Die WM war eine Riesensache
Im Gespräch mit Samuel Radlinger
Hannover 96 kann auf eine Reihe guter Torhüter verweisen. Und da braucht man gar nicht so weit zurückzuschauen. Namen wie die von Jörg Sievers, Robert Enke oder aktuell Ron-Robert Zieler fallen einem sofort ein. Ein junger Mann schickt sich an, in deren Fußstapfen zu treten. Samuel Radlinger wurde am 7. November 1992 im österreichischen Ried geboren. Sein Torwarttalent wurde beim Erstligisten SV Ried erst spät, aber dafür umso nachhaltiger entdeckt. Der 18-jährige Auswahltorhüter unterschrieb zu Beginn dieser Saison einen Drei-Jahres-Vertrag bei den Roten. Wir stellen Ihnen heute Samuel Radlinger von A wie AWD-Arena bis Z wie Zieler vor.
AWD-Arena
Dies ist ein richtig schönes und großes Stadion. Und gerade gegen den FC Sevilla mit der Stimmung hatte ich in der Arena ein richtiges Gänsehautgefühl.
Die Roten
Es ist alles ganz schnell gegangen. Ich war zum Probetraining hier, und seit dem ersten Tag gefiel es mir von den Mitspielern, dem Training und dem Stadion her. Es hat alles richtig gut gepasst. Die Bundesliga genießt bei uns einen hohen Stellenwert und jetzt bin ich hier, um die unsicher zu machen (lächelt).
Familie
Ich habe drei Geschwister. Meine Brüder spielen beim SV Ried Fußball, obwohl mein älterer Bruder aufgehört hat, während meine kleine Schwester eher vom Singen träumt. Sie sind ganz stolz auf mich und kommen mich bald in Hannover besuchen. Darauf freue ich mich, denn die Familie ist mir sehr wichtig.
Goalie
Die Fußballsprache in Österreich unterscheidet sich in manchem von der deutschen. So nennen wir etwa das Trikot Leiberl. Goalie ist der Begriff für Torwart und der wird gerne mit Eiergoalie verbunden. Das ist ein schlechter Torhüter, also ein „Fliegenfänger“.
Hannover
Es gefällt mir sehr gut hier. Ich wusste schon vorher, das ist die Stadt mit dem meisten Grün in Deutschland. Ich wohne jetzt in der Altstadt und habe die Stadt schon öfter erkundet. Ich finde mich schon ganz gut zurecht, einen Stadtplan oder ein Navi benötige ich nicht mehr.
Juventus Turin
Mit 16 hatte ich mein erstes Spiel als Torwart gegen Rapid Wien, und da war ein Juve-Scout vor Ort. Der hat mich direkt nach dem Spiel angesprochen. Ich habe in Turin ein Probetraining absolviert, aber es hat leider nicht gereicht. Dafür wollte mich der FC Empoli verpflichten, aber dort gefiel es mir nicht. Ich wäre zu weit weg von zu Hause gewesen.
Nationalmannschaften
Mit 16 Jahren hatte ich meine erste Einberufung ins U18-Nationalteam und dann ging es schnell über die U19 bis hin zur U20 und der WM in Kolumbien. Vor der WM war ich bereits zweimal bei der U21 und bin nun bei den U21-EM-Qualifikationsspielen gegen Luxemburg und Griechenland dabei.
Pogatetz
Ich kannte Emanuel vorher nicht. Als ich zur Vertragsunterzeichnung in Hannover war, haben wir uns getroffen. Er ist ein Supertyp und hat mir den Einstieg bei 96 sehr erleichtert.
Regionalliga
In der U23 haben sie mich gleich toll aufgenommen. Ich habe dort bei unserem 2:0-Erfolg gegen Hertha BSC II meine erste Begegnung absolviert. Ich freue mich auf die Spiele und dass ich Spielpraxis bekomme.
Ried
Dort ist es ganz anders als in Hannover. Ried hat 12.000 Einwohner und genau eine Ampel. Unsere Innenstadt mit den Geschäften besteht aus zwei Straßen. Ried liegt im Inn-Kreis und ist eine Autostunde von Salzburg entfernt.
Snowboard
Im Winter bin ich gerne Snowboard gefahren. Aber das geht jetzt nicht mehr, das ist einfach zu gefährlich im Hinblick auf Verletzungen.
Spätstarter
Ich habe mit fünf Jahren als Mittelfeldspieler mit dem Fußball begonnen. Später war ich als Feldspieler sogar in der Landesauswahl, aber dann kamen Wachstumsschübe. Bei der SV gibt es die U15-, U17- und U19-Akademie. Für die U15 wurde ich als Feldspieler nicht aufgenommen. Ich habe dort noch mittrainiert und mich nach dem Training immer noch ins Tor gestellt. Der Torwarttrainer Vlado Cvjetkovic sprach mich an und sagte mir nach einem Probetraining, dass sie mich gerne als dritten Torhüter in die U15 übernehmen würden. Erst im zweiten Jahr in der U17 habe ich meine erste Partie als Torhüter bestritten. Seitdem habe ich immer gespielt.
SV Ried
Das ist mein Herzensverein und dort wollte ich immer spielen. Mit meiner Familie war ich immer als Fan im Stadion und wir haben die Mannschaft angefeuert. Der SV ist österreichischer Pokalsieger. Ich habe noch Kontakt zu den Spielern und irgendwann möchte ich dort noch einmal im Tor stehen.
Union St. Florian
Union ist ein Ausbildungsverein und spielt in der 3. Liga. In meinem ersten Jahr U19 bei Ried war ich bei den Profis dabei und sollte bei Union Spielpraxis bei den Herren bekommen. Das erste halbe Jahr war sehr schwer. Vormittags hatte ich in Ried Training, fuhr dann mit dem Zug nach Linz und dem Bus nach St. Florian, trainierte dort und dann ging es zurück. Gegen 23 Uhr traf ich dann wieder zu Hause ein. Aber wir verstanden uns alle gut, und ich habe mit 25 Einsätzen meinen Durchbruch geschafft. Es war die richtige Entscheidung.
Versicherungskaufmann
Ich habe bei der oberösterreichischen Versicherung Kompas meine Ausbildung absolviert. Das ist ein Sponsor des SV Ried, und so konnte ich Ausbildung und Training gut aufeinander abstimmen.
Weltmeisterschaft
Das erlebt nicht jeder und war eine Riesensache, doch sportlich kein so großes Highlight. Wir hatten uns mit der U20 in Kolumbien viel vorgenommen. Vielleicht wollten wir zu viel, wir sind nach einem Remis gegen Panama und zwei Niederlagen gegen Brasilien und Ägypten in der Vorrunde ausgeschieden. Einen Urlaub würde ich nicht in Kolumbien verbringen. Ob wir zum Training fuhren oder das Hotel verließen, ohne Polizeischutz ging das nicht. Dazu kam die hohe Luftfeuchtigkeit.
Zieler
Ron-Robert hat gezeigt, wie man vom dritten zum ersten Torwart werden kann. Das ist auch mein Ziel. Ich kann noch viel von ihm lernen. Er ist ein sehr guter Goalie, der mitspielt, dirigiert und den modernen Typ des Torhüters verkörpert.
Dieter Kösel
Das war der fünfte Teil unserer 96-Serie – kommenden Mittwoch geht es weiter, stellen wir Ihnen einen weiteren Profi vor.
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