„Wir bleiben hier bis zum Sturz des syrischen Regimes“
Mahnwache an der Leinstraße erinnert an die Toten und Verletzten
HANNOVER (aru). Über 4000 Tote gab es schon. Sie mussten ihr Leben lassen, weil sie gegen das Regime von Präsident Baschar Al-Assad in Syrien protestieren. Mit einer Mahnwache Nähe der Markthalle will der Syrer Mohamed Arrach auf die Missstände seines Landes aufmerksam machen. Bereits seit Mitte August informieren er und seine Mitstreiter Passanten über die aktuelle Lage.
„Die Demonstranten fordern politische Freiheit und den Sturz der Regierung, aber das Regime bekämpft die friedlichen Proteste mit Gewalt“, erzählt Arrach. „Sicherheitskräfte setzen scharfe Munition gegen Demonstranten ein. Mehr als 10.000 Verletzte sind schon zu beklagen.“ Sein Protestzelt an der Leinstraße/Ecke Karmarschstraße ist inzwischen einem beheizten Container gewichen – der Temperaturen wegen. Auch an diesem Novembertag zeigt das Thermometer nur sieben Grad.
„3000 Menschen sind als vermisst gemeldet, über 40.000 Oppositionelle werden in der Haft gefoltert. Die Menschen in Syrien verdienen unsere Solidarität und Unterstützung“, sagt sein Mitstreiter Ahmed Surky. Auch seine Familie lebt in Syrien, die Angst um sie ist immer da. „Mit meiner Mutter telefoniere ich zwei bis drei Mal die Woche. Im Hintergrund höre ich immer wieder die Explosionen von Bomben.“ Laufen könne die 75-Jährige nicht mehr. „Bekannte bringen sie dann zu ihrem Schutz in den Wald“, erzählt Surky. Seine Forderungen sind klar: „Der Druck auf das syrische Regime muss erhöht und der Schutz der Zivilbevölkerung gewährleistet sein.“
Rund 1000 Unterschriften hat er dafür schon gesammelt. Eine davon ist die von Passant Joachim Gottschalk: „Es ist wichtig, dass wir in Deutschland die Friedensbestrebungen in den arabischen Ländern unterstützen“, meint der 66-Jährige. „Ich hoffe, dass die Revolution erfolgreich ist.“ Die Medienberichterstattung hält er allein nicht für ausreichend: „Man muss sich emotional darauf einlassen, damit man einen Bezug zu den Unterdrückten hat.“
Mit einem Brief an das Bundeskanzleramt erhofft sich Ahmed Surky mehr Bewegung: „Die Bundesregierung muss klare Signale senden, um die Demokratiebewegungen im Nahen Osten zu unterstützen“, sagt er. Aufgeben will er keinesfalls: „Wir bleiben hier bis zum Sturz des syrischen Regimes.“
Mehr Informationen erteilt Surky unter Telefon 0163 718 5005 oder direkt im Container immer sonntags in der Zeit von 16 bis 18 Uhr.
