Selten war die Ausgangslage vor dem letzten Bundesligaspiel so eindeutig. Mit einem Sieg hätten sich die Roten erneut für die Europa League qualifiziert, ohne auf Schützenhilfe angewiesen zu sein. Ball bei Fuß stand hinter 96 die Konkurrenz aus Wolfsburg, Bremen sowie Nürnberg bereit und wartete auf einen Ausrutscher.
Das Spiel begann mit einem Kopfball von Lars Stindl (3.) verheißungsvoll, doch nur vier Minuten später folgte die eiskalte Dusche. Lauterns Pierre De Wit zog aus 22 Metern ab und erzielte die Führung für den Absteiger. Die Roten ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Sie starteten, lautstark unterstützt von ihren Anhängern, einen furiosen Sturmlauf, mussten dabei jedoch aufpassen, nicht noch einmal von einem Konter der Gäste kalt erwischt zu werden.
Solch eine Fülle von Tormöglichkeiten, wie sie sich die Elf von Trainer Mirko Slomka in der Folge erarbeitete, hat man so selten gesehen. Hier nur einige Beispiele: Didier Ya Konan (12.) traf das Außennetz, Jan Schlaudraff (17.) den Pfosten. Gäste-Keeper Tobias Sippel klärte gegen Mario Eggimann und Mohammed Abdellaoue (beide 23.). Einen Schuss von Stindl (27.) schlug Lauterns Florian Dick von der Torlinie.
Rechtzeitig vor der Pause fiel der Ausgleich durch ein Eigentor von Alexander Bugera (38.). Der bis dahin kaum geprüfte 96-Torhüter Ron-Robert Zieler (45.) rettete dieses Ergebnis stark gegen den Schuss von Konstantinos Fortounis in die Pause. Wolfsburg führte da mit 1:0 bei Stuttgart und hatte sich an 96 vorbeigeschoben.
96 blieb nach dem Wiederanpfiff druckvoll, versuchte aber, keine Lücken für Konter zu lassen. Schade, dass Mathias Abel (53.) eine Reingabe vom 96er Konstantin Rausch vor Abdellaoue zur Ecke abwehren konnte. Chancen blieben jedoch trotz allen Bemühens zunächst aus, ein Stindl-Schuss (64.) wurde zur Ecke abgewehrt. Vergab Andrew Wooten (70.) die Großchance zur erneuten Lauterer Führung, ertönte eine Minute später Riesenjubel. Nach einem Freistoß von Stindl erzielte Ya Konan die hochverdiente 96-Führung. Die Roten holten sich mit diesem Tor Platz sieben zurück.
Es blieb spannend, denn die Pfälzer wollten den Ausgleich. Der VfB führte derweil mit 3:2 gegen die Wölfe. Artur Sobiech (85.) traf den FCK-Pfosten, doch die letzten Minuten gehörten Altin Lala, dem bei seinem letzten Spiel für 96 ein Riesenabschied bereitet wurde.
Die Roten: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Schulz - Schlaudraff (76. Schmiedebach), Stindl, Pinto, Rausch (84. Lala) - Ya Konan, Abdellaoue (68. Sobiech)
Das sagen die Trainer zum Spiel:
Mirko Slomka, Hannover 96: Nach dem Siegtor begann die Feierlaune
Also ein Zitterspiel war es so eigentlich nicht, da wir in der ersten Halbzeit schon unglaublich viele Torchancen hatten. Die Mannschaft hat auch nicht die Geduld verloren und weiterhin versucht mit Querpässen vor das Lauterer Tor zu kommen und torgefährlich zu sein. Es ist schon außergewöhnlich, dass wir wieder im europäischen Wettbewerb vertreten sind. Mit dem Siegtor begann dann bei allen die Feierlaune.
Krassimir Balakow, 1. FC Kaiserslautern: Hier Europa League, bei uns Abstieg
Wir haben heute gut mitgehalten und auch gut gespielt. Allerdings wissen wir, dass wir viel Arbeit vor uns haben, sonst wären wir nicht abgestiegen. Jedes Spiel sieht man was, was negativ und auch positiv ist, und jetzt zum Ende der Saison müssen wir alles in Ruhe analysieren. Ich wollte einigen Spielern eine Chance geben und habe viel ausprobiert. Es ist aber ein anderes Kaliber - hier Europa League, bei uns Abstieg!
