Die Anfangsphase gehörte eindeutig den Gastgebern. Leverkusen setzte die 96-Defensive unter Druck und erspielte sich Torchancen. Stefan Kießling vergab im Zwei-Minuten-Takt gleich drei gute Möglichkeiten: Sein Schuss aus 14 Metern wurde noch leicht abgefälscht und verfehlte das Tor um Zentimeter (8.), bei einer Ecke von Gonzalo Castro verpasste er den Kopfball knapp (10.). Und drei Meter vor 96-Torwart Ron-Robert Zieler verfehlte er nach einem Stellungsfehler von Emanuel Pogatetz den Ball (12.).
Die 96-Spieler konnten durchatmen, dass es noch 0:0 stand. Aber nach der unruhigen Anfangsphase stabilisierte sich die Abwehr der Gäste. Und 96 wagte sich immer häufiger in die gegnerische Hälfte vor. Leverkusens Torwart Bernd Leno zeigte bei einer Ecke von Sergio Pinto eine kleine Unsicherheit, die 96 aber nicht ausnutzen konnte (17.). Die größte Chance der Gäste vergab Pinto, der plötzlich frei im Strafraum auftauchte und den Ball aus 14 Metern aus halbrechter Position knapp neben das Tor setzte (40.). Kurze Zeit später Jubel im Gästeblock: Auf der Anzeigentafel war vom 1:0 der Wolfsburger gegen Werder zu lesen. Die etwa 3000 mitgereisten 96-Fans stimmten ihr „Europapokaaaal“-Lied an.
Erste Aufregung nach dem Seitenwechsel gab es nach 58 Minuten: Mario Eggimann klammerte im eigenen Strafraum gegen Kießling, der theatralisch zu Boden ging und einen Elfmeter forderte. Die Pfeife von Schiedsrichter Tobias Welz blieb aber stumm.
Richtig laut wurde es bei der Einwechslung von Michael Ballack, der in seinem letzten Heimspiel im Bayer-Dress noch einmal ran durfte (60.).
Die ersten Szenen danach gehörten allerdings den Roten: Manuel Schmiedebachs Schuss aus 21 Metern wurde von Lars Bender abgefälscht, Leno klärte zur Ecke (60.). Eine Direktabnahme von Pinto aus 16 Metern ging knapp vorbei (64.). 96 bestimmte zunehmend das Spiel. Nachdem es Christian Schulz aus 25 Metern versuchte, konnte sich im Gegenzug Kießling gegen den trägen Pogatetz durchsetzen und locker einschieben (75.). Didier Ya Konan hatte den Ausgleich noch auf dem Fuß, schoss aber aus 16 Metern klar über das Tor (90.).
Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Schulz – Schmiedebach (87. Carlitos), Pinto – Ya Konan, Stindl – Schlaudraff, Abdellaoue (58. Sobiech).
Nachspielzeit
Es hätte ein schöner Tag sein können
von Dieter Kösel
Martin Kind feierte gestern seinen 68. Geburtstag, und dazu sei ihm noch alles Gute gewünscht. Sportlich hätte das ein schöner Tag für den 96-Boss werden können. Das Viertelfinale in der Europa League wurde erreicht, in der Liga sind trotz der unglücklichen Niederlage bei Bayer Platz sieben und die erneute Teilnahme am internationalen Geschäft noch immer in eigener Hand. Nachhaltig getrübt wurde der Tag dadurch, dass Jörg Schmadtke gehen wird. Der Sport-Geschäftsführer nannte familiäre Gründe, aber die gestörte Chemie zwischen ihm und Trainer Mirko Slomka spielt eine wichtige, wohl ausschlaggebende Rolle. Damit verliert 96 den Mann, der durch seine klugen Transfers diese Erfolge erst möglich machte und kräftig für Wertzuwachs sorgte. Aus Erfahrung wissen wir, wie schwer es werden wird, für gleichwertigen Ersatz zu sorgen, falls das überhaupt geht. Schade, hier hätte trotz vergleichsweise bescheidener Mittel durch Kontinuität etwas beständig Großes wachsen können!
