Freiburg bleibt ein gutes Pflaster – 96 holt einen Punkt
Manuel Schmiedebach verletzt sich am Knöchel
Freiburg (ds/bo). Am 6. März 2010 hatte Mirko Slomka nach sechs Niederlagen in Folge mit dem 2:1-Erfolg beim SC Freiburg das erste Erfolgserlebnis seiner Amtszeit gefeiert und damit den Grundstein für den kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt gelegt. In der vergangenen Saison buchten die Roten im Breisgau (3:1) das Ticket für die Europa League. Gestern reichte es vor 20.000 Zuschauern im badenova-Stadion zumindest für den fünften Auswärtspunkt dieser Saison.
Der erste Ball aufs 96-Gehäuse kam von Cedrick Makiadi, dessen verunglückte Flanke auf dem Tornetz landete (3.). Die Gastgeber suchten in der Anfangsphase ihren pfeilschnellen Angreifer Papiss Cissé, der gleich doppelt ins Abseits lief. 96 kam durch aggressives Pressing zu Ballgewinnen auf Höhe der Mittelinie. Eine schöne Kombination über das Trio Jan Schlaudraff, Christian Pander und Mohammed Abdellaoue setzte der Norweger noch über das Tor (15.).
Nach einem unnötigen Ballverlust des unsicheren Christian Schulz war Manuel Schmiedebach gezwungen, den Freiburger Konter zu unterbinden. Dabei verletzte sich der 23-Jährige folgenschwer am Knöchel. Für ihn kam Konstantin Rausch in die Partie. Den anschließenden Freistoß von Julian Schuster brachte Heiko Butscher aus spitzem Winkel aufs Tor – doch Ron-Robert Zieler reagierte glänzend. Die Platzherren kamen nun zunehmend über die oft verwaiste rechte Abwehrseite der Hannoveraner mit Zug zum Tor. Der aufmerksame Emanuel Pogatetz blockte in höchster Not gegen Cissé (39.).
Die Gäste erhöhten ihrerseits den Druck über die linke Seite. Schlaudraff ließ seinen Gegenspieler Pavel Krmas an der Strafraumgrenze alt aussehen und zirkelte die Kugel an den rechten Pfosten, im Nachschuss scheiterte Rausch (43.). Ein Eigentor sorgte für die verdiente 96-Führung: Abdellaoue drang energisch in den Strafraum und passte auf den lauernden Didier Ya Konan. Ehe die Kugel den Ivorer erreichten konnte, lenkte Felix Bastians den Ball ins eigene Netz (44.).
Im zweiten Durchgang setzte Rausch die erste Duftmarke. Seinen 22-Meter-Schuss klärte SC-Schlussmann Oliver Baumann zur Ecke (48.). Der agile Schlaudraff wich öfter auf die rechte Seite aus, fand in der Mitte jedoch keine Abnehmer. Die Freiburger drängten in der Folge auf den Ausgleich. Anton Putsila prüfte Zieler mit einem Distanzschuss (61.), Krmas köpfte neben das Tor (63.). Wenig später fiel der überfällige Ausgleich: Torjäger Cissé konnte eine Schuster-Flanke ungehindert einköpfen (67.). Der Senegalese hatte auch den Siegtreffer auf dem Kopf – doch Zieler rettete das Remis mit einem sensationellen Reflex (83.).
Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz – Pinto – Schmiedebach (29. Rausch), Schlaudraff, Pander (84. Stoppelkamp) –
Ya Konan, Abdellaoue
So waren die
Roten in Form
Ron-Robert Zieler2
Lange Zeit wurde er nicht geprüft, war aber immer zur Stelle, wenn er gefordert war. Einen Schuss von Putsila lenkte er glänzend zur Ecke (66.). Mit seiner Faustabwehr gegen einen Cissé-Kopfball rettete er das Remis (83.).
Steven Cherundolo4,5
Der Mannschaftskapitän sah in vielen Szenen nicht souverän aus. Oft stimmte das Stellungsspiel nicht. Beim Gegentor befand er sich offenbar im Tiefschlaf und ließ Cissé unbedrängt einköpfen.
Karim Haggui 3
Anfänglich unsicher, als er einen Ball leichtfertig vertändelte und Freibug damit eine Torchance ermöglichte (17.). Schien durch diese Aktion aber aufgerüttelt und war anschließend präsenter. Mit einer glänzenden Grätsche gegen Putsila verhinderte er ein Gegentor (56.).
