Die WM war mein Highlight

 

Im Gespräch mit Mario Eggimann

Hannover 96 ist derzeit so erfolgreich wie wohl selten in der Vereinsgeschichte. Und da zeigt es sich, dass auch im modernen Profifußball Teamgeist unverzichtbar ist. Eine Mannschaft besteht eben aus mehr als nur elf Spielern. Mario Eggimann kam 2008 vom Karlsruher SC. Die Erwartungen an den Schweizer Nationalspieler, er wurde am 24. Januar 1981 in Brugg geboren, waren hoch. Denen wurde der Innenverteidiger zunächst nicht gerecht. Doch nach seinem Holperstart hat er längst gezeigt, dass er zu den Guten seiner Zunft gehört und auf ihn Verlass ist – und das nicht nur auf dem Platz. Heute stellen wir Ihnen Mario Eggimann von A wie Aarau bis Z wie Ziele vor.

Aarau
Als ich 17 Jahre alt war, wurde mein Jugendtrainer beim FC Aarau Coach der 1. Herren. Der hat mich dann gleich hochgenommen und auch spielen lassen. Das kam ziemlich überraschend. Von da an habe ich in drei Teams gespielt, hauptsächlich in der 1. Mannschaft, aber auch in der U19 und U21. Das war eine ziemlich aufregende Zeit mit viel Aufwand, aber für mich wurde ein Traum wahr.

Die Roten
Diese Bezeichnung war neu für mich, ich habe 96 immer mit Grün identifiziert. Aber für einen Schweizer ist diese Farbe natürlich sympathisch. Ich habe mich damals aus dem Gefühl heraus für 96 entschieden. Leider ist es für mich zu Beginn nicht so glücklich gelaufen. Ich hab meine eigenen Erwartungen nicht erfüllt. Wenn man sich dann selber unter Druck setzt und es läuft nicht, dann wird es schwierig. Das hat sich wieder gelegt und ich hab ja auch in wichtigen Spielen meinen Mann gestanden. Ich fühle mich mittlerweile sehr wohl hier.

Europa League
Ich kenne diese internationalen Geschichten sonst nur aus der Nationalmannschaft. Das ist schon vergleichbar. Man reist irgendwo hin, trainiert am Tag vorher auf des Gegners Platz. Es herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre in der Mannschaft. Etwas ist anders und das fasziniert mich. Für dieses Andere spielen wir Fußball, um das zu erleben.

FC Küttingen
Dort habe ich mit fünf Jahren mit dem Fußball begonnen. Weil ich zu jung war, hatte ich zunächst keinen Spielerpass. Ich spielte trotzdem und alle Partien wurden als Niederlagen gewertet, obwohl wir gewonnen hatten. Ich habe als Stürmer begonnen und bin mit den Jahren immer weiter nach hinten gerückt.

Gitarre
Ich mag Live-Musik und Rockiges. Das hat mich schon immer fasziniert, und seit drei Jahren nehme ich Gitarrenunterricht. Das ist ein super Ausgleich zum Fußball. Man sollte immer offen für neue Dinge sein, und es macht Spaß.


Hannover
Hannover bietet eine super Lebensqualität. Wenn man nicht aus dieser Stadt kommt, hört man ja oft komische Geschichten über sie. Wir haben häufig Verwandte und Bekannte zu Besuch. Die sind auch begeistert und sagen, das haben wir uns ganz anders vorgestellt.

Iris und Lilou
Meine Partnerin Iris und unsere Tochter Lilou sind das Wichtigste für mich.

Karlsruher SC
Man neigt dazu, immer nur das Schöne in Erinnerung zu behalten, aber in den ersten zwei, drei Jahren lief es dort nicht gut. Der KSC hatte finanzielle Probleme, wir spielten in der 2. Bundesliga gegen den Abstieg. Das war schon ein hartes Brot und hat mich abgehärtet. Die letzten zwei, drei Jahre mit dem Aufstieg in die Bundesliga haben für vieles entschädigt.

Kochen
Ich hatte einmal die Ehre, mit Johann Lafer zu kochen. Er hatte mitbekommen, dass wir mit einigen Spielern des KSC, Markus Miller war auch dabei, einen Kochkurs besuchten. Das waren immer schöne Abende, und irgendwann wurde das dann öffentlich.

Nationalmannschaft
Seit der U15 habe ich für die Schweiz international gespielt. Ich sage zu jedem jungen Spieler, genieße diese Zeit. Du kommst in der Welt herum, spielst in jungen Jahren bereits im Ausland und erlebst etwas. Man kann viele Erfahrungen für sich und sein ganzes Leben sammeln. In jungen Jahren weiß man das noch gar nicht richtig zu schätzen, aber man erlebt schöne Sachen. Ich gehörte zur ersten Generation, die von der neu strukturierten Jugendarbeit in der Schweiz profitieren konnte.

Olaf Malolepski
Olaf spielte bei den Flippers, die sich nun aufgelöst haben. Man mag über die Musik denken, was man will, aber sie waren eine, wenn nicht die erfolgreichste deutsche Band. Olaf kommt aus der Nähe von Karlsruhe und war häufiger bei KSC-Spielen. Wir sind dann mal darauf gekommen, dass wir über vier Ecken verwandt sind. Seitdem stehen wir im Kontakt. Er ist ein lockerer und offener Typ, ich mag ihn sehr gerne. Die Diskussionen über Fußball sind immer witzig.

Südafrika
Diese WM war für mich ein Ausgleich für die EM 2008, die ich verpasst habe. Es war ein persönliches Highlight, obwohl wir sportlich nicht so erfolgreich waren. Es wäre schön gewesen, wenn wir nicht schon in der Vorrunde ausgeschieden wären.
Ziele
Es wäre klasse, wenn wir in der Europa League für Furore sorgen könnten. Wir haben die Qualität und die Ruhe im Verein, die dazu notwendig ist. Ich gönne es den anderen, dass sie so gut spielen, aber persönlich wünsche ich mir natürlich mehr Einsätze. Das ist mein Anspruch.
Dieter Kösel


Das war der elfte Teil unserer 96-Serie – kommenden Mittwoch geht es weiter, stellen wir Ihnen einen weiteren Profi vor.
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