Wrestling hat auch viel mit Show zu tun
Da hat wohl jemand zu freche Fragen gestellt: Martin Nolte hat sich von Redaktionsleiterin Heike Schmidt beim Sport ausfragen lassen – und gab Entwarnung: Die meisten Wrestler wollen nur spielen und einfach eine gute Show machen.Foto: Dillenberg

Wrestling hat auch viel mit Show zu tun

Nein, laufen ist nicht. Jedenfalls kein Dauerlauf. Das geht zu sehr auf die Gelenke. „Och nö, heute nicht“, sagt Martin Nolte. Der gebürtige Pattenser stand einst als „Soulless“ (herzlos) beim „Power of Wrestling“ (POW) im Ring. Vor zwei Jahren schied er nach einem schweren Unfall aus. Heute hilft er im Organisationsteam mit, die Veranstaltung für den 16. und 17. Oktober auf dem Schützenplatz zu organisieren.
Wrestler sind schwere Jungs. 117 Kilogramm bei einer Größe von 1,94 Metern hat der 37-Jährige einst auf die Waage gebracht. Das meiste war Muskelmasse. Und so greift Nolte im Atlantis-Fitnessstudio auch als erstes zu den Gewichten und lässt das Laufband links liegen. Scheinbar spielend drückt er noch immer die Kilogramm in die Höhe. „Sicher, es kommt auf Kraft an, aber auch auf Schnelligkeit und Reaktionsvermögen“, erklärt er. Schließlich wolle sich kein Wrestler wirklich ernsthaft verletzen.
Daher ist die so genannte Fallschule auch mit das Wichtigste beim Training. „Wer gut fallen kann, verletzt sich weniger schwer“, sagt Nolte, der bei Catch-Legende Tony St. Clair in der Schule war. Tony St. Clair selbst wird ebenfalls beim POW mit dabei sein: Er wird als „Matchmaker“ (Spielmacher) den Kampf zwischen Gut und Böse begleiten – denn ein Kampf zwischen Schwarz und Weiß ist es immer, das alles eingebunden in eine Show, in der schon einmal die Bretter beben. Aber auch das gehört zum Spiel. „Wir wollen eine gute Show machen“, sagt Nolte – denn das ist es auch, wofür sie antreten: Sportlichkeit ist das Eine, eine gute Show das andere. „Jeder gute Wrestler ist daher nicht nur sportlich gut durchtrainiert, sondern hat auch einen Hang zur Außendarstellung“, sagt „Soulless“ lachend.
Zum Training gehört vor allem eins: Muskeln aufbauen. „Heute ist es nicht mehr so wie in den achtziger Jahren, als sich die Wrestler vorrangig aus der Bodybuilding-Szene rekrutierten“, erklärt Nolte. Natürlich wolle das Publikum heute auch gut trainierte (Muskel-)Männer sehen. Aber im Vordergrund stünden schon Show und Sportlichkeit – aber eben eine jenseits vom Dauerlauf.  „Beweglichkeit und Körperbeherrschung, das sind die wichtigsten Eigenschaften neben der Kraft“, sagt Nolte. Und vor allen Dingen auch, den Gegner einschätzen zu lernen.
Die einzelnen Bewegungen kennt jeder Wrestler aus dem Eff-Eff. „Ich konnte früher meinem Gegner ansehen, was er gleich tun würde“, sagt Tony St. Clair. Vielleicht war auch das ein Talent, das den heute 67-Jährigen zum Gentleman-Catcher werden ließ. Der gebürtige Brite stammt selbst aus einer Wrestling-Familie. Schon sein Vater galt nach dem Zweiten Weltkrieg als einer der besten Catcher Europas. Auch sein Bruder fing mit dem Ringen an. Als Tony St. Clair dann auch noch in die Fußstapfen des Vaters folgte, war seine Mutter wenig begeistert. „‚Nicht du auch noch!‘, sagte sie“, erinnert sich St. Clair. Schließlich ist die Verletzungsgefahr heute wie gestern noch hoch – egal wie gut die Fallschule war.
Doppelt liegen die Matten aufeinander. Besser ist besser. „Du stützt dich auf und ich versuche dich auf die Matten zu drücken. Alles klar?“, erklärt Nolte und greift nach den Beinen. Wrestling kommt vom Ringen. Ziel ist es den Gegner am Boden zu halten. Es braucht nicht lange, da läuft der Schweiß den Nacken runter. Trotz aller Show gibt es ein paar Spielregeln: nicht in den Haaren ziehen, nicht spucken, nicht kneifen – ganz so wie beim klassischen Ringen, aus dem Wrestling einst entstand. Der Bezug auf die Antike ist zudem gar nicht so weit her: „Das sind schon so etwas wie römische Spiele“, sagt Tony St. Clair: „Bei uns johlt und gröhlt das Publikum auch mit.“ Und das sei auch gut so. „Beim Fußball gehen die Menschen manchmal nach dem Spiel aggressiv aufeinander los. Wenn unsere Leute aus dem Zelt kommen, haben sie sich ausgetobt und gehen friedlich nach Hause.“

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