Auch Leverkusen scheitert an der roten Festung - aber wieder nur ein Pünktchen
HANNOVER (dik). 44.800 Zuschauer sahen in der AWD-Arena das letzte Bundesligaheimspiel des Jahres von Hannover 96. Die Roten spielten stark gegen Bayer Leverkusen, doch die Partie endete mit 0:0. Einen Sieger gab es, Jan Schlaudraffs Treffer gegen den Hamburger SV wurde in der Sportschau zum Tor des Monats gewählt, der Offensivakteur verlängerte seinen Vertrag bei 96 bis 2015.
Trainer Mirko Slomka durfte aufatmen, er konnte die Startelf auflaufen lassen, der er im Laufe dieser Hinrunde zumeist vertraut hatte. Manuel Schmiedebach (Knöchel-) und Lars Stindl (Fußprellung) konnten im Mittelfeld auflaufen. Für Rechtsverteidiger Steven Cherundolo (Leistenbeschwerden) spielte Sofian Chahed, links Konstantin Rausch für Christian Pander. Bei Bayer saß Michael Ballack bis zur 46. Minute auf der Bank.
Den Roten hatte die Pause ohne ein zusätzliches Spiel mitten in der Woche gut getan, sie zeigten eine starke erste Hälfte. Auffällig war, dass Stürmer Mohammed Abdellaoue deutlich besser eingebunden war als zuletzt. Die Elf zeigte Spielfreude und kam durch Schüsse von Lars Stindl (3.) und Rausch (9.) zu ersten Möglichkeiten. Der schönste Angriff lief in der 15. Minute. Chahed spielte rechts einen langen Ball nach vorne, Abdellaoue passte den Ball in den Strafraum, doch Schlaudraff scheiterte frei am Bayer-Torhüter. Die 96-Abwehr stand gut und die Gäste wurden nur über Standards gefährlich.
So köpfte Bayer-Stürmer Stefan Kießling (18.) nach der Ecke von Gonzalo Castro neben das Tor. Ihre einzige Feldchance verdankten die Gäste einem Querschläger von Rausch, Eren Derdiyok (20.) verfehlte aus 16 Metern.
Kießling (47.) prüfte 96-Torhüter Ron-Robert Zieler, doch danach übernahm 96 in Hälfte zwei wieder das Kommando und zeigte beherzten Angriffsfußball. Doch der Ball wollte nicht in das von Bernd Leno gehütete Bayer-Tor gehen. Der zeigte sich etwa gegen Rausch (61.) so sicher wie Zieler stark gegen Sidney Sam (64.) parierte.
Würde sich 96 noch für seine gute Leistung belohnen können? Diese Frage stellte sich so ab der 70. Minute, zumal die Werkself bei ihren Vorstößen, Kießling (74.) scheitert an Zieler, beinahe gefährlicher wirkte. Nach einer Rausch-Ecke köpfte Karim Haggui (76.) den Ball über das Gästetor, doch es fehlte häufiger der letzte Pass. Insgesamt lautete die Antwort leider, trotz aller Bemühungen konnte 96 das entscheidende Tor nicht erzielen.
Die Roten: Zieler - Chahed, Haggui, Pogatetz, Schulz (83. Pander) - Stindl (89. Stoppelkamp), Schmiedebach, Pinto, Rausch - Schlaudraff (80. Ya Konan), Abdelaoue
Die Trainer zum Spiel:
Robin Dutt, Bayer Leverkusen: Konter nicht gut zu Ende gespielt
Es war kein einfaches Spiel für uns. Wir haben gegen einen sehr, sehr heimstarken Gegner gespielt, bei dem es nicht einfach ist, einen Punkt zu holen. Wir haben das gewusst, da 96 zu Hause große Mannschaften wie Bayern, Dortmund und Bremen geschlagen hat. In der zweiten Halbzeit als Hannover nicht mehr ganz so kompakt stand, hatten wir Chancen zu Kontern, die wir nicht so gut zu Ende gespielt haben.
Mirko Slomka, Hannover 96: Kein Glück für den Tüchtigen
Wir haben heute sehr gut gespielt und uns viele Chancen erarbeitet. Vorne fehlt uns momentan halt das Glück und auch die Effektivität der vergangenen Saison. Heute fehlte uns auch das Glück des Tüchtigen, da wir sehr viel in das Spiel investiert haben. Ich muss natürlich noch Jans Vertragsverlängerung zustimmen (*lachend*), aber ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm in den kommenden Jahren.
