Europa, wir kommen - Ya Konan schießt 96 in die Euroleague

    HANNOVER (dik). Endspielstimmung in der AWD-Arena: 49.000 Zuschauer bildeten eine prächtige Kulisse zum Saisonfinale von Hannover 96 gegen den 1. FC Kaiserslautern. In der 50. Partie dieser Spielzeit setzten sich die Roten mit 2:1 durch und spielen nächste Saison wieder international.
Selten war die Ausgangslage vor dem letzten Bundesligaspiel so eindeutig. Mit einem Sieg hätten sich die Roten erneut für die Europa League qualifiziert, ohne auf Schützenhilfe angewiesen zu sein. Ball bei Fuß stand hinter 96 die Konkurrenz aus Wolfsburg, Bremen sowie Nürnberg bereit und wartete auf einen Ausrutscher.
Das Spiel begann mit einem Kopfball von Lars Stindl (3.) verheißungsvoll, doch nur vier Minuten später folgte die eiskalte Dusche. Lauterns Pierre De Wit zog aus 22 Metern ab und erzielte die Führung für den Absteiger. Die Roten ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Sie starteten, lautstark unterstützt von ihren Anhängern, einen furiosen Sturmlauf, mussten dabei jedoch aufpassen, nicht noch einmal von einem Konter der Gäste kalt erwischt zu werden.
Solch eine Fülle von Tormöglichkeiten, wie sie sich die Elf von Trainer Mirko Slomka in der Folge erarbeitete, hat man so selten gesehen. Hier nur einige Beispiele: Didier Ya Konan (12.) traf das Außennetz, Jan Schlaudraff (17.) den Pfosten. Gäste-Keeper Tobias Sippel klärte gegen Mario Eggimann und Mohammed Abdellaoue (beide 23.). Einen Schuss von Stindl (27.) schlug Lauterns Florian Dick von der Torlinie.
Rechtzeitig vor der Pause fiel der Ausgleich durch ein Eigentor von Alexander Bugera (38.). Der bis dahin kaum geprüfte 96-Torhüter Ron-Robert Zieler (45.) rettete dieses Ergebnis stark gegen den Schuss von Konstantinos Fortounis in die Pause. Wolfsburg führte da mit 1:0 bei Stuttgart und hatte sich an 96 vorbeigeschoben.
96 blieb nach dem Wiederanpfiff druckvoll, versuchte aber, keine Lücken für Konter zu lassen. Schade, dass Mathias Abel (53.) eine Reingabe vom 96er Konstantin Rausch vor Abdellaoue zur Ecke abwehren konnte. Chancen blieben jedoch trotz allen Bemühens zunächst aus, ein Stindl-Schuss (64.) wurde zur Ecke abgewehrt. Vergab Andrew Wooten (70.) die Großchance zur erneuten Lauterer Führung, ertönte eine Minute später Riesenjubel. Nach einem Freistoß von Stindl erzielte Ya Konan die hochverdiente 96-Führung. Die Roten holten sich mit diesem Tor Platz sieben zurück.
Es blieb spannend, denn die Pfälzer wollten den Ausgleich. Der VfB führte derweil mit 3:2 gegen die Wölfe. Artur Sobiech (85.) traf den FCK-Pfosten, doch die letzten Minuten gehörten Altin Lala, dem bei seinem letzten Spiel für 96 ein Riesenabschied bereitet wurde.
Die Roten: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Schulz - Schlaudraff (76. Schmiedebach), Stindl, Pinto, Rausch (84. Lala) - Ya Konan, Abdellaoue (68. Sobiech)


Das sagen die Trainer zum Spiel:

Mirko Slomka, Hannover 96:
Nach dem Siegtor begann die Feierlaune

Also ein Zitterspiel war es so eigentlich nicht, da wir in der ersten Halbzeit schon unglaublich viele Torchancen hatten. Die Mannschaft hat auch nicht die Geduld verloren und weiterhin versucht mit Querpässen vor das Lauterer Tor zu kommen und torgefährlich zu sein. Es ist schon außergewöhnlich, dass wir wieder im europäischen Wettbewerb vertreten sind. Mit dem Siegtor begann dann bei allen die Feierlaune.

Krassimir Balakow, 1. FC Kaiserslautern: Hier Europa League, bei uns Abstieg

Wir haben heute gut mitgehalten und auch gut gespielt. Allerdings wissen wir, dass wir viel Arbeit vor uns haben, sonst wären wir nicht abgestiegen. Jedes Spiel sieht man was, was negativ und auch positiv ist, und jetzt zum Ende der Saison müssen wir alles in Ruhe analysieren. Ich wollte einigen Spielern eine Chance geben und habe viel ausprobiert. Es ist aber ein anderes Kaliber - hier Europa League, bei uns Abstieg!

