White Christmas
Glosse aus hallo Sonntag vom 4. Dezember 2011
Heute haben wir bereits den zweiten Advent, doch so richtig will Weihnachtsstimmung noch immer nicht aufkommen. Im Radio wird munter Weihnachtsmusik gedudelt, doch wenn Bing Crosby von weißer Weihnacht träumt, klingt das fast wie Hohn. Von Schneeflöckchen ist nichts zu sehen.
Dabei ist es gar nicht so lange her, da lag bereits im November meterhoch Schnee. Wer da mit dem Auto unterwegs war, musste sich viel Zeit nehmen. Schlimmer noch traf es die Bahnreisenden. Weil die, die ja angeblich nie vom Wetter reden, es mal wieder überhaupt nicht auf die Reihe kriegten, kam man nur mit viel Glück und unter zahlreichen Strapazen dahin, wohin man wollte. Uns hatte es in Bremen erwischt. Wir hatten uns mit mehreren Leuten zum Weihnachtsmarktbummel verabredet. Hin kamen wir auch einigermaßen problemlos. Aber wir mussten ja auch wieder zurück.
Beschwingt von einigen Tassen Glühwein mit Schuss gingen wir am späten Nachmittag zum Bahnhof. Auf dem Bahnsteig erwartete uns schon eine riesige Menschenmenge. Von einer Bahn war nichts zu sehen. Nach einigem Warten kam auch heraus, warum. Aus den scheppernden Lautsprechern wurde durchgesagt, dass die Verbindung ausfällt. Über den Tumult, der danach ausbrach, will ich mich nicht weiter auslassen.
Wir versuchten die Ruhe zu bewahren und begaben uns wieder auf den Bahnhofsvorplatz, wo ein paar Glühweinbuden standen, und stärkten uns nochmal geistig-moralisch. Hin und wieder blickten wir auf die elektronische Anzeigetafel. Und siehe da, nach einer Stunde wurde der folgende Zug als pünktlich angezeigt. Der fuhr dann tatsächlich mit kurzer Verzögerung ein. Nur auf dem Bahnsteig hatte sich mittlerweile die doppelte Menge frierend wartender Reisender eingefunden. Und die waren fest entschlossen, mit aller Macht den Zug zu erobern. Es begann ein Drängeln, Hauen und Stechen, dem wir uns nicht aussetzen wollten. Wir wären ohnehin nicht reingekommen. So gingen wir wieder zum Glühweingenuss über. Damit zog sich der Abend hin. Ein weiterer Zug fiel aus, der nächste war wieder übervoll. Irgendwann war es uns dann egal, weil auch wir eine gewisse Völle erreicht hatten und nach Hause mussten. Also zwängten wir uns in einen Zug und erreichten schließlich so gegen Mitternacht Hannover.
Seither ist es mit meinem Weihnachtsgefühl nicht mehr weit her. Und auf keinen Fall träume ich von „White Christmas“ ...