Raus aus der Ohnmacht
Isernhagen: Frauentreffpunkt |
Frauen-Treffpunkt hilft seit 25 Jahren in akuten Krisen
HANNOVER (aru). Täglich werden Frauen und Mädchen Opfer systematischer sexueller Gewalt. Nicht selten harren sie jahrelang in Gewaltbeziehungen aus. Darüber zu sprechen, sich vertrauensvoll an jemand zu wenden, stellt für viele oft eine unüberwindbare Hürde dar. Um Frauen und Mädchen diesen Schritt zu erleichtern und ihnen zu helfen, bietet der Frauen-Treffpunkt in der Jacobistraße Betroffenen eine Anlauf- und Beratungsstelle. In diesem Jahr feiert der Verein sein 25-jähriges Bestehen.
„Seit einigen Jahren verzeichnen wir eine ständig steigende Zahl von Traumafolgestörungen“, berichtet Ursel Menschel, pädagogische Fachkraft und eine der drei hauptamtlichen Mitarbeiter der Beratungsstelle. Ursache dafür seien traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit. „Das reicht von sexuellen Missbrauch, über Vergewaltigung, Geiselnahme, Kriegsgefangenschaft bis hin zur Folterung.“
Bei vielen dieser Frauen stelle sich das Gefühl von Hilflosigkeit durch die Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses ein, viele seien nicht in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen.. „Bis die Betroffenen jedoch einen Therapieplatz finden, können bis zu zwei Jahre vergehen“, weiß die Soziologin. Der Frauentreffpunkt versteht sich somit als „Sammelbecken“, der ihnen eine Überbrückungsberatung anbietet, um über ihre belastenden Symptome zu sprechen und erste Stabilsierungstechniken zu lernen. „Einige dieser Frauen fassen hier so viel Vertrauen, dass sie anschließend nicht mehr in eine andere Einrichtung wechseln wollen.“
Hilfe finden hier jedoch nicht nur Opfer von Gewalt. „Auch Frauen mit Essstörungen, Trennungen, Partnerproblemen oder anderen Lebenskrisen können sich an uns wenden“, so Menschel. 3600 Kontakte zählt der Frauen-Treffpunkt jährlich, zunehmend kommen Anfragen per E-mail. Die Frauen sind durchschnittlich 30 bis 50 Jahre alt, die jüngste ist 18, die älteste 72 Jahre. Für sozial schwache Klienten, ihr Anteil beträgt inzwischen 60 bis 70 Prozent, ist das Angebot kostenlos und richtet sich an Frauen jeder Nationalität. Menschel: „Unser Konzept ist so ausgerichtet, dass es Betroffenen die Schwellenangst nehmen soll. Wir bieten eine offene Sprechstunde, das Frauenfrühstück und niedrigschwellige Gruppenangebote. Hier erfahren Frauen eine Begegnung auf Augenhöhe sowie eine hohe Wertschätzung und Akzeptanz. Das zeichnet uns aus.“
Beliebt sei das „Offene Kunstatelier“, berichtet ihre Kollegin Esther Leger-Stier. Die Sozialpädagogin und Diplom-Künstlerin erinnert sich an eine Klientel: „Die Frau war Schmerzpatientin, traumatisiert durch Gewalt in der Familie, verließ ihr Haus nicht mehr. Irgendwann hat sie sich doch entschlossen, in unser Kunstatelier zu kommen. Ihre Geschichten hat sie uns über Bilder mitgeteilt. Heute ist sie schmerzfrei.“
Ein neuer Beratungsschwerpunkt sei die Beratung und Begleitung von Frauen mit Depression. Sie seien doppelt so häufig betroffen wie Männer. „Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, schließlich handelt es sich um eine Erkrankung“, so Diplom-Psychologin Beate Schacht.
Wo macht sie den Erfolg ihrer Arbeit fest? „Wenn die Frauen nicht wiederkommen, wir uns überflüssig machen.“
Mehr Informationen im Internet unter www.frauentreffpunkt-hannover.de

