Aus England direkt an die Leine
Im Gespräch mit Emanuel Pogatetz
2010 kam Emanuel Pogatetz vom FC Middlesbrough zu Hannover 96. Dieser Transfer erwies sich als ein Glücksgriff. Der österreichische Nationalspieler, er wurde am 16. Januar 1983 in Graz geboren, half, die Abwehr zu stabilisieren. Und das war eine ganz wichtige Grundlage, um erfolgreich sein und in dieser Saison international spielen zu können. Gut, dass „Emi“ noch einen Vertrag bis 2013 hat. Heute stellen wir Ihnen Emanuel Pogatetz von A wie AS Rom bis Z wie Zauner-Stollen vor.
AS Rom
Das war 2008 schon sehr konkret. Der damalige AS-Trainer Luciano Spalletti wollte, dass ich komme. Bevor der Transfer abgeschlossen werden konnte, habe ich mich jedoch leider am Knie verletzt. So blieb ich noch ein Jahr beim FC Middlesbrough und bin schlussendlich hier in Hannover gelandet, und das ist natürlich auch schön.
Bayer Leverkusen
Mit 18 Jahren bin ich zu Bayer 04 gewechselt. Reiner Calmund kam damals nach Graz und hat mit meinen Eltern verhandelt. Ich habe die Chance beim Schopf gepackt. Bayer hatte ein Superteam, ich kam nur bei den Amateuren zum Einsatz. Da habe ich mich ausleihen lassen. Ich hatte dann ein lehrreiches Jahr beim FC Aarau in der Schweiz, danach spielte ich beim Grazer AK und drei Monate für Spartak Moskau, bevor ich dann zum FC Middlesbrough in die englische Premier League wechselte.
Die Roten
Es zieht sich wie roter Faden durch meine Karriere, dass alle Klubs außer Sturm Graz, für die ich gespielt habe, diese Farbe im Vereinswappen hatten oder entsprechende Trikots trugen, und die österreichische Nationalelf natürlich auch. Der Wechsel zu 96 war ein Glücksfall für mich. Wir haben eine erfolgreiche Saison gespielt und sind auch gut in diese Spielzeit hereingekommen. Wir dürfen international spielen, das wünscht man sich immer.
FC Kärnten
Ich durfte mit 17 schon bei den Profis von Sturm Graz mittrainieren, aber die spielten damals Champions League, da wäre ich nur selten zum Einsatz gekommen. Kärntens damaliger Trainer Walter Schachner holte mich und hat mich sehr gefördert. Ich hatte ein Superjahr, wir sind in die 1. Liga aufgestiegen und haben den Pokal geholt. Dort wurde Bayer Leverkusen dann auf mich aufmerksam.
FC Kopenhagen
Das ist wie Standard Lüttich ein renommierter Gegner. Wir haben gesehen, dass solche Spiele nicht einfach sind. Wir müssen 100 Prozent Leistung abrufen, um gewinnen zu können. Gegen Kopenhagen sehe ich eine sehr große Möglichkeit, vor eigenem Publikum drei Punkte einzufahren. Das wäre auch im Hinblick auf die Gruppe sehr wichtig. Mit einem Sieg hätten wir eine sehr gute Ausgangsposition, um eine Runde weiterzukommen. Wir haben Respekt, aber wir wissen auch um unsere Stärken.
FC Middlesbrough
Ich war noch recht jung, als ich kam, aber ich konnte mich etablieren und war 2007 Kapitän des Teams. Es war eine Superzeit, aber in meinem vorletzten Jahr sind wir abgestiegen. Wir hätten die Qualität gehabt, um das zu vermeiden, aber da kamen viele Faktoren wie ein unerfahrener Trainer zusammen. Was mir vor allem in Erinnerung bleibt, ist in meiner ersten Saison das Uefa-Cup-Finale, auch wenn wir dem FC Sevilla 0:4 unterlagen. Generell waren die fünf Jahre England eine tolle Erfahrung. Es ist keine reiche Stadt, die meisten Menschen arbeiten in Stahlwerken. Sie leben für Fußball, und es hat Spaß bereitet, für die „Smoggys“ zu spielen.
Gomez-Trikot
Ich hatte mit Jan Schlaudraff und Lars Stindl gewettet, dass wir zu Hause mit Österreich mindestens einen Punkt gegen Deutschland holen. In der letzten Minute schlug dann Mario Gomez zu, so musste ich bei 96 mit seinem Trikot trainieren. Das war spaßig, aber zu dem Zeitpunkt hat es mich doch gewurmt.
Graz
Ich bin in Graz 50 Meter entfernt vom Liebenau-Stadion, dem späteren Arnold-Schwarzenegger-Stadion, aufgewachsen. Mein Vater hat mich mit sechs Jahren bei Sturm angemeldet, obwohl er eigentlich immer den Grazer AK favorisiert hat. Sturm lag jedoch näher und ich durchlief dort den Nachwuchs. Schachner holte mich 2003 zu AK, wir wurden Meister und gewannen den Pokal.
Metal
Mein Musikgeschmack ist breitgefächert, aber Metal von Guns N’ Roses, AC/DC oder Slipknot höre ich gerne, etwa beim Krafttraining oder zuweilen zur Einstimmung auf unsere Spiele. Das pusht mich.
Nationalmannschaft
Wir sind bei der Qualifikation für die EM in unserer Gruppe nur Vierter geworden. Ich hatte mir mehr erwartet, das war bitter. Wir haben mehr Potenzial als in den Jahren zuvor, und deshalb erhoffe ich mir nun vom neuen Teamchef Marcel Koller, dass er mehr bewegen kann.
Tatort
Eigentlich schaue ich kein Fernsehen, die Ausnahme ist am Sonntagabend der Tatort im Ersten. Durch unsere vielen Sonntagsspiele wird es aber seltener. Das habe ich von meiner Mutter, und wenn ich zu Hause bin, schauen wir diese Krimis gemeinsam. Mir gefällt, dass diese Sendung Tradition hat.
Theater
Ich gehe in Hannover gerne mal ins Neue Theater und schaue mir die Komödien an, aber ich mag ab und zu auch Musicals und Operetten.
Zauner-Stollen
Bei der Konditorei Zauner in Bad Ischl, die berühmt für diese Spezialität ist, bestelle ich mir manchmal einen Stollen. Das ist eine Art Nusskuchen mit Schokoladenüberzug, der köstlich schmeckt.
Dieter Kösel
Das war der zwölfte Teil unserer 96-Serie – kommenden Mittwoch geht es weiter, stellen wir Ihnen einen weiteren Profi vor.
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www.wochenblaetter.de

