Fünf Rückschläge sind zu viel – 96 verliert das Derby in Wolfsburg
Wolfsburg (ch/hh). Rückschläge am laufenden Band – Hannover 96 hat das Niedersachsenderby der Fußball-Bundesliga beim VfL Wolfsburg mit 1:4 (1:2) verloren. Zudem muss die Elf von Trainer Mirko Slomka eventuell auf Didier Ya Konan verzichten, der in der 53. Minute eine umstrittene rote Karte gesehen hatte.
Mit der Stimmung auf den Rängen – rund 6000 Hannovveraner unterstützten ihre Mannschaft – konnten die Roten in der Anfangsphase nicht immer Schritt halten. Die Wölfe wirkten engagierter, hatten mehr vom Spiel, während sich 96 durch einige Fehler im Spielaufbau das Leben selbst schwer machte. Auch die erste Chance der Partie hatten die Wölfe. Eine Flanke von Marcel Schäfer geht durch Freund und Feind im 96-Strafraum, am langen Pfosten zieht Mario Mandzukic ab, findet aber in Ron-Robert Zieler seinen Meister (14.)
Anschließend fanden die Roten so langsam ins Spiel. Bei einem Pass von Jan Schlaudraff soll Mohammed Abdellaoue, der alleine durch gewesen wäre, im Abseits gestanden haben (20.). Nur zwei Minuten später folgte dann der erste Rückschlag für die Hannoveraner. Einen Pass von Christian Träsch lässt Makoto Hasebe durch, der freistehende Hasan Salihamidzic zieht aus zwölf Metern ab, Zieler ist zwar noch dran, kann das Gegentor aber nicht verhindern.
Die Gäste brauchten jedoch nicht lange um das 0:1 zu verdauen, wurden nur eine Minute später aber erneut vom Schiedsrichtergespann benachteiligt. So blieb der fällige Elfmeterpfiff von Deniz Aytekin nach einem Schuss im Strafraum von Schlaudfraff an den Oberarm von Alexander Madlung aus (23.). Mit dem Rückstand im Rücken gestaltete 96 die Partie nun ausgeglichen. Einen Freistoß-Aufsetzer von Christian Pander klärte VfL-Keeper Diego Benaglio gerade noch so zur Ecke (30.).
In der 36. Minute folgte der nächste Rückschlag: Nach einer Ecke von Ashkan Dejagah verschätzte sich Zieler, Hasebe köpfte am langen Pfosten zurück in die Mitte, Salihamidzic brauchte aus drei Metern nur noch einzunicken. Wieder benötigte 96 aber nicht lange, um sich zurück in die Partie zu kämpfen. Nachdem Abdellaoue noch an Benaglio gescheitert war (42.), gelang Christian Schulz nach einer Pander-Ecke per Kopf das 1:2 (43.).
Nach der Pause sollte Konstantin Rausch für mehr Druck auf der linken Außenbahn sorgen – die Partie war aber praktisch schon 13 Minuten nach Wiederanpfiff entschieden. Nach einer Dejagah-Flanke köpfte der völlig frei stehende Hasebe zum 3:1 ein (50.). Nur drei Minuten später wollte Ya Konan den Ball zu einer Ecke nach außen werfen, traf dabei aber dem angeschlagen am Boden liegenden Hasebe am Kopf – Aytekin zog Rot. Als Alexander Madlung mit einem Freistoß aus 13 Metern das 4:1 erzielte (74.) ging es eigentlich nur noch um die Höhe der Auswärtsniederlage – fünf Rückschläge waren zu viel für die Roten.
Hannover 96: Zieler - Schulz, Haggui, Pogatetz, Chahed - Pander (46. Rausch), Stindl, Schmiedebach, Ya Konan, Schlaudraff (80. Stoppelkamp) - Abdellaoue
Mirko Slomka, Hannover 96: Rote Karte war eine Fehlentscheidung
Trotz Handballtrainings traue ich Didi so einen Wurf nicht zu, die rote Karte war eine Fehlentscheidung und ich rechne damit, dass er freigesprochen wird. Wolfsburgs Sieg ist verdient, der VfL uns den Schneid abgekauft. Wir hatten wenig Zugriff auf das Spiel und die wichtigen Zweikämpfe verloren. Babak Rafati ist in unserer Mannschaft bekannt und geschätzt. Die Nachricht habe ich vor dem Spiel nicht an die Mannschaft weitergegeben.
