Neue Attraktion geplant
Heike Schmidt und Ronald Clark im Gespräch.Foto: Oberdorfer

Neue Attraktion geplant

Gartendirektor Ronald Clark will ein großes Ausstellungshaus für die Herrenhäuser Gärten bauen.

Die Herrenhäuser Gärten sollen eine neue Attraktion bekommen: Ab 2019 soll ein neues, dreiteiliges Ausstellungshaus im Berggarten entstehen. „Einen Architektenwettbewerb werden wir im kommenden Jahr durchführen“, sagt Ronald Clark, Gartendirektor in Herrenhausen. Diese Idee eines neuen Ausstellungshauses verfolgen die Freunde der Herrenhäuser Gärten schon seit Jahren. Bislang fehlte immer das Geld. Wie die Finanzierung aussehen soll, ist indes noch unklar. Fest steht: Das neue Ausstellungshaus soll dort entstehen, wo bislang das Kanarenhaus ist. Das in den frühen 1980er Jahren erbaute Haus ist marode und außerdem zu niedrig für die vorhandenen Pflanzen. Daher wird das neue Ausstellungshaus auch dreiteilig: Es wird ein neues, höheres Kanarenhaus geben, ein Haus mit Ausstellungsfläche sowie ein kleines Haus, in der die Riesenseerose Viktoria Regia wachsen und zum Publikumsmagnet werden soll. Denn: „Unser Ziel ist es, die Attraktivität der Herrenhäuser Gärten im Winterhalbjahr zu steigern.“ Bislang gebe es beispielsweise keine Ausstellungsfläche, auf der man Zitrusgewächse zeigen könne. Und dort, wo die Riesenseerose Viktoria regia im Sommer blüht, sollen im Winterhalbjahr Schmetterlinge die Besucher erfreuen.

Platz für die Riesenseerose Viktoria Regia. Foto: Pixabay

Platz für die Riesenseerose Viktoria Regia. Foto: Pixabay

„Wie viel Event verträgt der Garten, Herr Clark?“

Warum der Große Garten trotz vielfacher Veranstaltungen keine Eventlocation ist, erklärt Gartendirektor Ronald Clark

So langsam wird es ruhiger im Großen Garten – der letzte Feuerwerkswettbewerb steht am 17. September an. Davor gab es schon das Kleine Fest, ein Shakespeare-Special, die KunstFestSpiele Herrenhausen. Müssen Sie eigentlich nach einem solchen Sommer den Garten grundrenovieren?
Nein, grundrenovieren müssen wir nicht. Nach dem kleinen Fest müssen wir den Garten einmal groß überarbeiten, da die Bühnen auch auf den Rasenflächen stehen. Aber der Garten ist nicht kaputt! Nach den Feuerwerkswettbewerben sind nur die Wege etwas zu machen. Der Schotter ist meist nach Veranstaltungen mit zehntausend Personen zermahlen. Da schottern wir nach. Aber mehr ist da nicht zu tun. Das Publikum ist sehr diszipliniert. Da geht niemand in die Rabatten. Dafür ist bestimmt auch der soziale Druck zu groß.

Im Laufe der Jahre sind immer mehr Veranstaltungen im Großen Garten hinzugekommen. Wie viel Event verträgt das barocke Schmuckstück?
Wir sind keine Eventlocation! Aber an Großveranstaltungen reicht es. Wir wollen mit kleineren Formaten mit bis zu 500 Personen neue Zielgruppen erschließen. Die Veranstaltungen rund um Shakespeare waren ein Beispiel dafür. Denn natürlich sollen die Veranstaltungen etwas mit dem Großen Garten zu tun haben. Zudem wollen wir verstärkt ein Programm für kleine Kinder bis zehn Jahren entwickeln. Für sie soll der Große Garten erlebbar werden – das aber weniger durch die Pflanzen als vielmehr durch die Geschichte. Die Kurfürstin Sophie wird da eine Rolle spielen. Aber mehr darf ich noch nicht verraten.

Das Gartentheater spielt bei kleineren Veranstaltungen auch immer eine große Rolle. Aber man hört, dass es auch hier Veränderungen geben wird.
Ja, das stimmt. Wir werden ab 2019 das Gartentheater in den ursprüngliche Zustand zurückbauen. Die Veränderungen von 1936/37 und 1958 sollten das Gartentheater zu einer Freilichtbühne machen. Ursprünglich war es aber ein Festraum auf mehreren Ebenen. So saß der Kurfürst ja auch bei den Inszenierungen direkt auf der Bühne. So konnte er zwar fast nichts sehen, aber viel wichtiger: Er wurde gesehen. Da wir Unterlagen vom ursprünglichen Zustand haben, werden zum Beispiel den Orchestergraben zuschütten, die Bäume erneuern und wieder so anordnen, wie sie ursprünglich gestanden haben.

Es wird also anders geschnittene Bäume, eine freie Sichtachse auf die Galerie sowie mehr Platz vor der Bühne geben. Wie teuer wird das werden und wie lange wird der Rückbau dauern?
Der Rückbau dürfte recht fix fertig sein. Ich rechne mit 2019/20. Und es wird auch nicht so immens teuer: Er wird ungefähr eine halbe Million Euro kosten.
Das war in diesem Jahr weitaus mehr: 5 bis 6 Millionen Euro stehen da bislang auf der Rechnung …
Ja, das war viel: Die Wasserkunst, die Mauern, die den Berggarten umgeben, jetzt beginnt in drei Wochen die Renovierung des Arne Jacobsen-Foyers – das sind alles große Posten.

Teurer als geplant wird scheinbar auch die Renovierung des Tropenhauses.
Ja, das wird 350 000 Euro teurer als vorgesehen. Bei den Probebohrungen an dem Haus aus dem Jahr 1958 dachte man noch, die Holzkonstruktion der Glasfassade sei in Ordnung. Als man dann aber das Fachwerk frei gelegt hatte, sah man, dass es marode war. Wir mussten also das Holz austauschen. Die Konstruktion ist jetzt aber so, dass das Holz beispielsweise nicht mehr direkt auf dem Beton aufliegt und das Kondenswasser, das sich zwischen Holz und Aluminiumprofilen gesammelt hatte, abfließen kann. Gleichzeitig haben wir die alten, schon etwas blinden Scheiben ausgetauscht, so dass wir jetzt wieder den vollen Durchblick haben. Nächstes Jahr ist dann das Orchideenschauhaus dran.

Wie weit sind eigentlich die Stützarbeiten an den Bäumen der Lindenallee im Berggarten?
Ich rechne damit, dass wir im kommenden Frühjahr damit durch sind. Dann sind auch die Wege wieder in Ordnung. Wir planen jetzt auch einen Lehrpfad, der über die Linden, die Allee, die Geschichte und den Juchtenkäfer informiert.
Interview: Heike Schmidt

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Geheimtipps für die Herrenhäuser Gärten

 

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