Die Roten können die beste Hinrunde nicht vergolden

  

Hannover 96 unterliegt Im letzten Hinrundenspiel 1:3 beim 1. FC Nürnberg

NÜRNBERG (bo/ds). Mit einem Sieg im letzten Spiel des Jahres beim 1. FC Nürnberg wollte Hannover 96 „die beste Hinrunde vergolden“, wie es Offensivspieler Jan Schlaudraff formulierte. Doch daraus wurde nichts. Nach fünf Siegen in Serie verlor die Mannschaft von Mirko Slomka im EasyCredit-Stadion vor 33.111 Zuschauern mit 1:3. Eine andere Serie hat damit weiterhin Bestand. Ohne Didier Ya Konan blieb 96 im elften Versuch ohne Punktgewinn.
Die Gastgeber, trainiert von Ex-96-Coach Dieter Hecking, waren von Beginn um einen versöhnlichen Abschluss bemüht. Ilkay Gündogans Schuss konnte Mario Eggimann noch abblocken (6.). Jens Hegeler prüfte mit seinem Schuss aus 22 Metern den sicheren Torwart Florian Fromlowitz (10.).
Bei der ersten gefährlichen Aktion der Gäste half der FCN gewaltig mit. Nach einer Flanke von Konstantin Rausch, waren sich Philipp Wollscheid und Juri Judt nicht einig, wer den Ball klären soll. Der nach fünfwöchiger Verletzungspause zurückgekehrte Mohammed Abdellaoue zögerte nicht lange, zielte aus 18 Metern aber einige Meter zu hoch (13.).
Doch das blieb für lange Zeit die einzige Aufregung im Strafraum der Nürnberger. 96 konnte sich offensiv kaum in Szene setzen. Die aggressiven Gastgeber attackierten den ballführenden Roten früh und provozierten damit Fehlpässe.
Ein anderes Bild bot sich auf der anderen Seite. Der mit Abstand auffälligste Club-Akteur Mehmet Ekici versuchte es aus allen Lagen. Der Schuss der Bayern-Leihgabe vom Strafraumeck strich nur knapp am Tor vorbei (19.).
Der ebenfalls agile Gündogan leitete in Minute 28 die 96-Niederlage ein. Seine Hereingabe von links fälschte 96-Kapitän Steven Cherundolo unhaltbar ins eigene Tor ab. Entsetzt blickten die gut 1.100 mitgereisten 96-Anhänger drein. Sie ahnten vielleicht schon, dass die Siegesserie zu einem Ende kommen sollte. 96 wirkte fortan defensiv deutlich verunsichert, gelungene Offensivaktionen waren ebenfalls Mangelware.
Nur drei Minuten später der nächste Schock: 96 konnte nach einer Ecke den Ball nicht klären und Andreas Wolf unbedrängt einschießen.
Nach der Pause belebte „Joker“ Mike Hanke kurzzeitig die kränkelnde Offensive. Schlaudraffs Freistoß händelte Javier Pinola im Strafraum, Sergio Pinto (Foto li.) verkürzte (75.). Allerdings erwies sich dieses nur als kurzes Strohfeuer. Nürnberg dominierte weiterhin. Julian Schiebers ungehinderter Kopfballtreffer in der 82. Minute war die Konsequenz.
Frust bei den Gästen, doch dieser weicht bis Weihnachten sicherlich der Freude über die erfolgreichste Hinrunde der Vereinsgeschichte.

So waren die Roten in Form

Florian Fromlowitz
3
Bei den Gegentoren schuldlos. Der Schlussmann verhinderte mit glänzenden Paraden, wie beim Distanzschuss von Ekici (41.) und Eigler (86.), eine höhere Niederlage.

Steven Cherundolo 5
Zwei Gegentore über seine Abwehrseite sprechen eine deutliche Sprache. Der Kapitän war ausschließlich mit Defensivaufgaben befasst. Sah beim Eigentor unglücklich aus.

Mario Eggimann 4
Souveräner Beginn - ließ sich nach dem 0:1 allerdings wie seine Abwehrkollegen verunsichern und verlor in der Folge viele Zweikämpfe.

Emanuel Pogatetz 4
Vor dem 0:2 wäre ihm beinahe ein Eigentor per Kopf unterlaufen. Auch er baute nach gutem Beginn merklich ab.

