0:1 – bitterer Rückschlag für die Roten
96 unterliegt Mönchengladbach
HANNOVER (dik). In der AWD-Arena war alles für ein Fußballfest angerichtet. Doch am Ende musste Hannover 96 vor 48.800 Zuschauer eine 0:1-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach hinnehmen. Eine Pleite, die letztlich verdient war.
Im Fernduell mit Bayern um den dritten Platz konnte gegen Gladbach nur ein Sieg zählen. Trainer Mirko Slomka bot dafür Mittelfeldstratege Sergio Pinto und Torjäger Didier Ya Konan nach ihren Gelbsperren wieder auf. Für den gelbgesperrten Lars Stindl lief Jan Schlaudraff auf. Bei den Gästen standen mit Mike Hanke und Mo Idrissou zwei frühere 96er in der Startelf.
Die Gastgeber begannen stürmisch, doch schnell wurde das 96-Problem der ersten 45 Minuten deutlich. Die Roten fanden in der gutgestaffelten Gäste-Abwehr keine Lücke. Und wenn sich die Möglichkeit zur Flanke bot, dann wurde sie so schlecht geschlagen, dass sie keine Gefahr darstellte. Die Eckbälle landeten zumeist beim aufmerksamen Gäste-Keeper Marc-André Ter-Stegen, hinzu kamen viele Ballverluste. In der Summe ergab dies keine Torchance für die Roten.
Gefährlicher präsentierten sich die Gladbacher, denen anzumerken war, dass sie um ihre Chance im Abstiegskampf kämpften. In der sechsten Minute rettete Emanuel Pogatetz, indem er den Ball gegen die eigene Latte köpfte. Zwei Minuten später spielte Hanke Christian Schulz aus und verfehlte knapp. Marco Reus
(29., 34.) boten sich weitere gute Möglichkeiten. Das Beste aus 96-Sicht war der Halbzeitstand von 0:0.
Nach der Pause bot sich zunächst das gleiche Bild. Nach Vorlage von Hanke scheiterte Reus (53.) an Zieler. Doch es deutete sich Besserung an, zwei Minuten später wurde Ter-Stegen von Schlaudraff erstmals ernsthaft gefordert. Die Partie wurde nun offener, auch wenn sich die nächste Chance erneut den Gästen bei einem 25-Meter-Freistoß von Reus (62.) bot.
Die Hannoveraner steigerten sich, beim letzten Pass fehlte aber nach wir vor die Konzentration, die Spitzen blieben ohne vernünftige Anspiele. Besser machten es die Gäste, Idrissou (74.) traf mit einem Kopfball die Latte des 96-Tores. In der 76. Minute erzielte Reus zum Entzücken der Gladbacher Fans mit einem fulminantem 20-Meter-Schuss die Führung für die Gäste.
Nun war eine Reaktion der Roten gefordert, doch die taten sich weiter schwer. Zumindest sorgte der eingewechselte Moritz Stoppelkamp für Belebung. Was 96 jedoch im Spiel hielt, war der leichtfertige Umgang der Gäste mit ihren guten Chancen (Reus, 83.). Stoppelkamp (90., 91.) vergab Möglichkeiten zum Ausgleich.
Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schlaudraff (76. Stoppelkamp), Schmiedebach, Pinto, Rausch (87. Forssell) - Ya Konan, Abdellaoue.
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So waren die Roten in Form
Ron-Robert Zieler 3
Musste in der 14. Minute nach gefährlichem Rückpass von Pogatetz in höchster Not klären – das machte er durchaus elegant. In der 30. Minute war er etwas zu zögerlich beim Rauslaufen. Beim Tor chancenlos. Ansonsten hielt er, was zu halten war. Als Reus allein vor ihm auftauchte (53.), blieb er stehen und parierte in Neuer-Manier.
Steven Cherundolo 5
Erst nach der Pause traute er sich über die Mittellinie. Höhepunkt seiner schwachen Partie war sein Einwurf ins Aus (63.).
Karim Haggui 3
Einziger Feldspieler in Normalform. Kopfballstark, konsequent in den Zweikämpfen – er ließ nichts anbrennen. In der 3. Minute zog er Idrissou im Duell den Schuh aus.
Emanuel Pogatetz 4,5
Beim 0:1 lässt er Reus gewähren – das Tor geht auch auf seine Kappe. Ansonsten ohne grobe Schnitzer.
