Hansdampf Reus überrumpelt die Roten zweifach
96 verliert in Gladbach mit 1:2 – Nur Pogatetz trifft
M‘GLADBACH (tol/ch). Gegen keinen anderen Erstligisten ist die Heimbilanz von Borussia Mönchengladbach besser als gegen Hannover 96: 21 Siege in 15 Partien. Gestern stand das 16. Duell auf Borussias Terrain an – die Begegnung der beiden einzigen bisherigen Bayern-Besieger endete erneut zu Gunsten der Gastgeber. Sie setzten sich mit 2:1 (1:1) durch.
Vor 51.036 Zuschauern brauchte 96 lange, um gegen konzentrierter wirkende Gladbacher ins Spiel zu finden. Erst in der 17. Minute tauchten die Roten erstmals annähernd gefährlich im Strafraum der Gäste auf: Mohammed Abdellaoue holte eine Ecke heraus, die aber nichts einbrachte. Bis dahin war auf der anderen Seite einiges passiert. Patrick Herrmann hatte in der fünften Minute einen Warnschuss abgegeben, Juan Arango elf Minuten später den 96-Schlussmann Ron-Robert Zieler mit einem Freistoß zu einer Parade gezwungen. Dieser Standardsituation war ein regelwidriges Vorgehen Manuel Schmiedebachs vorausgegangen: Er hielt Herrmann fest, sah dafür die gelbe Karte – bereits seine fünfte in dieser Saison.
Schmiedebach muss nun eine Zwangspause einlegen. Eine solche haben die gelbgesperrten Steven Cherundolo und Sergio Pinto gestern abgesessen. Rechtsverteidiger Cherundolo wurde von Sofian Chahed vertreten, Altmeister Altin Lala nahm Pintos Position vor der Abwehr ein. Weitere Umstellung in der Startelf: Kapitän Christian Schulz agierte statt Konstantin Rausch.
In der 21. Minute belohnten sich die Gladbacher für ihre Bemühungen mit dem 1:0. Der ehemalige 96er Mike Hanke leitete einen Ball an dem immerzu agilen und von Bayern München umworbenen Marco Reus weiter, der Pogatetz mit einem simplen Haken alt aussehen ließ und den Ball im kurzen Eck versenkte. Überraschend gelang den Gästen aber nur wenig später der Ausgleich. Torschütze: Pogatetz. Bei einem Freistoß hatte er sich nach vorne gestohlen und Christian Panders Hereingabe kaltschnäuzig eingeköpft (26.).
Mit 1:1 ging es in die Pause, weil Zieler (38.) und Pogatetz (44.) noch zwei Reus-Schüsse abblockten. Kurz nach dem Seitenwechsel (50.) musste Zieler jedoch einen abermaligen Versuch von Gladbachs Hansdampf namens Reus passieren lassen, nachdem der Wirbelwind den 96-Abwehrblock um Karim Haggui vernascht hatte. Ein Abseitstor von Schmiedebach (56.) leitete eine Drangphase der Roten ein, die Begegnung gestaltete sich nun weitaus offener. Die Roten waren fortan ständiger Gast in der Hälfte der auf Konter abfahrenden Platzherren. Der eingewechselte Didier Ya Konan hatte eine ebenso gute Möglichkeit (66.) wie Abdellaoue (69.), Schmiedebach (80.) und Haggui (81.). Aber sämtliche Chancen versandeten.
Hannover 96: Zieler – Schulz (87. Eggimann), Pogatetz, Haggui, Chahed – Lala (56. Ya Konan), Schmiedebach – Pander (69. Rausch), Stindl, Schlaudraff – Abdellaoue
Das sagen die Trainer zum Spiel…
Marco Reus ist ein toller Spieler
Mirko Slomka, Hannover 96
Aus unserer Sicht war es eine deutliche Steigerung gegenüber den letzten Auswärtsspielen. In der zweiten Halbzeit waren wir sehr präsent, hatten viele Vorteile. In der ersten Hälfte war es ein taktisches Abtasten beider Mannschaften. Die Gladbacher waren sehr stark, Marco Reus ist ein toller Spieler. Man kann ihn nicht ständig im Griff haben. In der zweiten Halbzeit haben wir alles versucht, das Spiel noch in unsere Richtung zu drehen.
Die Partie verlief sehr eng für uns
Lucien Favre, Borussia Mönchengladbach
Mirko hat ganz recht. Hannover war sehr gut. Vor allem in der zweiten Halbzeit habe ich festgestellt, dass es sehr hart für uns war, das Spiel zu beherrschen. Die Partie verlief sehr eng für uns. In der ersten Halbzeit hatten wir viel Ballbesitz. In der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr so gut gespielt, haben vielleicht zu überhastet agiert. Es war sehr wichtig für uns, wieder einen Sieg zu erreichen.