Das sagen die Trainer zum Spiel…
Mirko Slomka, Hannover 96: Noch einmal die AWD-Arena rocken
Wir hatten den Plan in der Tasche, das Spiel langsam zu machen. Das hat über weite Strecken funktioniert. Wir wollten immer wieder für Torgefahr sorgen, auch das ist punktuell gelungen. Es war ein ordentliches Auswärtsspiel, in dem aber die letzte Konsequenz gefehlt hat. In der nächsten Woche m üssen wir also noch einmal die AWD-Arena rocken, um uns auch für den europäischen Wettbewerb zu qualifizieren.
Sami Hyypiä, Bayer Leverkusen: Es war ein glücklicher Sieg für uns
Wir sind mit der Bilanz seit unserem Amtsantritt hochzufrieden. Wir haben uns sicher für die Europa League qualifiziert Zwei Dinge sind hervorzuheben: Einerseits die taktische Disziplin, durch die wir wenig zulassen, andererseits der Wille, die Partie zu entscheiden. In den ersten 25 Minuten haben wir spielerisch einen kleinen Schritt nach vorne gemacht. Insgesamt ist es ein glücklicher Sieg für uns.
So waren die Roten in Form
Ron-Robert Zieler - 3
Der Schlussmann wurde in der gesamten Partie nicht ernsthaft geprüft. Beim Gegentor war er chancenlos.
Steven Cherundolo - 3
Der Kapitän fiel in der ersten Hälfte durch ungewohnten Offensivdrang auf. Gegen den agilen Nationalspieler André Schürrle kam er einige Male zu spät.
Mario Eggimann - 3,5
Solider Auftritt des Schweizers. Hatte beim Klammergriff gegen Kießling allerdings Glück, dass es keinen Elfmeter gab (57.).
Emanuel Pogatetz - 5
Beim Gegentor durch Stefan Kießling mangelte es dem Ösi an der Handlungsschnelligkeit. Sein schlechtes Stellungsspiel hätte schon früh bestraft werden können, als Kießling aus kurzer Distanz verzog (12.).
Christian Schulz - 4
Stand in der Defensive sicher, bei den seltenen Offensivbemühungen wirkte Schulle zu pomadig. Seinem Distanzschuss fehlte die Genauigkeit (75.). Nur dumm, dass im Gegenzug das Tor des Tages fiel.
Manuel Schmiedebach - 3,5
Lief im Zentrum viele Bälle ab. Beinahe hätte der Dauerläufer nach einem abgefälschten Schuss sein erstes Bundesliga-Tor erzielt (60.).
Sergio Pinto - 3
Zeigte eine solide Leistung. Die Bayer-Fans haben das böse Foul an Michael Ballack nicht vergessen – wurde anfangs ausgepfiffen.
Didier Ya Konan - 4
Fiel zu Beginn nur durch schlampiges Passspiel auf. Der Ivorer mühte sich zwar redlich auf dem rechten Flügel, eine Szene zum Zunge schnalzen bekamen die mitgereisten 96-Fans aber nicht zu sehen.
Lars Stindl - 3
Kam auf der ungewohnten linken Seite im Mittelfeld zum Einsatz. War dank seines hohen Aufwands überall zu finden, Torgefahr strahlte er jedoch nicht aus.
Jan Schlaudraff - 4,5
Der kreative Kopf suchte
90 Minuten nach seiner Position. Er ließ sich ins Mittelfeld zurückfallen, wich auf die Flügel aus. Inspirierend war sein Auftritt für die Mitspieler aber nicht.
Mohammed Abdellaoue - 4,5
Der Norweger wartete vergeblich auf ein gelungenes Zuspiel. Moa war deshalb kaum zu sehen und musste für Sobiech weichen (58.).
Artur Sobiech - 4
Der Pole konnte sich nicht für die EM im eigenen Land empfehlen, er hatte keine auffällige Szene.
Carlitos –
Kam für Schmiedebach (87.). ds/bo








