Europa ist eine Riesengeschichte
Im Gespräch mit Sergio Pinto
Der Erfolg von Hannover 96 ist stark davon abhängig, dass die Mittelfeldachse schnell von Abwehr auf Angriff umschaltet. Sergio Pinto ist dabei mit seinen Pässen, aber auch seinen Toren ein wesentlicher Bestandteil. Dass der am 16. Oktober 1980 im portugiesischen Vila Nova de Gaia geborene Mittelfeldspieler dazu aggressiv und zweikampfstark agiert, macht ihn zu einer Idealbesetzung im System von Trainer Mirko Slomka. Dabei kommt es ihm in zentraler Rolle zugute, dass er im Mittelfeld schon auf allen Positionen und sogar auf der rechten Abwehrseite gespielt hat. Heute stellen wir Ihnen Sergio Pinto von A wie Alemannia Aachen bis Z wie Zukunft vor.
Alemannia Aachen
Aus der Zeit bei der Alemannia ist bei mir einiges hängengeblieben, nicht nur wegen des Erfolges, den wir als Zweitligist gehabt haben. Wir haben den Verein ein Stück weiter nach vorne gebracht. Ich habe dort viele Menschen kennen gelernt, die zu engen Freunden geworden sind, auch meine zukünftige Frau. Wenn wir dort zu Besuch sind, dann werde ich immer noch auf diese Zeit angesprochen. Das macht mich stolz.
Alexandra, Aurora-Milla & Soleá-Vida
Meine Familie ist mein Ein und Alles, da kommt nichts drüber!
Chill-Manier
Diesen Begriff hat meine Partnerin geprägt. Ich werde privat nur sehr ungern mit Stress konfrontiert. Da gibt es Situationen, da hätte es der eine gerne schnell, aber ich erledige das in aller Ruhe und Gelassenheit. Wenn ich zum Beispiel das Auto putze, dann dauert das eben nicht nur eine Stunde, sondern kann auch mal drei Stunden dauern.
Die Roten
Hannover 96 hat sich absolut positiv entwickelt. Das hat nicht nur mit dem Erfolg zu tun. Man hat immer das Gefühl, dass wir eine Einheit bilden, und dies zeichnet uns aus. Dies zeigt, dass man gemeinsam, ob Manager, Trainer, Spieler oder Fans, viel erreichen kann. Ich habe es nie bereut, dass ich zu 96 gekommen bin.
FC Porto
Der FC Porto war meine erste Station im Klubbereich, ich habe dort in der Jugend gespielt. Für Portugiesen gibt es eigentlich nur drei Vereine, und zwar den FC Porto sowie Benfica oder Sporting Lissabon, für die man als Kind schwärmt. Für mich war und ist es der FC Porto. Dieser Verein ist eine Herzenssache für mich.
FC Sevilla
Man sieht sich immer zweimal. Mit Aachen haben wir damals leider gegen den FC verloren. Mit der Alemannia waren wir chancenlos, aber mit den Roten haben wir unsere Sache sehr gut gemacht. Betrachtet man das Hin- und Rückspiel zusammen, dann sind wir in der Europa League verdient weitergekommen. Ich finde es schade, dass dies auf der nationalen Ebene nicht stärker und positiver wahrgenommen wurde, da wurde fast nur über Schalke gesprochen. Wir haben mit diesem Erfolg gegen eine Top-Mannschaft viel für den deutschen Fußball und natürlich auch die Fünfjahreswertung getan.
Gehrden
Unser Wohnort ist sehr ruhig und dort lässt es sich sehr gut leben. Es passt einfach, wir fühlen uns dort sehr wohl.
Gruppenphase
Es wird viel darüber geredet, dass es für uns angesichts des Programms Pflicht sei, weiterzukommen. Es ist eine schwierige Gruppe in der Europa League, aber sie ist machbar. Man darf jedoch nicht erwarten, dass wir da einfach so durchmarschieren. Wenn wir das abrufen, was wir können, dann kommen wir weiter. Wir haben die Qualität, das Potenzial und sind schwer zu schlagen. Zunächst müssen wir allerdings mit der Dreifachbelastung in Liga, Pokal und internationalem Wettbewerb klarkommen, dies müssen wir lernen. Insgesamt kann das für den Verein und die Fans eine Riesengeschichte werden.
Haltern
Dieser Ort im Münsterland war meine erste Station in Deutschland. Meine Eltern leben dort immer noch und ich komme immer wieder gerne zurück. Aus diesem Ort kommen auch Christoph und Malte Metzelder sowie Benedikt Höwedes.
Kochen
Ich esse sehr gerne und gerne gut. Seit meinem 16. Lebensjahr habe ich lange alleine gewohnt und da lernt man das zwangsläufig. Ich mag die mexikanische Küche, weil sie ein bisschen scharf ist. Das Kochen macht mir Spaß, und meine Familie hat sich noch nie beschwert.
Phoebe
Das ist unser Hund. Der Name unseres Mopses wird „Fibi“ ausgesprochen. Sie ist für uns wie ein Familienmitglied und sehr kinderlieb.
Saisonziel
Unser erstes Saisonziel haben wir erreicht, indem wir uns für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert haben. Der Rest wird sich entwickeln. Wir wollen die vergangene Saison bestätigen, aber ich bin Realist und weiß, dass dies sehr schwierig wird. Wenn wir jedoch hart an uns arbeiten, von Verletzungen verschont bleiben und gemeinsam dasselbe Ziel verfolgen, dann ist es nicht unmöglich. Da gehören viele Faktoren dazu und muss vieles passen. Die Qualität ist bei uns jedenfalls vorhanden.
Schalke 04
Dort habe ich neun Jahre lang in der Jugend und im Seniorenbereich gespielt, für Schalke mein Bundesligadebüt absolviert. Ich sehe diese Zeit mit gemischten Gefühlen. Sie war sehr hilfreich für meinen Werdegang, und ich hänge sehr am Ruhrpott und Schalke. Eigentlich wollte ich nicht weg. Ich musste aber feststellen, dass ich dort in eine Schublade gesteckt wurde, aus der ich nicht mehr herauskam. Vielleicht hätte ich früher wechseln sollen.
Schiedsrichter
Man muss schon Respekt vor den Schiedsrichtern haben. Es ist eine schwierige Aufgabe und die meisten erledigen sie gut, aber man muss nicht immer einer Meinung sein. Als Schiedsrichter sollte man von seiner Gestik und seinem Auftreten her souverän wirken.
Als Spieler stehe ich unter Adrenalin und will gewinnen. Wenn ich mich über eine meiner Ansicht nach nicht gerechte Entscheidung aufrege, dann prallen zwei Seiten aufeinander. Der holländische Schiri im Hinspiel gegen Sevilla war ein gutes Beispiel. Er sagte zu mir, Du willst gewinnen und regst Dich auf. Das verstehe ich, aber ich entscheide. Wenn ich einen solchen Spielleiter habe, dann ist es gut. Da steht einer souverän drüber, und ich sage mir, er hat eigentlich Recht.
Vila Nova de Gaia
Das ist mein Geburtsort und dort bin ich aufgewachsen. Der Rio Douro trennt Porto und Vila Nova de Gaia. Die Stadt ist das Zentrum der Portweinproduktion in Portugal.
Zukunft
Ich wünsche mir, dass meine Familie und ich gesund bleiben.
Dieter Kösel
Das war der sechste Teil unserer 96-Serie – kommenden Mittwoch geht es weiter, stellen wir Ihnen einen weiteren Profi vor.
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