Christian Schulz 3
Mit Höhen und Tiefen. Wird vor dem 0:2 im Fünfmeterraum von Schieber gesperrt und kann das Gegentor nicht mehr verhindern.

Lars Stindl 5
Er blieb auf seiner rechten Seite blass und verlor viele Zweikämpfe und konnte offensiv ebenfalls keine Akzente setzen. Blieb nach der Pause für Hanke zurecht in der Kabine.

Sergio Pinto 4
Hatte im Spielaufbau gleich mehrere Gegenspieler auf den Füßen und daher einen schweren Stand. Verwandelte den Handelfmeter sicher.

Manuel Schmiedebach 4
Rackerte und lief gewohnt viel - allerdings fehlte es diesmal an Effizienz. Er blieb ungewohnt unauffällig und wählte oft den falschen Laufweg.

Konstantin Rausch 4
Mäßige Standards vom Linksfuß. Agierte zu hektisch und konnte nie seine Schnelligkeit ausspielen.

Jan Schlaudraff 4
Ließ sich nach dem Rückstand weit zurückfallen, kam in Durchgang zwei über die rechte Außenbahn. Er versuchte viel, ihm gelang jedoch wenig. Hatte Glück, als er Gündogan an der Seitenlinie trat.

Mohammed Abdellaoue 4
Dem Norweger war die fünfwöchige Verletzungspause anzumerken. Hatte wenig Bindung zum Spiel und keine echte Torchance.

Mike Hanke 3
Mit seiner Einwechselung kam Schwung in die Offensive (46.). Gewann auch in der Defensive einige Kopfballduelle.

Mikael Forssell
Kam in der 64. Minute für Abdellaoue, blieb allerdings ohne Wirkung.

Constant Djakpa
Hatte in den Schlussminuten keine auffällige Szene mehr. ds/bo

Nachspielzeit

Die Roten und der Schampus

von Dieter Kösel

Zutiefst betrübt und himmelhoch jauchzend – zwischen diesen Polen haben wir das Fußballjahr 2010 erlebt. Rechtzeitig zum Ende der vergangenen Saison zeigte die Leistungskurve der Roten nach oben, und die ist diese Spielzeit konstant auf Kletterkurs geblieben. Die Elf von Trainer Mirko Slomka ist eine, wenn nicht die positive Überraschung der Liga. Daran ändert auch die Niederlage in Nürnberg nichts. Erstligafußball in Hannover bereitet wieder Spaß, und dies sollten wir nicht als selbstverständlich ansehen. Vielleicht ist die Niederlage im Frankenlande jedoch eine Mahnung. Bei allem Respekt, den sich 96 nun erarbeitet hat, ein Selbstläufer wird die Rückrunde nicht. Mit dem Erfolg ist es wie mit dem Schampus. Wird die Flasche nicht sorgfältig und zu ungeduldig behandelt, landet das edle Nass überall, nur nicht im Glase. Und der Rest kann schnell schal im Magen liegen. Doch da sind Sorgen wohl unangebracht. 96 hebt nicht ab und der Schampus schäumt auch nicht über – 2011 kann kommen!

Das sagen die Trainer zum Spiel…

Mirko Slomka, Hannover 96:
Viele Fehler und wenig aggressiv

Besonders aufgrund der ersten Halbzeit ist Nürnbergs Sieg verdient. Die ersten 45 Minuten von uns waren schwach und wir haben unglaubliche Fehler gemacht und waren wenig aggressiv. In der zweiten Halbzeit waren wir besonders dominant auf dem Platz und haben alles versucht. Nürnberg hat uns allerdings geschickt ausgehebelt. Für den Augenblick ist es enttäuschend, wir haben insgesamt aber eine sehr starke Hinrunde gespielt.

Dieter Hecking, 1. FC Nürnberg: Junges Team hat Reife bewiesen

In den ersten 20 Minuten haben sich beide Mannschaften abgetastet. Mit dem 1:0 hat sich die Brust gelöst und die Spielfreude war wieder zu erkennen. Wir hätten auch noch nachlegen können, aber das wäre des Guten zu viel gewesen. Wir wollten nicht, dass 96 in das Spiel zurückkommt. Wir haben unseren kleinen Negativlauf unterbrechen können. Meine junge Mannschaft hat in dem Spiel Reife bewiesen.

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