0:0 – 96 lässt in Augsburg nicht die Puppen tanzen

  

Zweite Halbzeit entschädigt für schwache erste

AUGSBURG (bo/ds). Auch im dritten Aufeinandertreffen hat es keinen Sieger gegeben: Aufsteiger FC Augsburg und Hannover 96 trennten sich vor 29.113 Zuschauern in der SGL-Arena 0:0. Bereits in der Zweitligasaison 1982/83 trafen die Teams aufeinander. Die Partien endeten damals auswärts 2:2, daheim 1:1. Trainer Mirko Slomka warnte vor dem Spiel davor, sein Team zum Favoriten zu erklären. Damit sollte er zunächst richtig liegen, denn beide waren lange gleich schwach.
Die Gastgeber mussten auf neun Akteure verzichten. Bei 96 fehlten Moritz Stoppelkamp (Faserriss), Mohammed Abdellaoue (Muskelverhärtung) und Artur Sobiech (Rotsperre).
Es war lange kein Spiel für Fußballästheten. Beide Teams versuchten es zunächst vorwiegend mit langen Bällen. Die jeweiligen Abwehrreihen wurden damit allerdings vor keine großen Herausforderungen gestellt. Ein schnell ausgeführter Einwurf der Augsburger auf Nando Rafael sorgte für die erste Torannäherung. Der Stürmer, bedrängt von Emanuel Pogatetz, schoss allerdings deutlich drüber (6.). Didier Ya Konans harmloses Schüsschen aus spitzem Winkel war kein Problem für Simon Jentzsch (8.).
Ansonsten fanden beide Mannschaften offensiv kaum statt. 96 schien sich nicht unnötig verausgaben zu wollen und mit dem Remis zur Pause nicht unzufrieden, Augsburg konnte es einfach nicht besser. Bezeichnend: Axel Bellinghausen kam 17 Meter vor dem Tor von Ron-Robert Zieler zentral zum Schuss – der Ball kullerte 15 Meter neben dem Tor ins Aus (37.). Schiedsrichter Christian Dingert schien Mitleid zu haben und pfiff ohne Nachspielzeit zum Pausentee.
Im zweiten Durchgang stellte Trainer Mirko Slomka das System auf 4-1-4-1 um und brachte Lala für das defensive Mittelfeld, Jan Schlaudraff wechselte auf links. Und plötzlich wurde es ein Fußballspiel, in dem 96 immer dominanter auftrat. Was in der ersten Halbzeit versäumt wurde, sollte nun nachgeholt werden. Zunächst zwang Schlaudraff mit einem satten Schuss aus 22 Metern Simon Jentzsch zu einer guten Parade (57.). Ya Konan entwickelte anschließend eine besondere Beziehung zum linken Torpfosten. Diesen traf er gleich doppelt (62., 66.). Bei der zweiten Aktion semmelte Lars Stindl den Nachschuss neben das leere Tor.
Zwar blieben die Augsburger ihrer Linie des Kick-and-rush weitgehend treu, doch gelegentlich boten sich ihnen auch Möglichkeiten. Sascha Mölders tauchte plötzlich freistehend vor Zieler auf, der mit einem großartigen Reflex den Ball zur Ecke lenkte (71.). Erneut der glücklose Stindl scheiterte mit der letzten Chance aus vier Metern an Jentzsch (86.).
Hannover 96: Zieler – Chahed, Haggui, Pogatetz, Pander – Schmiedebach, Pinto (88. Royer) – Stindl, Rausch (46. Lala) – Ya Konan, Schlaudraff (80. Schulz).

So waren die
Roten in Form

Ron-Robert Zieler2,5
Im ersten Durchgang nicht ernsthaft geprüft. Missverständnis mit Haggui nach einem langen Ball. Blitzschnelle Reaktion nach Kopfball von Mölders (71.).

Sofian Chahed3
Solide Vorstellung des Cherundolo-Ersatzes, der seine Fehlerquote reduziert hat. Offensive Akzente waren leider selten.

Karim Haggui 2,5
Der Fels in der Brandung. Die Binde gibt dem Tunesier zusätzlichen Auftrieb. Er blockte, köpfte und gewann viele Zweikämpfe.

Emanuel Pogatetz 3
Sicherer Rückhalt in der Defensive. Der Österreicher munterte seine Teamkollegen schon früh zu mehr Engagement auf.

