Schuss vor den Bug: Hannover 96 geht in Stuttgart unter

  

Stuttgart (hot/ch). Schon wieder Stuttgart! Beim VfB hatte Hannover 96 am 7. Mai 2011 seine bisher letzte Niederlage in der Fußball-Bundesliga kassiert – bis gestern. Da unterlag das Team von Mirko Slomka nach einem ideenlosen Auftritt vor 53.000 Zuschauern völlig verdient mit 0:3 (0:1).
Die Länderspiel-Pause hat Hannover augenscheinlich nicht gut getan, es fehlte das schnelle Umschalten und die gedankliche Frische. So wurde bereits der erste Durchgang weitestgehend einer zum Vergessen: Es begann bereits in der 2. Minute, als Kapitän Steven Cherundolo nach einem Foul von Stuttgarts Cristian Molinaro mit einer Platzwunde im Gesicht kurz raus. Als der US-Amerikaner wiederkam war er gleich an der Schlüsselszene der ersten 45 Minuten beteiligt: Er hob das Abseits auf, Stuttgarts Mittelfeldspieler Christian Gentner flankte und Shinji Okazaki hatte aus kurzer Distanz keine Probleme gegen Gäste-Keeper Ron-Robert Zieler – 1:0 nach einem Spielzug, wie er eigentlich 96-typisch ist. Schnell und überfallartig.
Slomkas Team fand vor der Pause ohnehin nicht oft statt: Eine 5:4-Überzahl jagte der schwache Konstantin Rausch aus halblinker Position in die Wolken (19.), ein Knaller von Sergio Pinto war nicht platziert genug (21.), der Schuss von Didier Ya Konan (spielte für den geschonten Moa Abdellaoue) mit dem Außenrist zu lässig (25.) und eine abgefälschte Rausch-Flanke, die Sven Ulreich zur Ecke klärte, mehr ein Zufallsprodukt (35.). Die besseren Chancen hatten die Gastgeber, denen aber beim letzten Pass ebenfalls zu oft die Präzision fehlte.
Es wurde nicht besser: Die zweite Halbzeit war geprägt von Fehlpässen auf beiden Seiten, der VfB hatte weiterhin die bessere Spielanlage, wirklich zwingend wurde es aber auch bei Bruno Labbadias Elf lange nicht. Hätte es aussichtsreich werden können, landete der Ball fast immer in des Gegners Füßen. Die Ausnahmen waren rar gesät: Ya Konans fehlte im Abschluss die Genauigkeit, er schoss zweimal Ulreich ab (51./69.), beim zweiten Mal lupfte der gerade eingewechselte Moritz Stoppelkamp den Nachschuss überhastet neben das VfB-Tor. Ya Konan verfehlte zudem per Direktabnahme noch einmal knapp.
Dann hatte Stuttgart genug und setzte jeglichen Hoffnungen der Gäste, doch noch überraschend etwas mitnehmen zu können, ein Ende. Statt doch noch einen Fehlpass zu spielen, fasste sich Zdravko Kuzmanovic aus knapp 30 Metern ein Herz, Cherundolo stand freundlich Spalier, Schlussmann Zieler reagierte zu spät – 2:0, die Entscheidung. Den Sack endgültig zu machte Stuttgarts Serdar Tasci aus kurzer Distanz. Es war eben ein Tag zum Vergessen– und das schon wieder in Stuttgart…
Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz (46. Pander) – Pinto, Schmiedebach (80. Eggimann) – Stindl, Schlaudraff, Rausch (66. Stoppelkamp) – Ya Konan.


Nachspielzeit:
Das war die Warnung zur rechten Zeit
von Dieter Kösel

Beim VfB Stuttgart kann man verlieren, dies zeigte sich schon vergangene Saison beim 1:2. Aber man muss es nicht, über die Gründe soll hier erst gar nicht spekuliert werden. Das Fehlen von Moa Abdellaoue alleine kann es jedenfalls nicht gewesen sein. Dies war der Auftakt zu anstrengenden Wochen. 96 hat bis zum 29. Oktober zehn Partien in Liga, Pokal und Europa League zu bestreiten. Und in allen drei Wettbewerben will die Elf von Trainer Mirko Slomka erfolgreich sein. Am Donnerstag werden wir im Auftaktspiel zur Euro-League-Gruppenphase daheim gegen Standard Lüttich einen ersten Eindruck bekommen, wie es da­rum steht. Da ist eine Reaktion auf die Niederlage im Schwabenlande gefordert. Das Spiel gegen die Belgier wird sicher kein Selbstläufer, aber die Roten haben gezeigt, dass sie aus Niederlagen gestärkt hervorgehen, wenn sie an die Tugenden anknüpfen, die sie stark gemacht haben. Diese konnten gestern zu selten abgerufen werden – so war die Niederlage vielleicht ein Warnschuss zur rechten Zeit!