Nachspielzeit
Europa, 96 kommt wieder!
von Dieter Kösel
96 befand sich in der Pole-Position im Kampf um Platz sieben, brauchte „nur“ zu gewinnen und keine Hilfe von anderen. Dazu kam mit Absteiger Lautern das Schlusslicht. Es war ein Spiel wie gemalt, um es zu „vergeigen“. Doch nicht zum ersten Mal bewies die Elf von Trainer Mirko Slomka Nervenstärke. Sie war im entscheidenden Augenblick da und qualifizierte sich erneut für die Europa League. Das ist angesichts der finanzstarken Konkurrenz wie dem VfL Wolfsburg ein unglaublicher Erfolg, zumal er zum zweiten Mal in Folge gelang. Beim Rückblick auf diese Saison, denken wir nur an die Siege gegen Bayern und Dortmund oder das „Heimspiel“ beim FC Kopenhagen“, steigt die Vorfreude auf die kommende Spielzeit empor. Einer hat sich verabschiedet, der über 14 Jahre seinen Anteil an diesen Erfolgen hatte. Altin Lala sei bei Bayern München II viel Glück gewünscht! So bleibt als einziger Schatten, dass mit Jörg Schmadtke der Architekt dieses Teams geht. Auch ihm alles Gute – und vielleicht gibt es ja eine Rückkehr!
Die Roten in „Europa“-Form
Ron-Robert Zieler - 2
Wurde in der siebten Minute eiskalt erwischt und war beim 0:1 ohne Chance. Glanztat kurz vor dem Pausentee gegen Lauterns Fortounis (45.). Der Nationalkeeper wirkte stets sehr präsent, vor allem in der Strafraumbeherrschung.
Steven Cherundolo - 2
Begann sehr agil und mit Druck nach vorne. Der Kapitän ließ sich auch nach dem Rückstand nicht aus der Ruhe bringen und trieb sein Team über die rechte Seite immer wieder nach vorne.
Mario Eggimann - 2
Der Schweizer wirkte in den ersten Minuten etwas stocksteif – nach dem Rückstand aber hellwach und so gut wie immer Herr der Lage. Große Kopfballchance nach Eckball, den Sippel parierte (23.).
Emanuel Pogatetz - 2
Dem Ösi war anzumerken, dass ihm das frühe Gegentor gar nicht schmeckte. Sein Kessel dampfte fortan in jedem Zweikampf. Schenkte keinen Ball her und stand im Abwehrzentrum wie eine Mauer.
Christian Schulz - 2
Anfänglich mit Abstimmungsproblemen mit Vordermann Rausch auf der linken Seite, auf der auch das 0:1 entstand. Kämpfte sich aber mit Elan und der nötigen Robustheit immer besser ins Spiel.
Sergio Pinto - 2
Der Dreh- und Angelpunkt des 96-Spiels forderte fast jeden Ball und kurbelte Angriff für Angriff Richtung Lauterer Gehäuse an. Der ein oder andere Ballverlust sei ihm dabei verziehen.
Konstantin Rausch - 2
Zurück in der Startelf nach Gelbsperre im Leverkusenspiel zeigte der Linksfuß viel Dynamik und richtig gute Flanken und Standards. Wenn er bei ruhenden Bällen anlief, war Musik im Spiel.
Lars Stindl - 2
Fast wieder in der Form vor seiner Verletzung: unermüdlich in seinen Aktionen. Machte über Rechts viel Alarm und bereitete per Freistoß den Siegtreffer vor.
Jan Schlaudraff - 2
Es dauerte eine Weile, bis sein Motor auf Betriebstemperatur kam. Gab dann aber in vielen Offensivaktionen gehörig Gas; da sei ihm die ein oder andere schöpferische Pause auch gegönnt.
Mohammed Abdellaoue - 2
Rutschte und flog in jeden Ball im Lauterer Strafraum hinein, einzig und allein fehlten immer ein paar Zentimeter. Ansteigende Form.
Didier Ya Konan - 1
Der Ivorer erzwang förmlich den längst überfälligen Ausgleichstreffer zum 1:1 (38.). Mit Köpfchen dann sein zweiter Streich zum 2:1 – klasse!
Artur Sobiech - 2
Kam für Abdellaoue (68.) und hätte beinahe per Kopf getroffen (85.).
Manuel Schmiedebach - 2
Sollte 14 Minuten den Sieg mit festhalten – das gelang.
Altin Lala - 1 mit *
Kam für Rausch (84.) und alle sangen seinen Namen – Danke, danke, danke!
ck/sj