So waren die
Roten in Form
Ron-Robert Zieler 3
Bei den Gegentoren machtlos, ansonsten viermal klasse auf dem Posten.
Sofian Chahed 4
Solide auf der rechten Abwehrseite. In der Offensive traute er sich aber noch zu wenig zu. An seinen Hereingaben muss er arbeiten.
Karim Haggui 5
Reus machte ihm und der kompletten 96-Abwehr das Leben schwer. Beim 0:1 (21.) konnte er den Pass von Hanke auf Reus nicht verhindern. Bei Reus‘ zweitem Treffer war er sein Gegenspieler und machte abermals keine glückliche Figur.
Emanuel Pogatetz 4,5
Der bessere von zwei schwachen Innenverteidigern. In der 28. Minute mit dem Kopf zum 1:1 zur Stelle.
Christian Schulz 4
Seine linke Seite machte er dicht. Drehte erst nach dem 1:2 so richtig auf. Von ihm kann mehr kommen.
Altin Lala 4
In seinem ersten Bundesliga-Einsatz von Beginn an in dieser Saison wirkte er zu Beginn sehr nervös, biss sich dann aber in die Partie. Vor allem im Spielaufbau offenbarte er Schwächen.
Manuel Schmiedebach 4
Nahm sich in der ersten Halbzeit viele Auszeiten, nach dem 1:2-Rückstand taute er auf und stemmte sich mit Macht gegen die Niederlage – ohne Erfolg.
Lars Stindl 3,5
Rückte nach Lalas Auswechslung ins defensive zentrale Mittelfeld. War wie zuvor auf seiner rechten Seite viel unterwegs, mit guten Aktionen vorne wie hinten.
Christian Pander 3
Initiierte viele gefährliche Aktionen auf seiner linken Seite. Hatte die 96-Führung nach starker Schlaudraff-Flanke auf dem Fuß. Seine Auswechslung kam überraschend, nachdem er auch den zwischenzeitlichen Ausgleich mit einem klasse Freistoß vorbereitet hatte.
Jan Schlaudraff 3
Erneut ein Aktivposten mit vielen Ballkontakten und Gedankenschnelligkeit. Er war fast überall auf dem Platz zu finden, konnte die Niederlage letztlich aber auch nicht verhindern.
Mohammed Abdellaoue 4
In der Offensive überwiegend auf sich alleine gestellt. War viel unterwegs, gewann kaum Kopfballduelle, hielt aber auch viele Bälle.
Didier Ya Kona 4,5
In der 56. Minute für Lala eingewechselt, rückte er auf die rechte Außenbahn. Mit Schwächen in der Defensive und mit harmlosen Abschlüssen in der Offensive. Er wollte einfach oft zu viel.
Konstantin Rausch –
Kam in der 69. Minute für Pander. Nach Schlaudraff-Freistoß verpasste er den Ball knapp – eine gute Chance zum 2:2.
Mario Eggimann –
Ersetzte Schulz in der 87. Minute, blieb aber ohne nennenswerte Aktion.ch/tol
Nachspielzeit
Donnerstag winkt eine Sparzulage
von Dieter Kösel
Am Freitag war Weltspartag. Dies war mal ein wichtiger Termin, vor allem für die Jungen, denen diese Tugend gar nicht früh genug vermittelt werden konnte. Spare in der Zeit, so hast Du in der Not. Man braucht nicht an die Euro-Krise zu denken, um zu wissen, das hat nicht mehr die frühere Bedeutung. Wie steht es nun ums 96-Sparschwein? Trainer Mirko Slomka hat als Ideal vorgegeben, aus jedem Spiel im Schnitt zwei Zähler ins Töpfchen zu tun. 18 Punkte sind es aus elf Spielen. Berücksichtigt man, dass die Schiedsrichter gegen Hertha und Köln eine bessere Ausbeute verhinderten, dann liegt 96 nur knapp daneben. Beim 1:2 gegen Gladbach war es der überragende Marco Reus mit zwei Toren, der eine Annäherung ans rote Sparziel verhinderte. Doch Slomkas Schützlinge sind Stehaufmännchen und die Saison ist noch lang. Am Donnerstag können sie sich in der Europa League mit einem Erfolg beim FC Kopenhagen eine zusätzliche Sparzulage holen. Not ist jedenfalls weit und breit nicht in Sicht!


