Ich fühle mich wieder sehr wohl
Im Gespräch mit Markus Miller
Mut gehört zu den Eigenschaften, über die ein Torhüter verfügen muss. Und den bewies Markus Miller auch, als er am Ermüdungssyndrom erkrankte, damit an die Öffentlichkeit ging und durch diesen Schritt vielen Menschen Mut gemacht hat. Doch der am 8. April 1982 in Lindenberg Geborene steht heute im Mittelpunkt, weil er zu den guten Torhütern in Deutschland gehört und Hannover 96 froh ist, ihn in seinem Kader zu wissen. Heute stellen wir Ihnen Markus Miller von A wie „Ärzte“ bis Z wie Zwergkaninchen vor.
Die „Ärzte“
Früher habe ich die Ärzte gerne gehört, aber ich habe einen breiten, natürlich auch stimmungsabhängigen Musikgeschmack, der sich stetig verändert. Das ist ja auch bei uns in der Kabine so, dass da viele verschiedene Musikarten vertreten sind. Derzeit zählt Lana Del Rey zu meinen Favoriten.
Bernd Rinn
Bernd war mein Torwarttrainer beim FC Wangen, und wir haben heute noch Kontakt miteinander. Nachdem ich beim FC Lindenberg mit dem Kicken begonnen hatte, habe ich zwei Jahre lang für Wangen gespielt. Über die Bezirksauswahl Bodensee habe ich den Sprung in die Auswahl Württemberg geschafft, und darüber ist der VfB Stuttgart auf mich aufmerksam geworden.
Bankkaufmann
Auf diese Ausbildung bin ich stolz. Ich habe in meinem Leben nur eine Bewerbung geschrieben, und mir den Ausbildungsplatz bei der HypoVereinsbank in Kempen selber besorgt. Nachdem ich den Einstellungstest bestanden hatte, bekam ich die Stelle. Ich wurde gut unterstützt, denn nach meinem Wechsel zum VfB durfte ich die Ausbildung in Esslingen bei Stuttgart absolvieren. Man weiß nie, was kommt, ich habe ein zweites Standbein.
Die Roten
Als ich den Begriff „Die Roten“ für 96 zum ersten Mal hörte, habe ich mich gewundert und nachgeforscht. Der Ursprung liegt wohl viele Jahre zurück, allerdings verbindet man mit dieser Farbe auch Eigenschaften wie Aggressivität und Wille zum Sieg. Von daher ist es eine Farbe, die gut passt. Nach sieben Jahren beim Karlsruher SC bin ich hier super aufgenommen worden. Der Verein arbeitet professionell und liegt zwischenmenschlich ganz weit vorne.
Ermüdungssyndrom
Ich habe mich nach meiner Erkrankung in Behandlung begeben und fühle mich nach meiner Rückkehr aus der Therapie gut und neu aufgestellt. Es war zweifelsfrei einer meiner interessantesten Lebensabschnitte. Wenn ich eine Vorbildfunktion für andere, damit öffentlich und offensiv umzugehen, einnehmen kann und es ihnen weiterhilft, dann mache ich das herzlich gerne. Es war und ist für mich die richtige Entscheidung und ich fühle mich wieder sehr wohl.
Familie
Meine Ehefrau Marina und unsere Söhne Lenn und Collin sind das Wichtigste in meinem Leben. Meine Familie ist für mich ein starker Rückhalt und etwas ganz Besonderes.
FC Augsburg
Beim FC in der dritten Liga habe ich ein Jahr lang meine ersten Schritte in den aktiven Bereich unternommen. Es war eine interessante Erfahrung, ich habe viel dazugelernt.
Hannover
Nach anderthalb Jahren habe ich manches immer noch nicht gesehen, denn es ist eine große Stadt. Unser Lebensmittelpunkt liegt im ländlichen Norden und es hat gebraucht, bis wir unseren Alltag auch in die Stadt verlegt haben. Hannover ist sehr vielseitig und schöne Beispiel sind der Weihnachtsmarkt und überhaupt die Altstadt. Hannover wird häufig unterschätzt
Killer-Miller
Am 21. September 2004 habe ich für den Karlsruher SC gegen Mainz 05 zwei Elfmeter gehalten, und wir haben den Sprung ins Achtelfinale des DFB-Pokals geschafft. Seitdem trage ich diesen Namen. Ich hätte ihn mir nie gegeben, weil er doch sehr martialisch klingt. Aber es macht auch stolz, wenn ein kompletter Fanblock Woche für Woche deinen Namen auf diese Art und Weise ruft. Nicht Markus, sondern Killer werde ich auch bei 96 oft gerufen.
Kochen
Beim KSC besuchten wir, Mario Eggimann war auch dabei, einen Kochkurs. Ich habe einiges gelernt, aber nur kurzfristig in die Praxis umgesetzt. Das waren schöne Abende für die beteiligten Spieler. Mario und ich überlegen deshalb, ob wir das nicht auch bei 96 anregen sollten.
Karlsruher SC
Ich habe in den sieben Jahren beim KSC alles erlebt – vom ersten Zweitligaspiel, Aufstieg in die Bundesliga und nach oben in der Torwartliste über einen Kreuzbandriss, der einen kleinen Knick gegeben hat, bis hin zum Abstieg. Ich bin dem Klub immer noch sehr verbunden, habe dort viele Kontakte und glaube, dass ich gut in Erinnerung geblieben bin. Es ist schade, was da derzeit passiert. Ich hoffe, der KSC steigt nicht in die 3. Liga ab.
Lindenberg
Mein Heimatort liegt im Allgäu, und es ist wunderschön dort. Man hat den direkten Blick auf die Alpen, der Bodensee und Österreich liegen nicht weit entfernt. Lindenberg ist eine Reise wert!
VfB Stuttgart
Beim VfB habe ich drei Jahre lang in der Jugend und danach zwei Jahre bei den Amateuren gespielt. Durch die gute Jugendarbeit habe ich sehr viel gelernt und dem Verein viel zu verdanken. Er hat mich entdeckt, geholt, gefördert und einiges dazu beigetragen, dass ich jetzt bei 96 bin.
Zwergkaninchen
Wir hatten früher eine Katze, aber die war leider nicht so freundlich zu unseren Kindern, und wir mussten sie abgeben. Dafür haben wir unseren Söhnen die Zwergkaninchen Meni und Kathi geschenkt, die der ganzen Familie viel Freude bereiten.