Christian Schulz 4
Total unauffällige Partie. Hanke tanzte ihn im Strafraum aus (8.), in der 30. Minute ließ er Reus laufen.
Manuel Schmiedebach 4,5
Sehr unauffällig, ihm gelang gestern nicht viel, aber nur wer nichts tut, macht keine Fehler.
Sergio Pinto 4
Vor dem Pausentee war er sehr aktiv, er hatte viele gute Ideen. In der 41. Minute tritt er Jantschke auf das Knie, obwohl er schon die gelbe Karte gesehen hatte. Hatte in dieser Szene Glück, dass ihn Schiedsrichter Fritz nicht zum Duschen schickte. In Halbzeit zwei tauchte er immer mehr ab.
Konstantin Rausch 5
Ganz schwacher unkonzentrierter Auftritt. Sehr nervös, viele Pässe von ihm landeten im Aus. Auch seine Flanken kamen nicht an – sie waren zu unpräzise.
Jan Schlaudraff 3,5
Kaum im Spiel, auf der rechten Seite wurde er oft übersehen, deshalb zog er immer öfter ins Zentrum. In Halbzeit zwei besser. Schade, dass der Heber aus 35 Metern (58.) nicht ins Ziel fand. Nach 76 Minuten war Schluss für ihn.
Didier Ya Konan 5
Ein Schuss aufs Gladbacher Tor (17.) – das wars! Der Ivorer hatte nur eine weitere auffällige Szene. Das war in der 16. Minute, als er im Kopfballduell mit Jantschke den Ellenbogen ausfuhr – macht man doch nicht!
Mohammed Abdellaoue 5
Zu eigensinnig (31.), in der 73. Minute im Pech. So richtig gelang ihm nichts, aber er steckte trotzdem nie auf.
Moritz Stoppelkamp -
Er durfte eine Viertelstunde mitspielen und hatte zwei ordentliche Chancen (90., 91.), die er aber beide nicht im Gladbacher Tor unterbrachte. Schade, sein Seitfallzieher war ein Tor wert.
Mikael Forssell -
Kam spät und konnte gegen seine alte Mannschaft nichts mehr ausrichten. hh/lh
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Das sagen die Trainer zum Spiel …
„Wir müssen weiter siegen“
Lucien Favre, Borussia Mönchengladbach
Wir wollten was erreichen, haben versucht, von Anfang an nach vorne zu spielen, und haben ziemlich gut verteidigt. Der Sieg ist nicht unverdient. Unser Torwart hat sehr, sehr gut gehalten. Die Effenberg-Geschichte interessiert mich nicht, ich mache hier nur meinen Job. Wir müssen weiter siegen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Gegen Freiburg muss der nächste Sieg her.
„Gladbachs Sieg ist absolut verdient“
Mirko Slomka, Hannover 96
Wir wollten vorlegen, das ist uns leider nicht gelungen. Der Gladbacher Sieg ist absolut verdient. Wir hatten erst in der
60. Minute die erste Chance – das ist in unserer Situation einfach zu wenig. Wir haben viel vermissen lassen von dem, was uns sonst ausgezeichnet hat. Wir konnten uns nicht durchsetzen, Gladbach hat uns keine Räume gelassen. Der Treffer von Reus war klasse, ich wünsche Gladbach alles Gute.
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Nachspielzeit
Es geht nur noch um den Bonus
Wo war sie plötzlich nur hin, diese scheinbare Leichtigkeit, mit der 96 auf den dritten Platz geklettert war und ganz Fußball-Deutschland verblüfft hatte? Gegen die abstiegsbedrohten Gladbacher war davon nicht viel zu sehen. Die Schützlinge von Trainer Mirko Slomka wollten bei ihrer Marschroute, mit der sie bis dahin so gut gefahren waren, bleiben und von Spiel zu Spiel zu denken. Doch irgendwie wurde man den Eindruck nicht los, dass sich die Chance auf die Champions League gestern wie ein ganz schwerer Klotz an den Beinen der Spieler erwies. Da lief nicht wirklich viel zusammen. Nur gut, dass die Gäste so großzügig mit ihren Möglichkeiten umgegangen sind, die Niederlage wäre sonst deutlicher ausgefallen. Die Roten sollten vor den beiden letzten Partien in Stuttgart und gegen Nürnberg bedenken, dass sie mit dem Erreichen der Europa League das Saisonziel schon deutlich übererfüllt haben. Sie können nicht mehr verlieren, es geht „nur“ noch um den Bonus!
Von Dieter Kösel