Nachspielzeit

Europa, 96 kommt wieder!

von Dieter Kösel

96 befand sich in der Pole-Position im Kampf um Platz sieben, brauchte „nur“ zu gewinnen und keine Hilfe von anderen. Dazu kam mit Absteiger Lautern das Schlusslicht. Es war ein Spiel wie gemalt, um es zu „vergeigen“. Doch nicht zum ersten Mal bewies die Elf von Trainer Mirko Slomka Nervenstärke. Sie war im entscheidenden Augenblick da und qualifizierte sich erneut für die Europa League. Das ist angesichts der finanzstarken Konkurrenz wie dem VfL Wolfsburg ein unglaublicher Erfolg, zumal er zum zweiten Mal in Folge gelang. Beim Rückblick auf diese Saison, denken wir nur an die Siege gegen Bayern und Dortmund oder das „Heimspiel“ beim FC Kopenhagen“, steigt die Vorfreude auf die kommende Spielzeit empor. Einer hat sich verabschiedet, der über 14 Jahre seinen Anteil an diesen Erfolgen hatte. Altin Lala sei bei Bayern München II viel Glück gewünscht! So bleibt als einziger Schatten, dass mit Jörg Schmadtke der Architekt dieses Teams geht. Auch ihm alles Gute – und vielleicht gibt es ja eine Rückkehr!

Die Roten in „Europa“-Form

Ron-Robert Zieler - 2
Wurde in der siebten Minute eiskalt erwischt und war beim 0:1 ohne Chance. Glanztat kurz vor dem Pausentee gegen Lauterns Fortounis (45.). Der Nationalkeeper wirkte stets sehr präsent, vor allem in der Strafraumbeherrschung.

Steven Cherundolo - 2
Begann sehr agil und mit Druck nach vorne. Der Kapitän ließ sich auch nach dem Rückstand nicht aus der Ruhe bringen und trieb sein Team über die rechte Seite immer wieder nach vorne.

Mario Eggimann - 2
Der Schweizer wirkte in den ersten Minuten etwas stocksteif – nach dem Rückstand aber hellwach und so gut wie immer Herr der Lage. Große Kopfballchance nach Eckball, den Sippel parierte (23.).

Emanuel Pogatetz - 2
Dem Ösi war anzumerken, dass ihm das frühe Gegentor gar nicht schmeckte. Sein Kessel dampfte fortan in jedem Zweikampf. Schenkte keinen Ball her und stand im Abwehrzentrum wie eine Mauer.

Christian Schulz - 2
Anfänglich mit Abstimmungsproblemen mit Vordermann Rausch auf der linken Seite, auf der auch das 0:1 entstand. Kämpfte sich aber mit Elan und der nötigen Robustheit immer besser ins Spiel.

Sergio Pinto - 2
Der Dreh- und Angelpunkt des 96-Spiels forderte fast jeden Ball und kurbelte Angriff für Angriff Richtung Lauterer Gehäuse an. Der ein oder andere Ballverlust sei ihm dabei verziehen.

Konstantin Rausch - 2
Zurück in der Startelf nach Gelbsperre im Leverkusenspiel zeigte der Linksfuß viel Dynamik und richtig gute Flanken und Standards. Wenn er bei ruhenden Bällen anlief, war Musik im Spiel.

Lars Stindl - 2
Fast wieder in der Form vor seiner Verletzung: unermüdlich in seinen Aktionen. Machte über Rechts viel Alarm und bereitete per Freistoß den Siegtreffer vor.

Jan Schlaudraff - 2
Es dauerte eine Weile, bis sein Motor auf Betriebstemperatur kam. Gab dann aber in vielen Offensivaktionen gehörig Gas; da sei ihm die ein oder andere schöpferische Pause auch gegönnt.

Mohammed Abdellaoue - 2
Rutschte und flog in jeden Ball im Lauterer Strafraum hinein, einzig und allein fehlten immer ein paar Zentimeter. Ansteigende Form.

Didier Ya Konan - 1
Der Ivorer erzwang förmlich den längst überfälligen Ausgleichstreffer zum 1:1 (38.). Mit Köpfchen dann sein zweiter Streich zum 2:1 – klasse!

Artur Sobiech - 2
Kam für Abdellaoue (68.) und hätte beinahe per Kopf getroffen (85.).

