Von Tisch zu Wisch
Matthias Brodowy ist Kabarettist und Musiker. Für „hallo Wochenende“ schreibt er seine Kolumne „Brodowys Woche“. Foto: Privat

Von Tisch zu Wisch

Falten Sie eigentlich auch Ihr Klopapier? Machen Sie ein Dreieck in das erste Blatt? Wie so eine hervorlugende Krawatte? In Hotels macht man das und ich frage mich, warum das da so ist. Die Rolle ist meist ja nicht neu, sondern bereits in weiten Teilen abgewickelt. Trotzdem suggeriert mir die Putzpapiergeometrie eine gewisse individuelle Frische. Ich brauche das nicht. Bei Servietten ist es okay. Da stehen manchmal derartige, origamische Kunstbarkeiten, die man gar nicht entfalten und nutzen möchte. Schmetterlinge, Kraniche oder eine bischöfliche Mitra. Frauen tendieren dazu, auch Geldgeschenke formvollendet zu verfalten. Da wünscht sich jemand Kohle zum Geburtstag oder zur Hochzeit: Männer würden das Geld jetzt einfach in einen Umschlag stecken, maximal noch einen Glückwunsch dazu krickeln, und fertig. Frauen hingegen falten aus Geldscheinen alles mögliche: Schwäne, Hemden, Blumenbouquets. Als wenn es durch das Falten mehr würde. Falten ist also überall gefragt. Nur nicht im Gesicht. Da geht es bei vielen um das Gegenteil. Da wird gebotoxt und geliftet, was das Zeug hält. Dabei sind das doch die schönsten Falten, weil sie vom Leben erzählen. Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass man teilweise sogar Fett aus dem Hintern absaugt, um es anschließend unter die Gesichtshaut zu spritzen. Eine Art Backentausch. Vielleicht hat man das ja auch schon mal andersrum gemacht oder zumindest die Ohren unten angenäht. Dann würde ich verstehen, warum man im Hotel das Klopapier serviettengleich zur Nutzung bereit hängt.
Matthias Brodowy

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