Felix Magath, VfL Wolfsburg: Das war unser bestes Saisonspiel
Das war die beste Leistung, die wir in dieser Saison gezeigt haben. Ich muss dem Bundestrainer danken, dass er mir den Tipp gegeben hat, Christian Träsch auf der rechten Verteidigerposition einzusetzen. Wir haben so kompakt gestanden, wie noch nie und haben jetzt unsere Formation gefunden und wollen in der Tabelle jetzt nach oben klettern. Die Spieler wussten vor der Partie nichts von dem Selbstmordversuch von Babak Rafati.
Nachspielzeit
Gegen den HSV dann wieder Aida
von Dieter Kösel
Der Spiegel berichtete über die Columbia University Marching Band. Normal ist es deren Aufgabe, das eigene Football-Team musikalisch zu unterstützen. Nach der neunten Niederlage in Folge geschah dies jedoch eher derbe schimpfend nach Noten. Nicht zum ersten Mal, in der Militärakademie West Point hat sie seit 1972 Stadionverbot. Was würde die Band anlässlich des 1:4 bei Wolfsburg spielen, nachdem zuvor lange vermutlich der Triumphmarsch aus Aida bei 96 gegeben wurde? Denkbar wäre „Verdammt lang her“ in Anlehnung an BAP. Seit dem 15.9.06 gelang beim VfL kein Punktgewinn mehr. Oder „Rebel without a Pause“ (Rebell ohne Pause) von Public Enemy. Diese Saison setzte es zum dritten Mal auswärts eine Niederlage nach einer Länderspielpause. Anscheinend kann 96 als Rebell die Liga gegen etablierte Spitzenklubs nur aufmischen, wenn es nicht aus dem Rhythmus kommt. Gegen den HSV sollte es wieder Aida sein, denn dieses Jahr „droht“ kein Länderspiel mehr …
So waren die Roten in Form
Ron-Robert Zieler - 5
Das 0:1 sah nicht unhaltbar aus, beim 0:2 agierte der frischgebackene Nationalspieler viel zu zögerlich. Beim 3:1 klebte er auf der Linie, beim 4:1 war er chancenlos. Keine gute Bilanz.
Sofian Chahed - 5
Sein Gegenspieler Ashkan Dejagah machte ein gutes Spiel, Chahed nicht. Beim 3:1 war er nicht im Bilde, seine Attacke in der 77. Minute brachte ihm Gelb ein, den anschließenden Freistoß versenkte Madlung zum 4:1-Endstand.
Karim Haggui - 5
Mit Mario Mandzukic hatte er seine liebe Mühe. Der kroatische Nationalspieler ließ ihn in einigen Situationen alt aussehen. Einige Male klärte er gut, allerdings hat man ihn im roten Trikot schon besser spielen sehen.
Emanuel Pogatetz - 4
Der bessere der beiden Innenverteidiger. Er räumte gnadenlos ab und gewann fast alle Kopfballduelle. Wo er allerdings beim 1:3 war, bleibt sein Geheimnis.
Christian Schulz - 4
Bis zu seinem Kopfballtor war er völlig unauffällig. Beim 2:0 der Wolfsburger steht er falsch und muss Koo energischer angreifen. In der zweiten Halbzeit wurde er oft von seinen Mitspielern übersehen, da stand er oft ganz allein auf der linken Außenbahn und wartete vergeblich auf den Ball.
Manuel Schmiedebach - 4
Großes Laufpensum, viel unterwegs, aber auch mit viel Leerlauf. Ihm schwanden in der zweiten Halbzeit immer mehr die Kräfte.
Lars Stindl - 5
Wenig zu sehen, holte sich seine fünfte gelbe Karte ab und muss gegen Hamburg zuschauen. Im rechten Mittelfeld ist er besser aufgehoben als auf der Sechser-Position.
Christian Pander - 4
War an allen gefährlichen Situationen der Roten maßgeblich beteiligt. Seine Freistöße und Ecken sind klasse, in der Defensive hat er noch Luft nach oben.
Didier Ya Konan - 5
Unauffällig, hatte nur wenige Ballkontakte. Nach seiner umstrittenen roten Karte war das Spiel für Hannover endgültig verloren.
Jan Schlaudraff - 4
Er war um Ordnung bemüht, schaffte es aber nicht, das Spiel zu lenken. Nahm sich viele Pausen.
Mohammed Abdellaoue - 2,5
Bester Roter. Erspielte sich trotz scharfer Bewachung viele Chancen.
Konstantin Rausch - 3
Kam für Pander, 45 Minuten im Spiel und ein Gewinn für die Mannschaft.
Moritz Stoppelkamp –
Kam für Schlaudraff, zehn unauffällige Minuten stehen zu Buche. ch/hh


