Sein letzter großer Kampf - Muhammad Ali wird 70

von Clemens Niehaus | am 13.01.2012 | 207 mal gelesen | 1 Bild
Muhammad Ali feiert am 17. Januar 2011 seinen 70. Geburtstag. Foto: niehaus

von Clemens Niehaus

Es gebe amüsantere Dinge, als Leute zu verhauen, sagte Muhammad Ali einmal und doch war es gerade das „Leute verhauen“, das ihm den Platz im Sportlerolymp sicherte.
1999 wurde er vom Internationalen Olympischen Komitee zum „Sportler des Jahrhunderts“ gewählt. Und obwohl Ali 1981 nach seinem Fight gegen Trevor Berbick seine Boxhandschuhe an den Nagel gehängt hatte, dauert sein letzter Kampf noch an: Seit fast 30 Jahren kämpft Ali gegen seine Parkinson-Krankheit, die bereits 1984 bei ihm diagnostiziert wurde.
Für Aufregung sorgte im November 2011, kurz nach der Beisetzung des Boxers Joe Frazier, die Meldung, dass Ali bewusslos und mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Seit Dezember ist er jedoch wieder zuhause. „Er geht nicht in die Richtung, die dir und mir gefällt, aber es gibt keinen Grund für Alarm“, beruhigt Alis Frau Lonnie.

In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen

Muhammad Ali wurde am 17. Januar 1942 in Louisville, Kentucky als Cassius Marcellus Clay Jr. geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.
Aus Wut über den Diebstahl seines Fahrrades begann er 1954 als Zwölfjähriger mit dem Boxtraining. Mit 16 Jahren verließ Ali die Schule und konzentrierte sich auf das Boxtraining. Innerhalb weniger Jahre konnte er sämtliche nationale Amateurtitel erringen. Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom gewann er die Goldmedaille im Halbschwergewicht.
Angestachelt durch das Medienecho, das ein Wrestler Namens Georgous George bekam, begann Ali dessen große Klappe zu imitieren und der Presse von nun an immer neues Material in Form von Spottreimen über seine Gegner zu liefern.
Am 25. Februar 1964 besiegte Ali in Miami den Boxweltmeister Sonny Liston, im weiteren Verlauf des Jahres machte er seine Mitgliedschaft in der Nation of Islam öffentlich und wählte Muhammad Ali als neuen Namen.
Der Rückkampf gegen Liston am 25. Mai 1965 endetet für Liston bereits in der 1. Runde nach nur 105 Sekunden.

Der Karrierehöhepunkt

Mitte der 60er Jahre war Ali auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er traf die Beatles und Elvis Presley und verteidigte seinen Titel unter anderem gegen Ex-Weltmeister Floyd Patterson. Im April 1967 wurde Ali der Weltmeistertitel aberkannt, weil er sich geweigert hatte, den Wehrdienst anzutreten. „Kein Vietcong nannte mich jemals Nigger“, soll Ali als Begründung gesagt haben.
Ali wurde wegen Wehrdienstverweigerung zu fünf Jahren Gefängnis und 10.000 US-Dollar Strafe verurteilt, blieb aber gegen Kaution auf freiem Fuß. Später wurde das Urteil aufgehoben, seine Boxlizenz erhielt er aber erst 1970 wieder.
Am 8. März 1971 verlor Ali im Madison Square Garden nach Punkten gegen Joe Frazier, dem unbesiegten Weltmeister, im „Fight of the Century“. Nach der Niederlage musste Ali von vorne Anfangen und sich wieder hochboxen, um eine Chance auf einen WM-Fight zu bekommen.

