Wohnst Du noch oder lebst Du schon?
Seniorenbeirat hat sich das Thema „Wohnen im Alter“ auf die Fahnen geschrieben
HANNOVER (aru). Es ist nur eine kleine Stufe. Für Klaus Dickneite aber ist sie ein großes Hindernis. Der stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirates steht mit seinem Rollstuhl vor einem Hauseingang in der City. Zugang wird er hier nicht finden – zumindest nicht ohne fremde Hilfe. Für den 65-Jährigen ist klar: Hier muss sich etwas ändern. „Wohnen im Alter“ ist deshalb auch das Schwerpunktthema des Seniorenbeirates (SBR) Hannover.
„Der Mangel an barrierefreien bezahlbaren Wohnungen ist groß“, weiß auch Gerhard Elsner vom Seniorenbeirat. „Auf diese Missstände wurden wir von etlichen Besuchern bei der diesjährigen Seniora-Messe im HCC und beim Tag der offenen Tür im Neuen Rathaus angesprochen.“
Die meisten Menschen in Deutschland wollen so lange wie möglich in ihrer Wohnung, im vertrauten Wohnumfeld leben. Die Realität sieht oft anders aus. Nicht nur Stufen im oder beim Zugang zur Wohnung, auch zu enge Bäder lassen oft eine selbständige Lebensführung nicht zu. Familienangehörige wohnen zu weit entfernt, der Kontakt zu Nachbarn und Freunden fehlt oder reicht alleine nicht aus, um den Alltag in Würde zu bewältigen.
Ein Patentrezept hat aber auch Elsner nicht. „Zumindest bei Neubauten muss auf Barrierefreiheit geachtet werden. Insbesondere, wenn man sich die demografische Entwicklung vor Augen hält“, sagt er.
Immerhin: Nach Angaben des Sta¬tis¬tischen Bundes¬amtes wird im Jahr 2050 jeder Dritte 60 Jahre oder älter sein. Schon jetzt wohnen allein im Raum Hannover 120 000 Menschen über 60 Jahre. Der Seniorenbeirat steht deshalb schon mit dem Spar- und Bauverein in Kontakt. „Dort versucht man bereits, den Nutzern entgegenzukommen“, sagt Elsner. „Um die Bedürfnisse älterer Menschen besser zu ergründen, benötigen wir aber weitere Kenntnisse über die Lebens- und Wohnverhältnisse in den einzelnen Stadtquartieren.“ Hier erwartet der Beirat entscheidende Hilfen und Anstöße durch den für 2013 angekündigten Seniorenplan der Landeshauptstadt – nur einer seiner fünf Handlungsschwerpunkte. „Der letzte ist von 2003 und damit nicht mehr aktuell“, sagt Elsner, „wir sind aber bereit, an dem Plan mitzuwirken.“ Zwar sei in den vergangenen Jahren schon viel erreicht worden – etwa der Ausbau von Hochbahnsteigen, dennoch gäbe es noch viel zu tun. „Es hat sich ja vieles verändert“, weiß auch Monika Stadtmüller, Vorsitzende des Seniorenbeirates. „Wir brauchen Informationen über Einkommen, die Infrastruktur und dergleichen.“
Sorge bereitet ihr auch „das Nachlassen von Dienstleistungen.“ „Immer mehr Bank- und Postfilialen schließen und auch der Personalmangel in Heimen macht sich bemerkbar – für die Bewohner haben die Pfleger immer weniger Zeit.“ Kämpfen will sie dennoch: „Unser Ziel ist es, den Wunsch der Betroffenen, möglichst lange selbstverantwortlich und selbstständig in den ‚eigenen vier Wänden’ leben zu können, zu unterstützen. Dafür werden wir Druck ausüben bei den Behörden und Wohnungsgenossenschaften.“
Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat das Problem erkannt und fördert im Rahmen des neuen Programms „Nachbarschaftshilfe und soziale Dienstleistungen“ bundesweit 35 Projekte bis 2014 mit vier Millionen Euro, die innovative Formen der Unterstützung und Versorgung anbieten. „Mit dem neuen Programm wollen wir so viele Menschen wie möglich in die Lage versetzen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Nur so erhalten wir auch im Alter die gewohnte Lebensqualität – dazu zählen Komfort, Geborgenheit und Sicherheit ebenso wie Aktivität und gesellschaftliche Teilhabe“, sagt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

