Ohne Musik geht es nicht – Graziella Schazad stellt ihr Debut-Album vor
HANNOVER (cle). Graziella Schazad zieht die Blicke auf sich. Wenn sie sich die Geige vor den Bauch hält und sie wie eine Gitarre spielt, sorgt sie zunächst für ungläubiges Stirnrunzeln. Doch kaum erklingen die ersten Töne verwandeln sich die Runzeln und Entspannung macht sich breit. Wenn Graziella dann beginnt zu singen, kann sich niemand der Magie der zierlichen Musikerin entziehen.
„Als ich drei Jahre alt war, wollte ich unbedingt ein Klavier haben“, erzählt Graziella Schazad. „Aber meine Mutter schickte mich zum Gitarrenunterricht“. Die Frau des Gitarrenlehrers unterrichtete Geige und so lernte die junge Graziella eben auch Geige. Erst als sie neun ist, bekommt sie endlich ihr Klavier. Mit 13 träumt sie davon, auf der ausverkauften Berliner Waldbühne zu spielen. Mit ihrer Freundin Stefanie Sass gründet sie das Folk-Duo „For P’n’J“ (For Paradise and Jail) und beginnt, live zu spielen.
Inzwischen geht sie ihren musikalischen Weg als Solokünstlerin. Um ihren Traum zu verwirklichen, scheut sie auch Konflikte nicht. Sie schmeisst mit 17 kurz vor dem Abi und natürlich gegen den Willen der Eltern, die Schule und versucht, sich als Musikerin durchzuschlagen. Doch das Leben ist hart und drei Jahre später ist sie kurz davor, ihren Traum aufzugeben. Aber ohne Musik geht es auch nicht, also wagt Graziella einen Neuanfang. Sie zieht von Berlin nach Ingolstadt, lernt dort ihren Mann kennen, heiratet und beginnt wieder intensiv Musik zu machen. 2007 zieht das Paar nach Hamburg und die musikalische Karriere nimmt rasant an Fahrt zu. Für ihren Traum kellnert sie, jobbt in der Marktforschung und macht schließlich sogar eine Ausbildung zur Stewardess. „Da hatte ich aber zuwenig Zeit für Konzerte und so war nach 26 Flügen schon wieder Schluss“, erzählt sie. Nach zahlreichen Auftritten darunter auch zwei Gigs im Hochsicherheitstrakt von „Santa Fu”, der JVA Hamburg-Fuhlsbüttel, soll sie der Plattenfirma Warner ein Demo schicken. „Das fand ich aber zu unpersönlich und so bin ich selber hin, um mich vorzustellen“. Ein spontanes Konzert dort überzeugt alle Anwesenden und beschert ihr einen Plattenvertrag. Sie produziert die Single „Look At Me“ und wird Hauptakteurin der Internet-Soap „Deer Lucy“.
„Als ich das erste Mal einen Song geschrieben habe, hat es ,klick’ gemacht, das war für mich Erfüllung”, sagt Graziella rückblickend. Auf den ersten Song sind viele gefolgt. Inzwischen entstehen sie in ihrer Hamburger Wohnung. „Wenn ich am Songs schreiben bin, brauche ich komplette Ruhe. Da ziehe ich mich total in mich zurück und bin sogar genervt, wenn meine Katze kommt“, erzählt die 27-Jährige. „Ich habe mein Zimmer sogar schalldicht gemacht, es darf mich keiner hören. Ich schließe die Tür, die Fenster und will auch nicht mehr angesprochen werden. Ich will dann keine Zeit mehr verlieren. Die Gedanken und Melodien kommen und gehen und ich muss sie fangen. Ich mache dann nur den Laptop an und nehme auf. In dem Moment, wo ich ein Gerüst habe, also eine Strophe und einen Chorus, dann bin ich wieder entspannt.“
Im Moment kann sich Graziella Schazad entspannt zurücklegen: Ihr Debut-Album „Feel who I am“ ist fertig und seit kurzem im Handel erhältlich.

