„Schwarzbrot würde mir fehlen“
Laura Kindervater ist seit 30 Jahren mit ihrem Mann Bernd verheiratet. Foto: Wallmüller

„Schwarzbrot würde mir fehlen“

Laura Kindervater liebt den Frühling in Hannover. „Das Erwachen der Natur beeindruckt mich jedes Mal wieder“, sagt sie. Seit etwa 35 Jahren lebt sie in der niedersächsischen Landehauptstadt. Geboren und aufgewachsen ist sie in Guatemala: „Aus meiner früheren Heimat kannte ich diesen Wechsel der Jahreszeiten nicht.“

Im Herbst 1979 ist die gebürtige Südamerikanerin für eine Au-Pair-Stelle nach Celle gekommen. Dort lebte sie bei einer Gastfamilie und betreute die siebenjährige Tochter. Nach einem halben Jahr sollte es zurück nach Guatemala gehen. Doch es kam anders: In der Disco lernte sie ihren Freund kennen. Die Pläne, nach Guatemala zurückzukehren, schob sie auf und zog stattdessen mit ihrem Freund in Hannover zusammen.

In der Landeshauptstadt begann die Guatemaltekin, Spanisch-Unterricht zu geben. Das erwies sich als Glücksfall: Einer ihrer Schüler war Chef eines Beratungsunternehmens für internationale Wirtschaftsbeziehungen. Als er ihr eine kaufmännische Ausbildung anbot, sagte sie ohne Zögern zu. Denn für sie bedeutete das vorerst eine gesicherte Aufenthaltserlaubnis.

Erst als sie die Ausbildung nach zwei Jahren abgeschlossen hatte, sah sie sich zu einer definitiven Entscheidung gedrängt. Denn die zuständigen Behörden verlängerten ihre Aufenthaltserlaubnis nicht. „Am Ende blieb nur noch ein Ausweg: die Heirat mit meinem Freund“, so Kindervater.

Obwohl sie in ihrer Beziehung glücklich war, sei ihr die Entscheidung nicht leicht gefallen: „Ich dachte: Wenn es nicht funktioniert oder dich das Heimweh packt, kannst du nicht mehr so einfach zurückkehren.“ Letztlich siegte ihr Wunsch, bei ihrem Freund in Hannover zu bleiben: „Das hab ich bis heute nie bereut.“ Die Entscheidung habe auch ihr damaliger Chef ermöglicht: „Er hat mir eine Stelle angeboten. Ich wollte nicht von meinem Mann abhängig sein.“

Fast zwanzig Jahre lang blieb sie der Firma treu. Bis sie 1999 einen lang gehegten Wunsch verwirklichte: Sie übernahm ein kleines Geschäft an der Königsstraße, in dem sie Schmuck und Accessoires verkauft.

Ihr Mann hatte ihr diese Idee lange Zeit ausgeredet; doch sie setzte sich durch. Die ersten Monate seien hart gewesen: „Ich habe heimlich viel geweint.“ Aufgegeben hat Kindervater aber nicht. Auch nicht, als ihr klar wurde, dass ihr Plan, vor allem Waren aus Südamerika anzubieten, nicht aufging. „Die Preise dort waren einfach zu hoch“, erklärt sie.

Doch anstatt das Handtuch zu werfen, suchte sie nach Alternativen: Sie flog nach Indonesien, um dort für ihren Laden einzukaufen: „Von da an gingen meine Umsätze senkrecht nach oben.“ Dass sie in den ersten schwierigen Monaten durchgehalten hat, hat sich für Kindervater gelohnt. „Der Laden ist für mich eine große Bereicherung; ich lerne so viele interessante Menschen kennen“, schwärmt sie.

Seit sie den Laden übernommen hat, sind ihre Aufenthalte in Guatemala seltener geworden. Denn die Reisen nach Indonesien nehmen Zeit und Geld in Anspruch. „Der Kontakt mit meiner Familie in Guatemala ist mir nach wie vor sehr wichtig“, sagt sie. Dank der sozialen Medien hat sie regelmäßig Kontakt zu ihren Verwandten: „Und es vergeht kein Jahr, wo mich nicht jemand von ihnen hier besucht.“

Eine Rückkehr in ihre frühere Heimat könnte Kindervater sich nicht vorstellen: „Das ist jetzt ein fremdes Land für mich. Ich bin in Hannover zu Hause.“ Mit einem Schmunzeln fügt sie hinzu: „Spätestens nach drei Wochen fange ich an, Leberwurst und Schwarzbrot zu vermissen.“

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