Christian Pander 4,5
Der Ex-Schalker ist auffallend langsam in der Rückwärtsbewegung. Zu Beginn viele leichte Abspielfehler, die zu Augsburger Torchancen führten. Er scheint im Mittelfeld besser aufgehoben zu sein.

Sergio Pinto 4
Der Mittelfeldmotor fand schwer ins Spiel. Sein Bemühen ist immer sichtbar, war nach der Halbzeit dann auch überall zu finden.

Manuel Schmiedebach4,5
Wieder viel unterwegs, aber auch zu leichte Abspielfehler. Muss sich in einer Szene gegen Davids an der Seitenlinie emotional besser im Griff haben.

Lars Stindl5
Ein harmloser Schuss in der Anfangsphase, zu lässig bei seinen Pässen. Trotz eines mäßigen Auftritts hätte er zweimal zum Helden der Partie werden können, scheiterte aber kläglich (66., 86.).

Konstantin Rausch4
Musste (zu) oft für Pander in der Abwehr aushelfen. In der Vorwärtsbewegung unglücklich. Machte zur Pause Platz für Lala.

Jan Schlaudraff 3,5
Der kreative Kopf mag den einfachen Pass nicht. Blieb lange blass, ehe er mit einem Schuss aus 22 Metern in Keeper Jentzsch seinen Meister fand.

Didier Ya Konan4
Verstolperte die erste Halbchance (8.). Der Ivorer hing vorne in der Luft, konnte seinen schnellen Antritt nur selten ausspielen. Der linke Torpfosten wird allerdings nicht mehr sein Freund.

Altin Lala 2,5
Kam nach der Pause für Rausch, um die Mitte dichtzumachen. Gedankenschnell, griffig im Zweikampf – so wie wir ihn kennen.

Christian Schulz –
Rückte in der 80. Minute für Schlaudraff auf seine gewohnte Position links in der Viererkette.

Daniel Royer –
Erster Kurzeinsatz für den Neuzugang aus Ried. Kam für Pinto (88.) ds/bo


Das sagen die Trainer zum Spiel…

„Wir hatten die besseren Chancen“
Mirko Slomka, Hannover 96

Nachdem wir in Stuttgart untergegangen waren, sind Sicherheit und die Spielkontrolle für uns wichtig gewesen. Das ist uns in der ersten Halbzeit nicht immer gelungen. Im zweiten Durchgang haben wir durch taktische Veränderungen im Zentrum die besseren Chancen herausgespielt. Lars Stindl hatte zwei hundertprozentige Möglichkeiten. Wenn man sich im oberen Drittel etablieren will, muss man solche Spiele gewinnen.

„Wir hatten das Quäntchen Glück“
Jos Luhukay, FC Augsburg

In der ersten Hälfte hatten wir kaum Chancen. Die Umstellung der Hannoveraner hat uns in der zweiten Hälfte Probleme bereitet. Der Druck und die spielerischen Mittel der 96er sind immer stärker geworden. Wir wollten unbedingt unseren ersten Sieg holen, mussten aber auch neun Akteure der ersten Elf ersetzen. In einigen Situation hatten wir das nötige Quäntchen Glück. Wir haben einen Punkt gewonnen.

Nachspielzeit

Wir hoffen auf Indian Summer

von Dieter Kösel

Am Freitag hat der Herbst begonnen. „Die Zeit, da die Tage kürzer und die Bremswege länger werden“, hat Markus M. Ronner diese Jahreszeit beschrieben. Ein wenig mehr Gas im Spiel nach vorne hätte man sich von den Roten gegen die Augsburger gewünscht. In den letzten 30 Minuten nahm 96 zeitweise den Fuß von der Bremse, das entschädigte für einiges. Schade, dass Didier Ya Konan zweimal nur den Pfosten traf. Das torlose Remis kann nicht befriedigen, aber es enttäuscht auch nicht total. Was können die Roten mit an Bord auf den Flug zum Gruppenspiel der Europa League bei Vorskla Poltawa nehmen? Sie dürfen dort mit dem Selbstbewusstsein hinfliegen, dass sie es besser können, auch was die Chancenverwertung betrifft. Wir alle hoffen und drücken die Daumen, dass wir am Donnerstag den Beginn eines wunderschönen (Fußball-) Indian Summer, wie in den USA der Frühherbst mit all seiner Farbenpracht bezeichnet wird, erleben werden. Und zwar in Form von drei Punkten!

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