Float like a butterfly, sting like a bee

Nach zehn Siegen in Folge – davon allein sechs im 1972 – musste er im März 1973 im Kampf gegen Ken Norton eine zweite Punkteniederlage hinnehmen. Er erlitt sogar einen Kieferbruch, wie sich im Nachhinein herausstellte. In der Zeit entstand Alis Wahlspruch „Float like a butterfly, sting like a bee“ („Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“). Am 10. September 1973 kam es zur Revanche zwischen Ali und Norton, den diesmal Ali nach Punkten gewann. Im Januar 1974 gewann Ali den Rückkampf gegen Joe Frazier nach Punkten und konnte den amtierenden Weltmeister George Foreman herausfordern.
Foreman, der Schwergewichtsolympiasieger von 1968, war in 40 Profikämpfen ungeschlagen und hatte die meisten seiner Gegner – inklusive Frazier und Norton – innerhalb weniger Runden durch K. o. besiegt. Ali war der krasse Außenseiter und mit 32 Jahren der deutlich Ältere. Allgemein wurde erwartet, dass „Big George“ Alis Karriere durch einen schnellen K.-o. beendet werden würde.

Der "Rumble in the Jungle"

Der Kampf war für den 30. Oktober 1974 in Kinshasa angesetzt worden und ging als „Rumble in the Jungle“ in die Box-Annalen ein. In einem dramatischen Fight präsentierte sich Ali als genialer Taktiker, der sich weit in die Seile drängen ließ und Foreman konditionell seine Grenzen aufzeigte. Ende der 8. Runde stach Ali zu: mit zwei schnellen Links-Rechts-Kombinationen und insgesamt neun aufeinander folgenden Kopftreffern schickte er den favorisierten Foreman auf die Bretter und holte sich zum zweiten Mal den WM-Titel.

"Thrilla in Manila"

Nachdem Ali gegen Chuck Wepner, Ron Lyle und Joe Bugner seinen Weltmeistertitel verteidigen konnte, fand am 1. Oktober 1975 mit dem „Thrilla in Manila“ der dritte Kampf gegen Joe Frazier in Manila statt, der bis heute als einer der besten Schwergewichtskämpfe überhaupt gilt. Der Fight bei über 40 Grad Celsius war für Ali ein Auf und Ab, da er nach anfänglich klarer Überlegenheit Frazier zunehmend das Feld überlassen musste, ehe es ihm doch noch gelang, in den letzten Runden erneut die Oberhand zu gewinnen. In der 14. Runde gab Frazier auf, Ali erlitt kurz danach einen Kreislaufzusammenbruch.
Nach zwei erfolgreichen Titelverteidigungen 1977 boxte Ali am 15. Februar 1978 gegen Leon Spinks. Der bis dahin relativ unbekannte Spinks nahm dem untrainierten und übergewichtigen Ali völlig überraschend seine beiden Titel ab. Genau sieben Monate später, am 15. September 1978, gewann der nun sichtbar besser trainierte Ali gegen Leon Spinks ein drittes und letztes Mal einen Weltmeisterschaftstitel und brach damit Floyd Pattersons Rekord.
Nach diesem Sieg erklärte der 36-jährige Ali seinen Rücktritt vom Boxsport. Zu diesem Zeitpunkt war seine Aussprache infolge seiner Parkinsonerkrankung bereits undeutlich geworden.

Das "Drama auf den Bahamas"

Im Herbst 1980 versuchte Ali zum vierten Mal Weltmeister zu werden, diesmal gegen seinen früheren Sparring-Partner Larry Holmes. Nach zehn Runden beendete Alis Trainer den Kampf, wodurch dieser seine erste und einzige vorzeitige Niederlage hinnehmen musste. Da er seine Karriere nicht auf diese Weise beenden wollte, er in den USA jedoch nicht mehr boxen durfte, fand sein letzter Kampf gegen Trevor Berbick am 11. Dezember 1981 als „Drama auf den Bahamas“ statt. Ali war zu diesem Zeitpunkt bereits von seiner Krankheit gezeichnet und verlor klar nach Punkten.
Ali machte immer wieder Scherze über sein angeblich bevorstehendes Comeback. Und als sein früherer Gegner George Foreman 1994 sensationell nach 20 Jahren wieder einen WM-Titel gewann, kündigte der 52-jährige Ali an, den sieben Jahre jüngeren Foreman noch einmal wie schon 1974 schlagen zu wollen.
2005 wurde Muhammad Ali als erster US-Amerikaner mit der „Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold“ der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) in Berlin ausgezeichnet – „für herausragende Verdienste um Frieden und Völkerverständigung“.

Muhammad Ali feiert am 17. Januar seinen 70. Geburtstag.

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