Jackson, der Name ist doch cool

Im Gespräch mit Christopher Avevor

Talentförderung hatte bei Hannover 96 immer einen hohen Stellenwert. Da braucht man nur an Gerald Asamoah und Per Mertesacker oder aktuell Konstantin Rausch und Manuel Schmiedebach zu erinnern. Mit Christopher Avevor hat ein weiteres Talent nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht. Der Innenverteidiger wurde am 11. Februar 1992 in Kiel geboren und wechselte 2008 von Holstein Kiel zu den Roten. Obwohl noch A-Junior, bekam der Jugendnationalspieler zur Saison 2010/11 einen Profivertrag und brachte es gleich auf fünf Einsätze in der Bundesliga, wobei er sich gegen namhafte Stürmer wie Wolfsburgs Edin Dzeko oder Bayerns Mario Gomez gut behaupten konnte. Heute stellen wir Ihnen Christopher Avevor von A wie 18. September 2010 bis Z wie Ziel vor.

18. September 2010
An diesem Tag habe ich gegen den VfL Wolfsburg zum ersten Mal in der Bundesliga gespielt. Ich war noch A-Junior und hatte die Vorbereitung bereits bei den Profis absolviert. Das Derby gegen Wolfsburg ist sowieso eine besondere Sache, zumal dort Dzeko, Grafite und Diego aufliefen. Das war superaufregend für mich und werde ich nie vergessen.

Bundesliga
Ich kam in der vergangenen Saison zu fünf Einsätzen. Ich weiß, es wird schwer, weil wir eine super Mannschaft haben. Aber wenn ich gebraucht werde, dann bin ich da. Ich bin hungrig und will noch mehr Begegnungen als in der abgelaufenen Saison absolvieren.

Eckernförde IF
Ich habe früher, sobald ich laufen konnte, schon immer mit meinem Vater Fußball gespielt. IF war mein erster richtiger Verein. Als ich die dänische Realschule in Eckernförde besuchte, bin ich mit sieben Jahren über die Schule zum Verein gekommen. Es ist ein Klub der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, der wie die Schule auch für Deutsche offen ist. Wir haben zuerst nur „Packungen“ kassiert, aber wenn man klein ist, ist das trotzdem die schönste Zeit im Fußball.

Freundin
Eine Freundin habe ich im Moment nicht. Mal sehen, was sich ergibt.

Fußbruch
Das war in der vergangenen Saison eine Katastrophe für mich, zumal ich ungeduldig wurde. Ärgerlich war, dass ich nach dem Fußbruch drei Wochen wieder gut drin war, für die Amateure spielte und dann an derselben Stelle umknickte und bis zum Saisonende aufhören musste. Ich habe noch eine Platte am Fuß, die im Winter entfernt werden soll, aber keine Probleme mehr.

Hannover 96
Während meiner Zeit bei Holstein habe ich in der Landesauswahl gespielt. Beim Turnier in Duisburg ist Daniel Stendel, Trainer der 96-B-Junioren, auf mich aufmerksam geworden. Er hatte sich zunächst bei meiner Mutter vorgestellt und kam mich dann mit Jens Rehhagel, dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, in Kiel besuchen. Sie haben mir das Konzept vorgestellt, und das hat mir gut gefallen. Es gab andere Anfragen, aber ich habe mich für die Roten entschieden und das nie bereut. Als ich hierher wechselte, habe ich nie erwartet, so schnell oben dabei sein zu dürfen.

Holstein Kiel
Über die Zwischenstation Eckernförder SV bin ich zu Holstein gewechselt. Zu meinen schönen Erinnerungen gehört, dass wir mit der B-Jugend als erste Mannschaft dort die Bundesliga halten konnten.

Jackson
Als ich neu zu 96 kam, hatten wir mit Christopher Stern noch einen weiteren Spieler mit dem Vornamen bei den B-Junioren. Weil ich der Neue war, brauchten wir einen Spitznamen für mich. Mein Mitspieler Agit-Cetin Erbek sagte, dass er Jackson cool finden würde. Warum, das weiß ich bis heute nicht. Daniel Stendel hat ihn übernommen und er hat sich anschließend im Verein und in der Schule fortgesetzt.

KGS Hemmingen
Nach meinem Wechsel zu 96 habe ich die KGS besucht. Ich kam von der dänischen Realschule und das System dort war ganz anders. Der Unterricht war individueller auf die Schüler zugeschnitten, man hatte eine persönliche Beziehung zu den Lehrern, die Klassen waren kleiner, Unterrichtsausfall gab es nicht. Die Lehrer konnten sich stärker um einzelne Schüler kümmern. Damit hatte ich an der KGS zu kämpfen und es war nicht einfach. Der zeitliche Aufwand für Fußball wurde zudem immer größer, da habe ich mit dem Fachabitur nach der zwölften Klasse aufgehört.

Lieblingsposition
Innenverteidiger, aber wenn es sein muss, dann spiele ich in der Abwehr auch auf der rechten Seite.

Marion Lemke
Sie war meine Gastmutter, als ich nach Hannover gekommen bin, weil es bei 96 kein Internat gibt. Die Gastfamilie war eine gute Lösung, bis ich mit 18 Jahren ausgezogen bin, wie es das Konzept vorsieht. Freunde von mir bei anderen Klubs waren im Internat untergebracht und nicht so begeistert. Marion Lemke leitet nun das Wohnprojekt für junge 96-Spieler, die von außerhalb kommen. Ihr Engagement ist rührig.

Naschis
Süßigkeiten sind Nahrung für die Seele, und deshalb hat mir meine Mutter, als ich den Fußbruch hatte, immer welche zugeschickt.

Nationalmannschaft
Bei dem Lehrgang vor der U17-WM in Nigeria bin ich aufgefallen und hatte das Glück und die Ehre, eingeladen zu werden. Ich habe bei der WM leider nicht gespielt, aber es war eine tolle Erfahrung. Ich habe dann in der U19 gespielt und war kürzlich bei einem Lehrgang der U20, die den Übergang zur U21 bildet. Diesen Sprung möchte ich schaffen, das ist eins meiner Ziele.

Patrick Jöcks
Mit Patrick habe ich in der A-Jugend zusammengespielt. Wir bilden seit mehr als einem Jahr eine gut funktionierende Wohngemeinschaft, die aber demnächst enden wird, da sich Patrick privat verändern möchte.

Plan B
Sollte es mit dem Fußball etwa wegen einer Verletzung nicht so klappen, wie ich mir das vorstelle, dann hab ich mit dem Fachabitur eine ordentliche Grundlage. In welche Richtung es dann gehen könnte, ist noch offen.

Regionalliga
Wenn ich oben nicht dabei bin, dann spiele ich in der U23. Das ist gut für mich, um Spielpraxis zu bekommen, mich zu verbessern und an meinen Schwächen zu arbeiten. Wir haben eine interessante Mannschaft mit vielen Talenten. Es bereitet mir viel Spaß, dort zu spielen.

Ziel
Ich werde in den kommenden Jahren sehen, wohin es mit dem Fußball läuft. Darauf konzentriere ich mich und will mich bei den Roten durchsetzen.

Dieter Kösel

Das war der vierte Teil unserer 96-Serie – es geht weiter mit Samuel Radlinger.

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