Sommermärchen ade
Eine Sommermärchen – wie während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 – wird es auf absehbare Zeit in Deutschland nicht mehr geben. Foto: Niehaus

Sommermärchen ade

Für ein sportliches Großereignis in Deutschland gibt es auf absehbare Zeit keine Chance mehr. So sehen das die Spitzenfunktionäre des deutschen Sports und zahlreiche Politiker. Nach dem Nein der Hamburger Bevölkerung für eine Olympia-Kandidatur für 2024 seien auch andere Spitzenevents kaum mehr denkbar – weil nun dem letzten Entscheider in den internationalen Gremien klar geworden sei, auf welch tönernen Füßen jede Bewerbung aus Deutschland stehe. Haben die heutigen Deutschen tatsächlich keine Chance mehr, zu Lebzeiten ein sportliches Großereignis im eigenen Land zu erleben?

Bei dem Referendum stimmten 51,6 Prozent der Hamburger dagegen, dass sich die Stadt um die Olympischen Spiele 2024 bewirbt. Nur 48,4 Prozent waren dafür. Nach der krachenden Ablehnung der Münchner Bevölkerung für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2022 in der bayerischen Landeshauptstadt bedeutet dies bereits die zweite deutsche Bewerbungspleite in kurzer Zeit.

Die nächste Bewerbung, die Deutschland in den Sand setzen könnte, weil die Bevölkerung nicht mitmacht, wäre die Fußball-Europmeisterschaft 2024. Der DFB hat eine Bewerbung angedeutet, allerdings war das vor den Querelen um die Vergabe der WM 2006. Die Sportausschussvorsitzende des Deutschen Bundestages Dagmar Freitag meinte dazu ganz allgemein: „Ich halte es für geboten, wenn wir uns eine Denkpause verordnen.“ Als Gründe für das Scheitern der Hamburg-Bewerbung nannte sie die „mittlerweile schwierige Situation für den Sport, national wie international“. Affären und Skandale wie im Fußball-Weltverband FIFA, dem Deutschen Fußball-Bund oder der russischen Leichtathletik hätten „ein sehr schwieriges Licht auf den Sport“ geworfen. „Schade ist, dass Deutschland aus der internationalen Diskussion um die Austragung von Olympischen Spielen vorerst ausgeschlossen ist und wohl kaum noch ständig Kritik an die Vergabe an Länder üben kann, die unseren Standards in mehrfacher Hinsicht nicht standhalten“, sagte Freitag unter anderen mit Blick auf Vergabe der Winterspiele 2022 an Peking.

Auch der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Michael Vesper äußerte sich resigniert und deutete Konsequenzen an. Zugleich riet er aber dazu, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Man müsse jetzt analysieren, „was waren die Gründe für dieses Votum, und dann müssen wir auch die Konsequenzen daraus ziehen und müssen den Sport für alle – aber auch den Spitzensport – weiter fördern“, betonte Vesper.

Haben sportliche Großereignisse in Deutschland noch eine Chance? (Umfrage/Fotos: Haak)

Dieter Wulfes (72), pensionierter Beamte:  Im Moment ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt für olympische Spiele in Hamburg. Die finanzielle Lage ist ungünstig und es gibt Wichtigeres. In anderen Städten könnte es in Zukunft aber klappen.

Dieter Wulfes (72), pensionierter Beamte:
Im Moment ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt für olympische Spiele in Hamburg. Die finanzielle Lage ist ungünstig und es gibt Wichtigeres. In anderen Städten könnte es in Zukunft aber klappen.

Christoph Abrolat (32), Doktorand:  Nach dem Skandal um die Vergabe der WM 2006 sind sportliche Großereignisse für viele negativ konnotiert. Wenn sich in den Führungsriegen der Sportverbände etwas ändert, haben sie aber wieder eine Chance.

Christoph Abrolat (32), Doktorand:
Nach dem Skandal um die Vergabe der WM 2006 sind sportliche Großereignisse für viele negativ konnotiert. Wenn sich in den Führungsriegen der Sportverbände etwas ändert, haben sie aber wieder eine Chance.

Karl-Heinz Hilker (72), Rentner:  Hamburg hätte die Elbphilharmonie nicht bauen sollen. Das hat das Vertrauen vieler Bürger in die Politik zerstört. In anderen Städten würde die Abstimmung anders ausfallen. Die Kosten spielen eine große Rolle.

Karl-Heinz Hilker (72), Rentner:
Hamburg hätte die Elbphilharmonie nicht bauen sollen. Das hat das Vertrauen vieler Bürger in die Politik zerstört. In anderen Städten würde die Abstimmung anders ausfallen. Die Kosten spielen eine große Rolle.

Petra Hager (45), Frührentnerin:  Dass die Hamburger gegen die Olympischen Spiele gestimmt haben, liegt auch an der Angst vor terroristischen Anschlägen. Ich denke aber nicht, dass das das endgültige Aus für sportliche Großereignisse in Deutschland ist.

Petra Hager (45), Frührentnerin:
Dass die Hamburger gegen die Olympischen Spiele gestimmt haben, liegt auch an der Angst vor terroristischen Anschlägen. Ich denke aber nicht, dass das das endgültige Aus für sportliche Großereignisse in Deutschland ist.

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