Nachspielzeit:
Leise rieseln die Punkte bei 96
von Dieter Kösel
Leise rieselt der Schnee, so heißt es in einem der beliebtestesten Weihnachtslieder. Das neben dem Fußball beliebteste gefühlsbetonte Fest nähert sich mit Riesenschritten, auch wenn derzeit wettermäßig noch nicht viel darauf hindeutet. In Anlehnung daran möchte man sagen, leise rieseln derzeit die Punkte bei den Roten. Es reichte trotz der guten Leistung wieder „nur“ zu einem Remis. Das wird allerdings dadurch aufgewertet, dass es gegen das beste Auswärtsteam der Liga erzielt werden konnte. Zumindest bleibt 96 zu Hause ungeschlagen. Sicher scheint nach dem Treffen der Verantwortlichen vom Freitag zu sein, dass 96 in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv werden wird. Interessant dürfte sein, ob dann das Saisonziel von einem einstelligen Tabellenplatz in Richtung oberes Drittel umformuliert wird. Schließlich wartet ja im aktuellen Kader auch noch Potenzial mit Royer, Hauger, Sobiech und wohl auch Carlitos. Auf dass es Punkte wie ein dichter Schneefall bescheren möge!
So waren die
Roten in Form
Ron-Robert Zieler - 2,5
In den ersten 45 Minuten war der 96-Keeper fast ausschließlich durch Abwürfe und Abschläge in Bewegung. Erst nach dem Wechsel konnte er sich gegen Sam (64.) und Kießling (72.) mit starken Paraden in Szene setzen.
Sofian Chahed - 3
Erhielt diesmal den Vorzug vor Cherundolo als rechtes Glied in der Kette und machte seine Sache gut. Gerade nach vorne kam viel Dampf von ihm, aber er war leider etwas glücklos mit seinen Hereingaben.
Karim Haggui - 3
Spielte einen unaufgeregten Part gegen die geballte Leverkusener Offensive. Hatte am Boden und in der Luft stets die Hoheit.
Emanuel Pogatetz - 2,5
Eisenhart der Ösi: In der 38. Minute musste er nach einem Duell mit Simon Rolfes mit einer Kopfplatzwunde vom Platz. Fünf Minuten später war er wieder auf dem Platz – als wäre nichts geschehen. Auch als die Wunde erneut aufging (70.), spielte er unbeindruckt weiter – ganz stark!
Christian Schulz - 3
Der 96-Kapitän hatte Gegenspieler Sam gut im Griff (den sah man kaum) – das spricht für Schulle! Hatte nur einmal das Nachsehen, als er Sam aus den Augen verlor (64.). Ansonsten eine gute Partie des linken Kettengliedes.
Sergio Pinto - 3
Führte gekonnt Regie und ging wie immer keinem Zweikampf – auch gegen Ballack – aus dem Weg.
Manuel Schmiedebach - 3
Solides, starkes Spiel. Viel unterwegs, viele gewonnene Zweikämpfe – gut so.
Konstantin Rausch - 3
Begann ganz stark, sein Schuss in der neunten Minute hätte ein Tor verdient gehabt. Nach einem Querschläger, der beinah zur Bayer-Führung geführt hätte, wurde er immer nervöser.
Lars Stindl - 2,5
War nach seiner Fußprellung zurück in der Startelf und war vom Anpfiff an ein Aktivposten auf der rechten Seite. Drei gute Schusschancen hatte er – leider keine ging rein.
Jan Schlaudraff - 2
Der ARD-Torschütze des Monats hatte wie gegen den HSV die frühe Führung auf den Schlappen, als ihn Abdellaoue mustergültig bediente, aber Bayer-Keeper Leno glänzend parierte. Das Beste: Schlaufi verlängert mit den Roten für drei Jahre, bleibt bis 2015!
Mohammed Abdellaoue - 3
Der 96-Stürmer kam gut ins Spiel, auch wenn nicht alles klappte. Ging weite Wege und bot sich im Zentrum immer wieder geschickt an.
Didier Ya Konan –
Kam in der 80. Minute für den wie aufgezogen spielenden Jan Schlaudraff.
Christian Pander –
Kam nur sieben Minuten vor Schluss für Schulz ins Team.
Moritz Stoppelkamp –
Hatte in allerletzter Sekunde noch den Siegtreffer auf dem Schlappen. hh/ck


