1:1 - Nordderby bleibt ohne Sieger
HANNOVER (dik). Hannover 96 bleibt zu Hause ungeschlagen. Doch es war ein hartes Stück Arbeit, bis die Partie gegen den Hamburger SV mit 1:1 endete. Die 49.000 Zuschauer sahen in der ausverkauften AWD-Arena ein spannendes Nordderby.
Trainer Mirko Slomka musste seine Startelf gegenüber der Partie beim VfL Wolfsburg verändern. Didier Ya Konan (rote) und Lars Stindl (fünfte gelbe Karte) fehlten gesperrt. Sergio Pinto hatte seine Sprunggelenksverletzung rechtzeitig auskuriert, um ins Mittelfeld zurückzukehren. Auf der rechten Seite sollten Steven Cherundolo, er kam für Sofian Chahed, und Moritz Stoppelkamp für viel Druck und Wirbel sorgen.
Die Hanseaten hatten mit dem 2:0Sieg gegen Hoffenheim viel Selbstvertrauen getankt. Dies gipfelte in der Aussage von Dennis Aogo, dass der HSV bis zur Winterpause kein Spiel mehr verlieren würde. Es deutete vieles darauf hin, dass der Nationalspieler mit seiner Aussage Recht behalten könnte. Die Gäste ließen die Roten zunächst nicht ins Spiel kommen und hatten erste gute Möglichkeiten, so durch Paolo Guerrero (2.) oder Marcell Jansen (10.). 96 boten sich in der Spitze nicht zuletzt durch Unsicherheiten im Zuspiel kaum Anspielmöglichkeiten und es dauerte, bis sich die Elf ins Spiel kämpfen konnte. Sergio Pinto spielte einen starken Pass in die Spitze, Jan Schlaudraff (14.) fand in HSVKeeper Jaroslav Drobny seinen Meister. Drei Minuten später scheiterte Mohammed Abdellaoue an Drobny, dessen Rettungstat gegen einen Kopfball von Karim Haggui (20.) nach Pinto-Freistoß war sehenswert. Doch danach hatten die Gäste, ob Jansen, Guerrero oder Min Heung Son, wieder gute Möglichkeiten. Schade, dass Schlaudraff (36.) auch bei seiner zweiten guten Chance am Torhüter scheiterte. Insgesamt durfte Hannover trotz eigener hochkarätiger Chancen froh sein, dass es zur Pause torlos blieb.
Nach dem Wiederanpfiff blieben die Gäste aktiver, die 96Abwehr leistete Schwerstarbeit. In der 64. Minute erzielte Jeffrey Bruma nach einer Ecke von Gökhan Töre die HSVFührung. Zwei Minuten später wurde ein Kopfball von Heiko Westermann nach Töre-Ecke von der 96Torlinie geschlagen. Es sah nicht gut aus, die Gäste drängten auf die Entscheidung.
Dann kam die Wende. In der 78. Minute wurde Abdellaoue gefoult. Den 22-Meter- Freistoß von Christian Pander lenkte Drobny zur Ecke. Die landete bei Schlaudraff (79.), und der erzielte mit einem herrlichen 17-Meter-Hammer den umjubelten Ausgleich. Da bekam man das Gefühl, es ist doch mehr drin. Pander (83.) scheiterte aus 16 Metern an Drobny. Beide Mannschaften spielten nun mit offenem Visier auf Sieg, doch es blieb bei dem Unentschieden.
Die Roten: Zieler Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz Stoppelkamp (66. Sobiech), Schmiedebach, Pinto, Pander Schlaudraff, Abdellaoue (84. Rausch)
Die Trainer zum Spiel:
Thorsten Fink, Hamburger SV: Ich bin sehr, sehr zufrieden
Ich bin mit der Leistung heute sehr, sehr zufrieden. Die Ausstrahlung meiner Mannschaft war so, dass wir hier unbedingt gewinnen wollten. Nach dem 0:1 haben wir eigentlich sehr gut nachgesetzt, wollten auch das zweite Tor machen, haben es aber nicht so gut ausgespielt. Das können wir verbessern.
Bei den 96 Chancen haben wir Glück gehabt, aber auch einen Torwart, der mal was hält.
Mirko Slomka, Hannover 96: Das hat der Jan stark gemacht
Wir hatten in der ersten Halbzeit drei sehr gute Chancen, die Drobny einfach klasse gehalten hat. Durch das NichtinFührunggehen haben wir ein wenig die Schultern hängen lassen. Bei dieser Mannschaft ist aber alles möglich. Vor allem, dass Jan nach den vergebenen Chancen den Mut hat für so einen Ball,
finde ich richtig stark. Der Rhythmus war heute nicht so da, wie wir wollten, ich bin aber mit dem Punkt zufrieden.
