Pilzvergiftungen durch Verwechslung
Hochgiftig: der grüne Knollenblätterpilz.

Pilzvergiftungen durch Verwechslung

 30 Vergiftungsfälle binnen einer Woche, 17 davon allein in einer Nacht – in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden in diesen Tagen auffallend viele Menschen mit einer Knollenblätterpilz-Vergiftung eingeliefert. Eine Pilzsammlerin ist  in der Klinik an den Folgen ihrer Vergiftung gestorben. Ein MHH-Sprecher betonte, dass es sich um eine deutsche Sammlerin gehandelt habe.

Die meisten Vergiftungsopfer sind jedoch Flüchtlinge aus Syrien. „Augenscheinlich“, so Andrea Schneider, MHH-Oberärztin für Ernährungsmedizin, „gibt es dort einen Pilz, der dem hiesigen Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnlich sieht.“

Vielen deutschen Pilzsammlern ist die Gefährlichkeit des Pilzes bekannt. Es kommt nur zu wenigen Vergiftungsfällen und die sind dann abhängig vom Wetter. „In Jahren mit feuchter Witterung gibt es besonders viele Pilze. Dann sind zum einen viele und oft auch unerfahrene Sammler unterwegs. Entsprechend viele Vergiftungen treten auf“, sagt Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum Nord.

 

Den Flüchtlingen aus Syrien ist der grüne Knollenblätterpilz vermutlich wenig bekannt. Er wachse vor allem im Verbreitungsgebiet der Eiche, erläutert Prüfert. „Ich gehe deshalb davon aus, dass er in Syrien kaum vorkommt“, sagt er. Und nicht nur der Knollenblätterpilz, sondern Giftpilze insgesamt scheinen in Syrien selten zu sein: „Ein junger Flüchtling aus Syrien hat mir erzählt, dass eigentlich alle Pilze, die in Syrien wachsen, essbar seien. Sie haben kein Bewusstsein dafür, dass es giftige Pilze geben könnte“, so Stefan Zorn, Pressesprecher der MHH.

Um Flüchtlinge und Asylsuchende vor der Gefahr zu warnen, hat die MHH über ihr Netzwerk Flüchtlingshilfe ein Plakat entworfen und in verschiedene Sprachen übersetzt. Es wird bundesweit in Flüchtlingsunterkünften ausgehängt.

Rosemarie Drescher, Pilzsachverständige aus der Region Hannover, befürchtet allerdings, dass es in diesem Jahr insgesamt vermehrt zu schweren Pilzvergiftungen kommen könnte. „Ich habe den Eindruck, dass es zur Zeit besonders viele grüne Knollenblätterpilze gibt“, so die Expertin. Der grüne Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland und für 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Äußerlich ähnelt er einem Champignon, was zu gefährlichen Verwechslungen führt. Besonders tückisch sei, dass der Knollenblätterpilz – im Unterschied zu vielen anderen Giftpilzen – nicht bitter schmecke. „Schon ein einziger Pilz kann schwere Gesundheitsschäden verursachen“, warnt MHH-Pressesprecher Zorn. Das Gift wirke erst mehrere Stunden nach dem Verzehr und sei dann bereits im ganzen Körper aufgenommen.

Bei einem Verdacht auf eine Pilzvergiftung sei es wichtig, sofort einen Notarzt zu rufen. „Zur Erleichterung der Diagnose, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben werden“, rät Professor Michael Manns, Leiter der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der MHH. Denn bei einer Pilzvergiftung zähle die Zeit. „Je früher sie entdeckt wird, desto größer sind die Überlebenschancen“, erläutert Zorn.

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