng. Ähnlich wie in Sachen Lebkuchen greife frühzeitig ich zum Baum, wenn er zu haben ist und stelle ihn auch auf. Ich mag besonders den angenehmen Duft, und die elegante Pracht, die der Baum im Wohnzimmer verströmt. Und da ich gewaltigen Respekt vor Feuer habe, ist er auch mit künstlichen Kerzen bestückt.
Einig sind wir uns allerdings darin, dass es sich um einen echten Nadelbaum handeln muss. Mein Vater hatte irgendwann mal einen künstlichen Baum angeschleppt. Das wollte ich mir nicht gefallen lassen, habe mein Taschengeld zusammen gekratzt, einen echten Baum gekauft und drunter laut „O Tannenbaum“ gesungen ...