„Die Natur wird ausgeklammert“. Agenda-Gruppe sorgt sich vor dem Hintergrund des Klimawandels um das Stadtklima
Beeindruckendes Beispiel: die Marktstraße in Laatzen-Mitte vor und nach ihrer Umgestaltung. Üppiger Bewuchs wurde durch junge Bäume ersetzt, deren positive Wirkung auf das Stadtklima nur von geringer Bedeutung ist. Fotos (2): Vogel

„Die Natur wird ausgeklammert“. Agenda-Gruppe sorgt sich vor dem Hintergrund des Klimawandels um das Stadtklima

Laatzen (rks). Ein Spaziergang durch Laatzen-Mitte mit Manfred Vogel und Michael Schilmover hat beinahe etwas Deprimierendes. Hier ein auf einen vor kurzem noch vitalen Baum verweisender Stumpf, dort ein bis zur Unkenntlichkeit zurechtgestutzter Strauch oder Busch, wenige Meter weiter ein karges, von allen Spuren natürlichen Grüns befreites Beet. So geht das in einem fort. „Die Stadt“, sagt Vogel, „hat sich in den zurückliegenden zehn, 15 Jahren deutlich zu ihrem Nachteil verändert. Die Natur wird mehr und mehr ausgeklammert. Die gibt es gar nicht.“

Eine Entwicklung, die die beiden Vertreter der lokalen Agenda21 Gruppe Laatzen vor dem Hintergrund der globalen Erderwärmung in Alarmstimmung versetzt. „Der Klimawandel“, sagt Vogel, „wird dazu führen, dass die Temperaturen im Mittel weiter ansteigen. Die Menschen in den Städten werden dies zu spüren bekommen, wenn ihnen die erhitzte, abgasgeschwängerte Atemluft in den Sommermonaten zusehends zu schaffen macht.“

Was Vogel und Schilmover vor dem Hintergrund des an Intensität zunehmenden Klimawandels und der in ihren Augen abnehmenden innerstädtischen Aufenthaltsqualität einfordern, ist nicht weniger als eine Anpassungsstrategie an die sich immer deutlicher abzeichnenden Veränderungen. „Was wir brauchen“, sagt Schilmover, „sind mehr Bäume und mehr Grünflächen. Nur sie können dazu beitragen, das Stadtklima für den Menschen auch in Zukunft verträglicher zu gestalten.“

Was derzeit in Laatzen geschehe, sei jedoch das genaue Gegenteil. Immer mehr Flächen würden versiegelt, immer mehr Hecken durch Zäune ersetzt, immer mehr Bäume fielen den zahlreichen Neubauprojekten zum Opfer. „Das hat mit einer ökologischen Stadtplanung, wie sie aus unserer Sicht erforderlich ist, nicht das geringste zu tun“, kritisiert Vogel. Ohne ein Konzept, ohne eine Anpassungsstrategie an den Klimawandel richte sich die Stadt zugrunde, zumal Laatzen aufgrund der die Stadt umgebenden Verkehrswege in dieser Hinsicht besonderes gefährdet sei. „Hinzu kommt, dass die meisten Gebäude in Mitte quer zur Hauptwindrichtung stehen“, sagt Schilmover. Und es fehle an durchgängig begrünten Frischluft-Furten, die dazu beitragen könnten, kühle Luft in die Stadt hinein und heiße Luft hinaus zu transportieren. Laatzen, so Schilmover, gehöre im Hinblick auf den Klimawandel gemeinsam mit Garbsen zu den gefährdetsten Städten der Region.

Dabei hat sich die Stadt bereits 1992 den Zielen der Agenda21 und damit einem nachhaltigen Schutz der Umwelt verschrieben – namentlich der natürlichen Entwicklung von Landschaftsräumen und der Vergrößerung der Artenvielfalt. Geschehen sei auf diesem Gebiet jedoch wenig bis gar nichts, betonen Vogel und Schilmover – zumindest was den eigentlichen Stadtraum anbelange. Umwelt- beziehungsweise Klimaschutz werde heute auf städtischer und auch regionaler Ebene vor allem mit dem Thema Energieeinsparung gleichgesetzt. „Auch das ist ein wichtiges Thema“, sagt Vogel, „aber es bringt nicht viel für das Stadtklima.“

Dringend erforderlich sei es, den Stadtplanern Experten zur Seite zu stellen, die in der Lage seien, die Auswirkungen städtebaulicher Entwicklungen auf das Stadtklima einzuschätzen. „Ohne diese Experten und ohne das Wissen um die Bedeutung der Natur für das Stadtklima“, sagt Vogel, „wird es nicht mehr gehen, wenn wir das Leben in der Stadt auch in Zukunft noch lebenswert gestalten wollen.“

 

Die Stadt und der Klimawandel

Manfred Vogel und Michael Schilmover von der lokalen Agenda21-Gruppe Laatzen sind davon überzeugt, dass Laatzen als Stadtraum auf die Herausforderungen der globalen Erderwärmung nur ungenügend vorbereitet ist. Vor diesem Hintergrund ist es den beiden Umweltschützern ein zentrales Anliegen, die Menschen für das Thema Ökologische Stadtentwicklung zu sensibilisieren. „Es ist wichtig, dass die Menschen hinsehen, dass sie sich ein Bild davon machen, was mit der Natur in der Stadt passiert und dass sie die Wechselwirkungen zwischen Natur und Stadtklima verstehen lernen.“ In einer mehrteiligen Serie werden wir in den kommenden Monaten einzelne Aspekte des Themas aufgreifen und darstellen, was aus der Sicht der lokalen Agenda21-Gruppe erforderlich ist, um Laatzen fit für den Klimawandel zu machen.

Die lokale Agenda21-Gruppe Laatzen trifft sich an jedem 1. und 3. Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr im Stadthaus (Raum 0.3), Marktplatz 2. Kontakt: Telefon (05 11) 82 05 - 54 27 (AB).

 

 

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