Rekord in der Stadtbibliothek
Bibliotheksleiterin Carola Schelle-Wolff empfiehlt den Krimi „Ein paar Tage Licht“ von Oliver Bottini und den Klassiker „Candide“ von Voltaire. Foto: Haak

Rekord in der Stadtbibliothek

575 Jahre alt und beliebter denn je: Im vergangenen Jahr hat die Stadtbibliothek nicht nur ihr Jubiläum gefeiert, sondern auch neue Rekorde aufgestellt. Die Zentralbibliothek und die Stadtteilbibliotheken haben insgesamt mehr als 4,2 Millionen Bücher und andere Medien wie Filme und Hörbücher verliehen – so viele wie nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung um etwa 200 000, also fünf Prozent. Außerdem haben sich 13 700 Benutzer neuangemeldet. Das waren acht Prozent mehr als 2014. Insgesamt hat die Bibliothek mehr als 1,5 Millionen Besuche verzeichnet. Sie ist damit Spitzenreiterin unter den hannoverschen Kultureinrichtungen.

Nach den audiovisuellen Medien folgen auf Platz zwei Sachbücher für Erwachsene. Sie machen in der Stadtbibliothek 24 Prozent aller Ausleihen aus. Der Schwerpunkt liegt auf Ratgebern zur Alltagsbewältigung, beispielsweise aus den Bereichen Medizin und Psychologie. „Auch Handarbeits- und Bastelbücher sind beliebt“, ergänzt Schelle-Wolff. Die Nachfrage nach Fachbüchern habe hingegen abgenommen.

Einen großen Anteil an den Ausleihen haben auch Kinder- und Jugendbücher mit insgesamt 21 Prozent. Die ersten drei Plätze bei den meistgeliehenen Jugendromanen belegt der Autor Jeff Kinney mit unterschiedlichen Bänden von „Gregs Tagebüchern“. Insgesamt ist fast die Häfte aller Nutzer jünger als 20 Jahre alt. Nach Einschätzung der Bibliotheksleiterin haben daran die Angebote zur Leseförderung einen erheblichen Anteil. 2500 Besuche von Kita-Gruppen und Schulklassen hat die Bibliothek im vergangenen Jahr betreut. Auch die zentrale Jugendbuchwoche mit Vorstellungen in 26 hannoverschen Schulen sei wichtig, um Schulkinder und ihre Eltern zu erreichen. Fast 800 Jugendliche im Alter von elf bis 15 Jahren haben sich außerdem in den Sommerferien an dem Leseclub „Julius“ beteiligt.

Die Nutzung der Bibliothek habe sich in den vergangenen Jahren verändert. „Die Menschen kommen nicht mehr nur gezielt, um Bücher auszuleihen. Die Bibliothek ist zu einem Aufenthaltsort geworden“, freut sich Bibliotheksleiterin Carola Schelle-Wolff. Schüler und Studenten nutzten die Bibliothek beispielsweise mehr als früher zum Lernen. „Das liegt auch daran, dass wir nicht mehr wie früher mit erhobenem Zeigefinger hinter ihnen stehend zur Ruhe mahnen“, vermutet Schelle-Wolff. Außerdem gebe es am zentralen Standort in der Hildesheimer Straße und in den Stadtteilbibliotheken mehr gemütliche Sitzmöbel und Arbeitstische.Die Buchausleihe gehe zurück, so Bibliotheksleiterin Carola Schelle-Wolff. Aber das werde durch andere Medien ausgeglichen. Besonders gefragt sind DVDs und Hörbücher: „Gerade Filme abseits des Mainstreams, die nicht oder nur kurz im Kino laufen, werden gern ausgeliehen.“ Filme machen ein Viertel aller Entleihungen aus, Hörbücher noch einmal 14 Prozent. Potenzial sieht Schelle-Wolff vor allem bei den E-Books und anderen elektronischen Medien. Sie haben einen Anteil von vier Prozent an den Ausleihen. „Aber die Steigerungsrate liegt hier seit Jahren im zweistelligen Bereich, im vergangenen Jahr bei 35 Prozent“, erklärt die Bibliotheksleiterin.

Bibliotheksleiterin Carola Schelle-Wolff gibt Empfehlungen für Bücher, Hörbücher und Filme

Krimi

bottini

Roman

ott

Klassiker

candide

In Algerien wird ein deutscher Rüstungsmanager entführt, angeblich von islamistischen Terroristen. „Die Zusammenhänge lassen sich nicht so schnell durchschauen“, sagt Bibliotheksleiterin Carola Schelle-Wolff. Die Charaktere und die Beziehungen zwischen ihnen seien vielschichtig.  Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht, 512 Seiten.
Zwei Männer lernen sich kennen. Der eine lässt den anderen nicht mehr in Ruhe. „Spannend finde ich an dem Buch vor allem das Psychogramm, das der Autor zeichnet und die Beziehung zwischen den beiden“, so Schelle-Wolff. Die Sprache sei lakonisch, nicht so ausschweifend. Vieles wird nur angedeutet. Karl-Heinz Ott: Endlich Stille, 208 Seiten.
Die Erzählung ist eine Kritik an Leibniz‘ These, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben. Voltaire treibt die These auf die Spitze und konfrontiert sie mit den Schrecken in der Welt. „Candide ist eines meiner Lieblingswerke der Weltliteratur“, sagt Schelle-Wolff. Es erschöpfe sich nicht beim ersten Lesen. Voltaire: Candide, 159 Seiten.
Roman

weyand

Hörbuch

seiler

Film

elser

Es geht um einen jungen Mann, der antriebslos ist und nicht weiß, was er beruflich machen soll und in den Tag hinein lebt. Er beginnt bei einem Bestattungsinstitut zu arbeiten. „Es ist eine schräge Geschichte. Obwohl sie nicht im eigentlichen Sinne lustig ist, hat sie viel Witz“, urteilt Schelle-Wolff. Kai Weyand: Applaus für Bronikowski, 188 Seiten.
Es geht um kaputte Biographien. Die Hauptfigur ist kein strahlender Held, sondern sehr unsicher und suchend. „Ich habe das Hörbuch auf einer langen Autofahrt gehört“, sagt Schelle-Wolff. Der Sprechstil von Franz Dinda sei sehr sachlich. „Das passt hervorragend zu der Buchsprache“, urteilt sie. Lutz Seiler: Kruso, gelesen von Franz Dinda, 9 CDs, 657 Minuten.
Der Film handelt von Georg Elser, der ein Attentat auf Hitler geplant hat und von den Nazis hingerichtet wurde. „Die filmische Umsetzung ist sehr eindringlich“, sagt Schelle-Wolff. In einer würtembergischen Kleinstadt erlebte Elser, wie der Nationalsozialismus die Atmosphäre in dem Ort veränderte.  Elser – Er hätte die Welt verändet, 110 Minuten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.