Das sagen die Trainer zum Spiel…

Mirko Slomka, Hannover 96: „Nächstes Mal bleibe ich zu Hause“

„Der VfB war uns in allen Belangen überlegen. Wir hatten schon in der ersten Halbzeit Glück gehabt, dass wir nur mit 0:1 zurückliegen. Wir haben kein Mittel gefunden, vorn nicht und hinten nicht. Das war ein ganz schwaches Spiel von uns und schon ein Rückschritt. Dass es in Stuttgart schwer werden würde, braucht mir niemand zu sagen. Ich glaube, ich habe hier erst einen Punkt geholt. Das nächste Mal bleibe ich besser zu Hause.“

Bruno Labbadia, VfB Stuttgart: „So ein Ergebnis hat uns gefehlt“
„Ich bin froh, dass wir das, was wir uns vorgenommen hatten, auch so gut umgesetzt haben. So ein Ergebnis hat uns vorher gefehlt, wir waren dieses Mal effektiv und haben uns selbst belohnt. Von der ersten Minute an hat meine Mannschaft gezeigt, dass sie gewinnen will. Das war wichtig, denn der Gegner hat schon in der vergangenen Saison gezeigt, dass er unglaublich effektiv ist. Das war ein sehr wichtiger Sieg.“


So waren die Roten in Form

Ron-Robert Zieler
- 4
Bei den Gegentoren machtlos, zwei kleine Unsicherheiten beim Rauslaufen, in den meisten Szenen aber auf der Höhe.

Steven Cherundolo - 5
Wie die gesamte Viererkette der Roten in den entscheidenden Szenen indisponiert. Erlitt bereits in der 2. Minute einen schmerzhaften Cut am rechten Jochbein, danach war er nicht mehr auf der Höhe.

Karim Haggui - 5
Wenn die Stuttgarter schnell und hoch in die Spitze spielten, hatte er Probleme. Die Gedankenschnelligkeit ging ihm in einigen Szenen ab.

Emanuel Pogatetz - 5
Wie seine Kollegen in der Hintermannschaft war auch er in Stuttgart ein Unsicherheitsfaktor.

Christian Schulz - 5
Zur Pause hätte 96-Trainer Mirko Slomka viele auswechseln können, es traf Schulle – und das aufgrund seiner Passivität und den Schwierigkeiten auf seiner linken Seite nicht ganz zu Unrecht.

Sergio Pinto - 4
Noch einer der Besseren. Dass die Stuttgarter die 96-Defensive in der ersten Hälfte einige Male überrannten, konnte aber auch er nicht verhindern.

Manuel Schmiedebach - 4
Der Sechser war überall auf dem Platz zu finden, war enorm fleißig, leistete sich aber auch zu viele leichtsinnige Ballverluste.
-
Lars Stindl - 5
Viele unnötige Fehlpässe. Nach vielen guten Spielen, war das wieder ein Rückschritt.

Konstantin Rausch - 5
Vorne so lala, hinten ganz schwach. Hatte einige gute Aktionen in der Offensive, über seine Seite kreierten die Schwaben aber auch zahlreiche gute Aktionen.

Jan Schlaudraff - 4
Mimte den verkappten Spielmacher, hatte viele Ballkontakte. Tauchte im Laufe des Spiels aber immer mehr ab.

Didier Ya Konan - 4
In seinem ersten Einsatz von Beginn an fehlte ihm die Bindung zum Spiel. Wenn er im Strafraum aber an den Ball kam, wurde es gefährlich – der Ertrag blieb auch aufgrund eines starken Ulreich im VfB-Tor aus.

Christian Pander - 5
Kam in der Pause für Schulz, blieb aber größtenteils blass. Ihm fehlte die Spielpraxis.

Moritz Stoppelkamp
Kam in der 66. Minute für den verletzten Rausch. Oft zu überhastet, in der 69. Minute kam er frei im Strafraum an den Ball, seine Flanke landete im Aus, sein einziger Schussversuch ging weit drüber.

Mario Eggimann
Kurz bevor das 0:2 fiel (81.) sollte er für Schmiedebach eingewechselt werden. Er blieb ohne Aktion. ch/hot

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