Nachspielzeit
Mittwoch gehts ohne Schütteln
von Dieter Kösel
Für viele gehören Wundertüte und Überraschungsei zu den schönen Kindheitserinnerungen. Dabei war die Spannung, was denn drin war, da half auch das Schütteln beim Ei nicht richtig weiter, fast wichtiger als der Inhalt selber. Diese Saison muss man die Roten wohl auch zu den Wundertüten zählen. Man weiß nie so richtig, was bei ihren Auftritten herauskommt. Da braucht man nur an das 1:4 bei Wolfsburg denken, mit dem sie sich erst einmal aus dem oberen Tabellendrittel verabschiedeten. Immerhin bleibt 96 daheim ungeschlagen, obwohl oder weil mit dem HSV ein Lieblingsgegner zu Gast war. Es wurde harte Arbeit, auch weil bei guten Chancen zunächst die Spielwende verpasst wurde, doch Glück hat nur der Tüchtige. Zu den schönen Überraschungen gehören hingegen die 96-Auftritte in der Europa League. Nach Siegen in Poltava und Kopenhagen sollen Mittwoch mit einem Sieg bei Lüttich alle Zeichen auf ein Weiterkommen gesetzt werden. Ob geschüttelt oder nicht!
So waren die Roten in Form
Ron-Robert Zieler - 2,5
Wurde in der ersten halben Stunde von der HSV-Offensive gut warmgeschossen und konnte sich nicht nur bei Guerreros Schuss (29.) auszeichnen. Wirkte wieder sicher und souverän.
Steven Cherundolo - 4,5
Kam gar nicht ins Spiel – und das lag nicht allein an seinen katastrophalen Fehlpass in der zweiten (!) Minute. Der 96-Kapitän ließ viel zu viel gegen Aogo zu und verschuldete die völlig unnötige Ecke vor dem 0:1.
Karim Haggui - 3,5
Hatte in der ersten Halbzeit reichlich verunglückte Bälle im Abwehrverhalten im Angebot. Holte sich früh Gelb ab (34.), fing sich aber nach dem Wechsel. Pech: sein Kopfball (20.) nach Pinto-Freistoß parierte Drobny.
Emanuel Pogatetz - 3
Spielte unauffällig, hatte aber überwiegend alles im Griff. Stand in der zweiten Halbzeit des Öfteren goldrichtig und verhinderte weitere HSV-Chancen.
Christian Schulz - 4
Stand ganz schön unter Druck, weil Töre Schulle ständig beschäftigte. Keine gute Abstimmung mit Pander, von daher ging nach vorne nicht viel.
Sergio Pinto - 3
Der Leader war zurück im Team und das war gut so. War oft zur Stelle, wenn es brannte. Spielte gute Pässe (Traumpass auf Schlaudraff, 14.) und hatte das gute Auge beim Eckball zum 1:1.
Manuel Schmiedebach - 4
Hatte nicht seinen besten Tag erwischt – der Mittelfeldabräumer war zwar viel in Bewegung und machte ordentlich Meter, aber leider sah er dabei zu oft die Hacken der HSVler und lief hinterher.
Christian Pander - 4,5
Was war mit Pander los? Fand fast keine Bindung zum Spiel. Verspielte viele Bälle sehr leichtsinnig und auch er lief den Hamburgern zu oft hinterher. Beste Aktion war sein Freistoß, der zum „Ausgleichseckball“ führte.
Moritz Stoppelkamp - 4,5
Setzte sein Tempo und seine Schnelligkeit zu selten ein. Wirkte ab und an zu überhastet und verlor leichtfertig zu viele Bälle. KOnnte Cherundolo in der Defensive so gut wie gar nicht unterstützen.
Jan Schlaudraff - 3
Vergab zwei Riesenchancen (14. und 36.), als er allein auf Drobny zulief und beide leichtfertig vergab. Weltklasse allerdings seine Schusstechnik zum 1:1. Das verzeiht seine zahlreichen Verschnaufpausen.
Mohammed Abdellaoue - 4
Viel in Bewegung, aber mehr als eine Torchance (17.) konnte der Norweger nicht auf seinem Konto verbuchen. Kam den entscheidenden Schritt zu spät vor dem 0:1. Das war insgesamt zu wenig.
Artur Sobiech –
Kam für Stoppelkamp (67.) und sollte in der Offensive Akzente setzen – gelang ihm allerdings nicht wirklich.
Konstantin Rausch –
Kam nur noch für sechs Minuten für Abdellaoue. ck/rd/Fotos: niehaus


