Zur „Frühschicht bei Tiffany“
Sorgen bei „Frühschicht bei Tiffany“ für beste Unterhaltung: Die Schauspieler Armin Sengenberger (von links), Marion König und Wolfram Pfäffle. Foto: Oliver Vosshage

Zur „Frühschicht bei Tiffany“

Nicht nur für Liebhaber des „Kleinen Schwarzen“: Schicker Boulevard im Neuen Theater

Ja, Audrey Hepburn kommt auch drin vor. Sie bleibt aber glücklicherweise im Hintergrund. Ihr Bild blickt von einem Poster aus auf einen der drei Balkone, auf denen die drei Akteure – Schmuckverkäuferin Amy (Marion König), Versicherungsvertreter Bob (Wolfram Pfäffle) und der verhinderte Schriftsteller Chris (Armin Sengenberger ) – vor und nach der „Frühschicht bei Tiffany“ lieben, lachen, sich wortreich streiten oder auch mal im Regen stehen gelassen werden.

Die drei sind Nachbarn. Amy ist rotgelockt und unkonventionell, Bob ist geleckt und überkorrekt und Chris hämmert tatsächlich zu Beginn des Stücks auf einer Schreibmaschine herum. So weit, so klischeebehaftet. Doch was wäre ein Boulevardstück ohne Klischees? Regisseur Florian Battermann versteht es, diese wohl zu dosieren. Er arrangiert sie wie pastellig-süße Cup-Cakes in der Auslage der Magnolia Bakery und nicht wie die Donuts beim Discounter.

Battermann spickt die Verwechslungskommödie von Kerry Renards nicht übermäßig mit Verweisen auf Truman Capotes Roman „Frühstück bei Tiffany“. Natürlich singt Amy einmal mit der Mandoline auf dem Balkon. Natürlich trägt sie auch zum Frühstück bei Bob das obligatorische kleine Schwarze und raucht mit einer Zigarettenspitze. Aber Audrey bleibt dennoch meist dezent im Hintergrund.

Dafür sind die drei Schauspieler umso präsenter. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen – auch wenn es etwas an Klamauk grenzt, wenn Bob mit einer Leiter zu Amy herüberklettert und dabei vor Gewitterangst fast stirbt.

Auf diesen Balkonen und unter den Dächern von New York ist ganz schön was los. Neurotische Nachbarn finden sich scheinbar in jedem Stockwerk und geschiedene Ehemänner, die von ihren Frauen nicht lassen können, scheinbar auch. Es knallen die Türen, die Jalousien rauschen und die Kunstblumen tun ebenfalls ihren dekorativen Dienst. Dass das alles auf der Mini-Bühne des Neuen Theaters geschieht, ist schon ein Kunststück an sich. Nicht nur die erste Reihe kann die Enge New Yorks eindrucksvoll nachvollziehen. Aus der Not haben Battermann und sein Team eine Tugend gemacht – wenn Enge, dann wirklich klein und verschachtelt.

Und Tiffany? Ist nur einmal kurz richtig im Spiel: Amy bringt Bob zum Frühstück eines dieser obligatorisch türkis-blauen Päckchen mit, in denen der Edeljuwelier seine Schmuckstücke verpackt. Was darin ist, bleibt allerdings ein Geheimnis. Trotzdem: Diese Frühschicht zu später oder früher Stunde sollte man nicht verpassen.

Weitere Aufführungen am frühen Freitagabend um 17 Uhr gibt es am 23., 30. Oktober, 6., 13., 20. November.

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