Manuel Schmiedebach - 2
Sollte 14 Minuten den Sieg mit festhalten – das gelang.

Altin Lala - 1 mit *
Kam für Rausch (84.) und alle sangen seinen Namen – Danke, danke, danke!
ck/sj
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen Webseiten

Meistgelesene Beiträge des Autors

2 Bilder

Interview: David Garrett im Gespräch

Clemens Niehaus | am 21.07.2010 | 5003 mal gelesen

Er ist Weltrekordler, Ex-Model und der zur Zeit erfolgreichste Geiger: David Garrett. Der gebürtige Aachener und Heavy Metal-Fan war Stargast bei der Premiere des Audi Q5 in Hannover. Nach seinem Auftritt hatte er noch Zeit, sich mit mit hallo Sonntag-Redakteur Clemens Niehaus und Mitarbeiterin Annette Hartmann zu unterhalten. Hallo Sonntag: Hallo David, nett, dass Du dir ein bisschen Zeit für uns nimmst. Es ist ja etwas...

Hannover Olé: Die Schlager- und Pop-Party auf dem Messegelände

Clemens Niehaus | am 23.11.2012 | 2902 mal gelesen

Hannover: messegelände | Vor kurzem wurde das Expo-Holzdach in Hannover mit dem Location Award 2012 ausgezeichnet, schon steht fest, dass das größte zusammenhängende Holzdach der Welt im kommenden Sommer das größte Sommerfest Niedersachsens überdachen wird. Die Sensation ist perfekt, Veranstalter des Jahres Markus Krampe, der mit seinen „Olé-Festivals“ deutschlandweit für Begeisterung sorgt, macht 2013 Station auf dem Messegelände in...

1 Bild

Interview: Wolfgang Niedecken im Gespräch

Clemens Niehaus | am 09.05.2012 | 2873 mal gelesen

Der 2. November 2011 wird Wolfgang Niedecken noch lange im Gedächtnis bleiben – da erlitt der BAP-Chef einen Schlaganfall, der die geplante Tour der Kölschrocker jäh stoppte. Kaum ein halbes Jahr später ist Niedecken wieder auf den Beinen, mehr noch, er holt die ausgefallene Tour umgehend nach. Am 18. April war Niedecken zu Gast in der NDR Talkshow „Tietjen und Hirschhausen“ und fand zuvor Zeit für ein kurzes Gespräch mit...

Ähnliche Beiträge

15 Bilder

Na also: Gewinnen geht doch - Hannover 96 mit versöhnlichem Saisonabschluss

Clemens Niehaus | vor 4 Tagen | 72 mal gelesen

HANNOVER (dik). Ein versöhnliches Saisonfinale vor 49.000 Zuschauern in der ausverkauften AWD-Arena: Mit dem 3:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf verabschiedete sich Hannover 96 von seinen Fans. Durch diesen Erfolg verteidigten die Roten ihren neunten Tabellenplatz, während die Gäste abgestiegen sind. Vor der Partie wurden die Spieler Konstantin Rausch, Mario Eggimann, Sergio da Silva Pinto und Sofian Chahed sowie Kotrainer...

13 Bilder

Harmlose Hannoveraner lassen Punkte in Düsseldorf - und überwintern im Tabellen-Mittelfeld

Clemens Niehaus | am 15.12.2012 | 592 mal gelesen

DÜSSELDORF (st/bo). 96 ist in der Fremde zu harmlos: Die Mannschaft von Mirko Slomka verlor mit 1:2 bei Fortuna Düsseldorf und damit das fünfte der vergangenen sechs Auswärtsspiele. Das lag vor allem daran, dass Hannover vor dem gegnerischen Tor viel zu harmlos blieb und sich in der ersten Hälfte zu ideenlos präsentierte. Ganz anders Düsseldorf. Das spielte nicht nur leidenschaftlich, sondern auch effektiv. Durch die Mitte...

1 Bild

Die Roten mit ganz viel Glück und alter Effektivität

Wochenblätter Redaktion | am 29.04.2013 | 106 mal gelesen

HANNOVER (dik). Nach zwei Niederlagen endlich wieder ein Dreier für die Roten: Hannover 96 siegte am Freitagabend mit 3:2 bei der Spielvereinigung Greuther Fürth vor 15.370 Zuschauern. „Wir konnten heute das unter Beweis stellen, was uns noch vor einigen Wochen ausmachte, nämlich unsere Effektivität vor dem Tor“, sagt Trainer Mirko Slomka auf der Homepage seines Klubs. Diese eiskalte Chancenverwertung, viel mehr...