Ich bin stolz auf die Revolution
Im Gespräch mit Karim Haggui
Karim Haggui ist bei den Roten gesetzt. Gemeinsam mit Emanuel Pogatetz sorgt der Tunesier, der am 20. Januar 1984 in Kasserine geboren wurde, in der Innenverteidigung für die Sicherheit, die internationale Höhenflüge erst ermöglicht. Er kam 2009 von Bayer 04 Leverkusen und die Erleichterung war groß, als der begehrte Abwehrspieler seinen Vertrag bei 96 bis 2014 verlängerte. Heute stellen wir Ihnen Karim Haggui von A wie Afrika-Cup bis Z wie Zukunftspläne vor.
Afrika-Cup
Ich habe diesen Cup 2004 gewonnen. Dieser Titel hat die Menschen in Tunesien glücklich gemacht. Der Cup ist wie die Europameisterschaft und hat einen hohen Stellenwert. Das ist manchmal sehr anstrengend. Wenn hier Winter ist, sind in Afrika teilweise 40 Grad. Das kann schon problematisch sein, aber wenn man für sein Land spielt, dann freut man sich. Es ist ein Riesenfußballereignis.
Al Pacino
Ich sehe gerne Filme, nicht nur im Kino, sondern auch im TV. Al Pacino ist einer der besten Schauspieler und „Scarface“ mein Lieblingsfilm.
AS Kasserine
Ich habe dort das Fußball-ABC gelernt. AS bleibt immer in meinem Herzen und ein besonderer Verein. Der Klub ist leider vor zwei Jahren in die 2. Liga abgestiegen.
Bayer 04 Leverkusen
Ich habe an die drei Jahre gute Erinnerungen. Es war mein erster Klub in Deutschland. Es ist ein sehr seriöser Verein, und ich habe viel Respekt vor den Menschen, die dort arbeiten. Ich wünsche Bayer viel Glück.
Die Roten
96 ist meine dritte Station in Europa. Ich habe mich hier nicht nur fußballerisch, sondern auch persönlich entwickelt. Erst hier bin ich richtig in Europa hineingewachsen. Es macht auf dem Platz und mit den Fans viel Spaß.
Erwartung
Dass unser Team zusammenblieb, ist ein Erfolg für Sportdirektor Jörg Schmadtke und den Verein. Die neuen Spieler haben Qualität und können uns helfen. Ich glaube, wir können eine erfolgreiche Saison spielen. Was dabei herauskommt, kann man jetzt natürlich nicht sagen. Letzte Spielzeit ist alles für uns gelaufen, ich hoffe, es bleibt so. Wir können einen Platz unter den ersten Zehn schaffen, das ist realistisch. Wenn wir es besser machen, dann hätten wir es verdient und ich wäre sehr glücklich.
Étoile Sportive du Sahel
Étoile ist einer der großen tunesischen Vereine. Dort wird viel mit jungen Spielern gearbeitet. Ich bin mit 14 zu dem Klub gewechselt, habe bereits mit 18 mein erstes Profispiel absolviert und wurde zur Nationalelf eingeladen. Dort ist viel für mich passiert und ich habe noch viele Freunde.
Familie
Es gibt nichts Wichtigeres. Ich habe mit ihr leider nicht so viel erlebt, weil ich seit meinem 14. Lebensjahr auf Grund des Fußballs viel unterwegs bin. Das ist schade, aber meine Mutter kommt oft, um mich zu besuchen, oder ich fliege zu meiner Familie. Ich hoffe, alle bleiben gesund.
FC Sevilla
Dies Los war ein bisschen bitter für uns, aber wir haben einen Vorteil. Wir spielen zunächst zu Hause und haben schon Spielpraxis. Und die sagen sich bestimmt auch, warum gegen ein deutsches Team. Sie müssen richtig fit sein, um uns zu schlagen. Sevilla hat Qualität, aber vergangene Saison haben wir mit Bayern einen der europäischen Top-Vereine geschlagen. Wenn wir mit diesen Spielen gut umgehen, dann können wir etwas erreichen.
Hannover
Die Stadt hat schöne Seiten und ist für meine Arbeit überragend. Ich habe meine Ruhe und freundliche Menschen kennen gelernt. Nachteil, der Winter ist sehr kalt.
Lammcousous
Das ist unser traditionelles Gericht und, von meiner Mutter gekocht, mein Lieblingsessen. Es ist ein wenig schwer für einen Sportler, aber wenn ich zu Hause bin, einmal muss ich es essen.
Nationalelf
Wir haben einen neuen tunesischen Trainer. Der hat sich erst einmal für lokale Spieler entschieden, ich bin momentan nicht dabei.
Racing Straßburg
Es tut mir Leid, dass der Klub finanzielle Probleme hat und absteigen musste. Ich habe dort zwei Jahre gespielt, den Ligapokal gewonnen und eine gute Zeit gehabt. Ich glaube, sie werden eine Lösung finden und wieder hochkommen.
Revolution
Ich bin stolz darauf, denn diese Revolution ist vom Volke gekommen. Da stehen keine Parteien dahinter. Wir haben im Oktober Wahlen, und das Volk muss entscheiden, wer die neue Regierung stellt. Ich bin gespannt. Es ist alles sehr schnell und ohne viele Tote gegangen, das ist ein Bonus für uns. Die Menschen sind wach und ich hoffe, dass wir nun eine Demokratie in Tunesien bekommen.
Sprachen
Ich spreche Tunesisch-Arabisch und Hocharabisch. Die Unterschiede sind nicht so groß. Französisch habe ich von Jugend auf gelernt. Im Deutschen versuche ich, mich ständig zu verbessern, dazu kommt noch Englisch.
Zukunftspläne
Ich möchte nach meiner Karriere gerne im Fußballbereich bleiben, da habe ich auch Ideen. Das Thema ist, ob ich in Deutschland bleibe, wo ich mich sehr wohl fühle, oder nach Tunesien zurückkehre.
Dieter Kösel
Das war der dritte Teil unserer 96-Serie – es weiter mit Christopher Avevor.
