Ich bin kein Stadtmensch
Im Gespräch mit Jan Schlaudraff
Alemannia Aachen
Bei der Alemannia hatte ich zweieinhalb lehrreiche Jahre. Wir hatten einen super Teamgeist und die Höhepunkte mit dem souveränen Aufstieg in die Bundesliga, den Pokalabenden wie dem Sieg gegen die Bayern und für mich persönlich mit dem Tor gegen Werder. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit.
Bayern München
Das Jahr bei den Bayern möchte ich nicht missen. Natürlich ist es unglücklich, wenn man das erste halbe Jahr gleich wegen einer Bandscheibenoperation ausfällt. Ich war danach aber fast immer im Kader, kam zu Einsatzzeiten und habe wertvolle Erfahrungen sammeln können. Es war für mich eine sportlich vielleicht nicht optimale, aber insgesamt sehr lehrreiche Zeit.
Bor. Mönchengladbach
Ich bin in Gladbach nach wenigen Monaten Profi geworden. Hans Meyer hatte mich aus der U23 in die Bundesligamannschaft hochgezogen, aber nach elf Monaten Viruserkrankung war es schwierig. Ich habe mich davon erholt, aber nach dem Wechsel zu Trainer Dick Advocaat, er holte viele neue Spieler im Winter, war die Perspektive zu spielen, leider nicht gegeben. Ich wechselte schließlich zu Alemannia Aachen.
Die Roten
Ich bin jetzt das vierte Jahr hier. Man glaubt es kaum, das sah manchmal nicht so aus. In den vergangenen anderthalb Jahren läuft es sehr rund. Ich bin gesund, konnte meine Leistung stabilisieren und bin froh, ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft zu sein. Wir haben eine super Truppe und ein Umfeld, in dem ich sehr gut zurechtkomme, von daher erlebe ich eine schöne Zeit. Ich denke, dass ich auf Grund meiner Art und wie ich mich auch außerhalb des Platzes gebe, von Anfang an akzeptiert wurde. Das hat dazu beigetragen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Sonst hätte ich die schwierige Zeit, als ich nicht spielte, nicht so wegstecken können. Jetzt bin ich voll drin und darüber sehr glücklich.
Erstligadebüt
Das habe ich am 19. Februar 2003 für Gladbach gegen Wolfsburg bestritten. Es war noch am alten Bökelberg, und wir führten mit 2:0. Fünf Minuten vor dem Abpfiff rief mich Hans Meyer und ich konnte gar nicht glauben, dass ich jetzt hereindarf. Ich war total aufgeregt und euphorisch. Daran werde ich mich immer zurückerinnern.
FC Kopenhagen
Sollten wir morgen bei Kopenhagen gewinnen, dann ist das eine Vorentscheidung in unserer Gruppe der Europa League. Holen wir einen Punkt, ist noch alles offen, selbst bei einer Niederlage wäre nicht alles verloren. Wir haben im Hinspiel gezeigt, dass wir mit dem FC absolut mithalten und das Spiel bestimmen können. Aber wir haben auch gesehen, wenn wir etwas nachlässig werden und uns zu weit hinten reindrängen lassen, dass die Dänen eine gute Mannschaft haben. Wir müssen voll konzentriert sein, um dort zu punkten.
Ferrari F 403 Scuderia
Mein Ferrari ist für mich kein Statussymbol. Ich war schon immer ein Autofan und habe mir lange Gedanken gemacht, ob und wann ich mir so etwas gönne. Jetzt war es die richtige Zeit, und es ist für mich ein absoluter Traum.
Hassia Bingen
Hassia war für die gute Jugendarbeit bekannt. Wir traten in der höchsten Jugendklasse, das war damals die Regionalliga, an und spielten immer eine gute Rolle hinter den großen Klubs Kaiserslautern, Mainz oder Saarbrücken.
Isernhagen
Ich bin kein Stadtmensch, möchte aber trotzdem den Bezug zur Stadt haben. Isernhagen ist ein bisschen ländlicher, ruhiger, was ich schätze, und trotzdem nahe zu Hannover gelegen, deshalb bin ich dorthin gezogen.
JSG Wissen
Von den Bambini bis zu meinem zehnten Lebensjahr habe ich dort gespielt. Wir hatten eine Menge Spaß.
Nationalmannschaft
Für meine Nationalmannschaftskarriere war es nicht hilfreich, dass ich insgesamt drei Jahre verletzt war. Es ist schon etwas Besonderes und ein fantastisches Gefühl, wenn man die Hymne hört und dann spielen darf. Gegen Dänemark stand ich sogar in der Startelf. Wir haben eine spielstarke Nationalelf und deshalb mache ich mir aktuell dazu keine Gedanken, aber sollte Bedarf bestehen …
Vertrag
Wir haben im Sommer gesprochen, uns nicht geeinigt und gesagt, wir schauen, was bis zum Winter geschieht. Ich habe meine Leistung erbracht und stabilisiert. Ich gehe davon aus, dass wir uns neu zusammensetzen, und dann schauen wir mal, was dabei herauskommt.
Zaun
Ich möchte, dass meine privaten Dinge auch privat bleiben und ich meine Familie, Freunde und Menschen, die mir wichtig sind, aus diesem Rummel heraushalte. Mir ist es wichtig, dass ich die wenige Zeit neben dem Fußball nutzen kann, ohne dass darüber gleich jeder Bescheid wissen muss. Ich meine, ich schaffe den Spagat zwischen Rede und Antwort und dem Zaum um die Menschen herum, die ich schützen möchte, ganz gut.
Dieter Kösel
Das war der 14. Teil unserer 96-Serie – kommenden Mittwoch geht es weiter, stellen wir Ihnen einen weiteren Profi vor.
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