Emanuel Pogatetz 2
An ihm gab es so gut wie kein Vorbeikommen. War enorm präsent bei Kopfbällen. Cissés Schuss blockte er mit vorbildlichem Einsatz ab (39.).
Christian Schulz 4
Der Linksverteidiger sehnt vermutlich die Winterpause herbei, um wieder Kraft zu tanken. Er war ein erheblicher Unsicherheitsfaktor in Halbzeit eins, erlaubte sich unnötige Ballverluste. Souveräner nach dem Seitenwechsel.
Sergio Pinto 3
Als alleiniger Sechser überzeugte er mit gutem Stellungsspiel und verteilte die Bälle im Mittelfeld gut.
Manuel Schmiedebach–
Er konnte sich auf der rechten Seite (für den verletzten Lars Stindl) nicht auszeichnen, bis er mit einer Knöchelverletzung nach 29 Minuten durch Rausch ersetzt wurde.
Jan Schlaudraff3
Ein sehr fleißiger Arbeiter im Mittelfeld mit großem Aktionsradius. Er versuchte immer wieder das Spiel anzukurbeln und hatte Pech beim Pfostenschuss (43.)
Christian Pander3
Zeigte in Ansätzen ein gutes Kombinationsspiel, blieb aber sonst eher unauffällig. Viele Standards gab es für ihn nicht.
Didier Ya Konan 3,5
Das Bemühen kann man dem Ivorer nicht absprechen, doch es mangelt ihm offenbar an Selbstvertrauen. Sein Spiel ist oft nicht präzise genug.
Mohammed Abdellaoue2,5
Er arbeitete viel, versuchte die Freiburger Abwehr im Spielaufbau früh zu attackieren. Nach der Pause blieb er blass, da er nicht mehr in Szene gesetzt wurde.
Konstantin Rausch3
Musste als Linksfuß auf der ungewohnten rechten Seite spielen. Flanken waren Mangelware, hatte zwei gute Torchancen (43., 48.).
Moritz Stoppelkamp–
Kam in Minute 84 für Pander. bo/ds
Das sagen die Trainer zum Spiel …
„Schön, einen Punkt mitzunehmen“
Mirko Slomka, Hannover 96
Wir haben von uns eine spielerisch sehr gute erste Halbzeit gesehen. Wir hatten die Möglichkeit, noch einen Treffer mehr zu erzielen. Der bittere Ausfall von Schmiedebach hat unseren Rhythmus etwas gestört. Freiburg gab uns in der zweiten Hälfte nicht mehr viel Raum. Sie sind uns mit viel Wucht und Leidenschaft begegnet. Der Ausgleich war absolut verdient. Es ist schön, nach drei Niederlagen auswärts wieder einen Punkt mitzunehmen.
„Für beide Teams war mehr drin“
Marcus Sorg, SC Freiburg
Hannover 96 hat in der ersten Hälfte spielerisch gut agiert. Wir wollten nach vorne spielen, aber das ist uns nicht gelungen. Wir haben es mit vielen langen Bällen versucht, die 96 problemlos im Zentrum klären konnte. In der zweiten Halbzeit haben wir mit viel Leidenschaft und Engagement zielstrebig nach vorne gespielt und sind verdient zum Ausgleich gekommen. Für beide Mannschaften war mehr drin.
Nachspielzeit
Jetzt Kräfte sammeln & genießen
von Dieter Kösel
Das 1:1 der Roten bei Freiburg muss man vor dem Hintergrund ihrer Dauerbelastung als einen Erfolg werten. Das obere Tabellendrittel bleibt in Reichweite, und jetzt wird es erst einmal gut tun, dass keine englische Woche bevorsteht. Die Spieler können geistig und körperlich neue Kräfte sammeln, um dann die letzten drei Spiele vor der Winterpause noch einmal voller Energie angehen zu können. Zusätzliche Kräfte sollte verleihen, dass sie trotz der 0:2-Niederlage bei Lüttich die Gruppenphase der Europa League erfolgreich überstanden und sich vorzeitig für die K.O.-Runde qualifiziert haben. Wenn man bedenkt, dass etwa ein englischer Top-Klub wie die Tottenham Hotspurs trotz der ganz anderen finanziellen Möglichkeiten vor dem Aus steht, dann weiß man erst richtig, welchen Stellenwert dieses Weiterkommen hat. Da warten im neuen Jahr weitere Fußballfeste auf uns, doch zuvor wollen wir noch die Partien gegen Leverkusen, Poltava und Kaiserslautern genießen!


