Vertrauen der Verbraucher steigt
Essen aus Deutschland: Nach einer Umfrage gehört Wurst für 84 Prozent der Menschen auf den alltäglichen Teller. Foto: Imago

Vertrauen der Verbraucher steigt

Grüne Woche: Demonstrationen zeigen Misstrauen in Lebensmittel – Umfrage belegt anderen Trend

Von Reinhard Zweigler
Berlin. Mmh, leckere Heidekartoffel, in der Pfanne geschwenkt und mit frischem Quark und Kräutern. Bei Ulla Hartmann von den Lüneburger Landfrauen geht der herzhafte und gesunde Imbiss weg wie die sprichtwörtlichen „warmen Semmeln“. Der Stand in der Niedersachsenhalle 20 auf der Grünen Woche in Berlin, die noch bis zum Sonntag geöffnet hat, ist stets dicht umlagert. Anders als in den vergangenen Jahren wollen die Besucher nun jedoch viel mehr wissen. Das bestätigt auch Beatrice König von Fleischerei Lambertz aus St. Andreasberg im Harz. Woher kommen die Produkte, wie sicher sind sie, wollen immer mehr Verbraucher wissen, sagt die junge Frau, die auf der Messe Harzer Spezialitäten anbietet, etwa leckeren Heimatschinken, Leberwurst oder Harzer Stumpen, eine luftgetrocknete Mettwurst.
Die große Agrarschau in Berlin, von Spöttern als die „größte Fresstheke der Welt“ bezeichnet, wird zunehmend auch zu einer großen Informations- und Nachfragebörse. Diverse Skandale um Lebensmittel und Landwirtschaft – Doxin in Hühnereiern, Ehec-Erreger auf Gemüse, Vogelgrippe, verunreinigte Futtermittel, Gammelfleisch im Döner – haben die Verbraucher hellhörig gemacht und verunsichert. Und pünktlich zu Beginn der Grünen Woche demonstrierten rund 50 000 Menschen unter dem Motto: Wir haben Agrarfabriken satt! vor dem Berliner Kanzleramt. Sie lehnen auch das geplante Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) ab, weil sie fürchten, deutsche Standards beim Verbraucherschutz kämen unter die Räder. Auch Gentechnik oder mit Hormonen behandeltes Fleisch, was in den USA durchaus gang und gäbe ist, wollen die Protestler nicht haben. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied versucht, die Sorgen der Verbraucher zu zerstreuen. Deutschland habe im internationalen Vergleich nicht nur die preiswertesten, sondern auch die sichersten Lebensmittel.
Das System der Kontrollen funktioniere. Schwarze Schafe würden rasch entdeckt und zur Verantwortung gezogen. Eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest besagt, dass das Verbrauchervertrauen ansteigt. 64 Prozent der Befragten vertrauen deutschen Lebensmitteln „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“. 21 Prozent schätzen den aktuellen Ruf der Lebensmittel als sehr gut oder gar ausgezeichnet ein. Erstmals wurde auch nach dem Vertrauen in tierische Produkte erfragt. Für immerhin 83 Prozent der Menschen gehören Wurst, Schinken, Eier, Käse und anders zu einer ausgewogenen Nahrung im Alltag. Ebenfalls am Rande der Grünen Woche demonstrierten auch rund 1000 Bauern, die „konventionell“ wirtschaften. Ihre Losung lautet: Wir machen Euch satt!

Michael Lohse (63), Chemiker, Goslar:
Wer einigermaßen sicher sein möchte, gute Lebensmittel zu bekommen, muss auch bereit sein, einen höheren Preis zu zahlen. Auch bei einer besseren Kennzeichnung bleibt für den Verbraucher ein Restrisiko, weil Unternehmen phantasiereich genug sind, um neue Bezeichnungen zu erfinden.

Michael Lohse

Eva Grunert (37), Lehrerin, Hannover:
Ich habe kein Vertrauen mehr. Die Kennzeichnung lese ich immer. Deshalb lasse ich manche Produkte im Regal stehen. Fertigprodukte kaufe ich sehr selten.Eva Grunert

Katja Rodehau (38),
Beamtin, Nienburg: Ich bin skeptisch und habe aufgrund der genveränderten Lebensmittel weniger Vertrauen. Wir kaufen Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt ein. Das gilt auch für Fleisch, wobei wir generell wenig Fleisch essen.

Katja Rodehau

Christine Behrenberg (45), Bankkauffrau, Soltau:
Nein, ich habe kein Vertrauen. Für mich ist das ein ganz großes Thema, deshalb kaufe ich viele Bioprodukte. Bei Obst, Gemüse und Fleisch sehr ich genauer hin und bei vielen Produkten prüfe ich die Kennzeichnung.

Christine Behrenberg

Andreas Schulz (55), Kaufmann, Wunstorf:
Ja, ich vertraue den deutschen Lebensmitteln. Man muss den Händlern, Kaufleuten und Restaurants Zeit lassen, damit sie die neuen differenzierten Kennzeichnungen umsetzen können. Aber jeder hat es auch selbst in der Hand, was er kauft oder was er nicht kauft.

Andreas Schulz

Bildquelle

  • Susanne Roch und Hubert Briesemeister von der Golßener Fleisch und Wurstwaren GmbH in der Brandenbu: imago

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