Einfach nur Kant. Lesung von Ekkehard Haase und Monika Antes beim Kunstkreis trifft auf reges Interesse
Im Gepräch mit Immanuel Kant: „Reporterin“ Monika Antes mit dem den Philosophen verkörpernden Autor Ekkehard Haase.

Einfach nur Kant. Lesung von Ekkehard Haase und Monika Antes beim Kunstkreis trifft auf reges Interesse

Laatzen. Vielleicht war es der Kunstgriff, auf den Ekkehard Haase bei seiner ersten Veröffentlichung über den großen Philosophen aus Königsberg zurückgegriffen hat. In seinem vor vier Jahren erschienenen Buch „Einfach nur Kant: das Interview“ hatte Haase den Gelehrten seine Gedankenwelt vor einer Reporterin aus dem 21. Jahrhunderts ausbreiten lassen. Vier Jahre später füllen mehr als 50 Interessierte – deutlich mehr als von Haase erwartet – den Vortragsraum in der Galerie des Kunstkreises: Wieder steht der Verfasser der „Kritik der reinen Vernunft“ im Mittelpunkt, wieder ist es eine Reporterin der Gegenwart, die den Philosophen dazu verleitet, seine Anschauungen in einer dem Publikum zugänglichen Sprache zu vermitteln.

Nicht weniger bedeutend für das große Interesse des Publikums dürfte der Gegenstand des Gespräches gewesen sein, zu dem die als Reporterin auftretende Monika Antes ihr von Ekkehard Haase verköpertes Gegenüber befragen durfte: Friedrich Nietzsche. Jener ein gutes Jahrhundert nach Kant wirkungsmächtige Denker also, dessen philosophisches Credo sich auf den ersten Blick von dem Kants diametral unterscheidet: Hier der die Welt kühl und rational analysierende Kant, dort der von seinen Leidenschaften durchdrungene Nietzsche.

Um es vorweg zu nehmen: Kant bleibt seiner Linie bei der Bewertung der Gedankenwelt Nietzsches treu. Weder die Verdammung der Moral durch Nietzsche, noch dessen Faszination für den Übermenschen oder die Verkündigung der Nicht-Existenz Gottes verleiten Kant dazu, von einer rationalen Einordnung der Gedanken Nietzsches abzuweichen. Selbst gegen den Vorwurf, den Herrenmenschen-Fantasien der Nationalsozialisten Vorschub geleistet zu haben, nimmt Kant Nietzsche in Schutz: „Das Ansinnen dieser ,Herrenmenschen‘, alle Übrigen zu ,Herdenmenschen‘ zu erklären“, lässt Haase den Königsberger sagen, „hätte er womöglich verabscheut, ebenso deren Antisemitismus. Rassenvermischung sieht er gar als Quell großer Kulturen. Begriffe wie ,deutsches Wesen‘ bleiben ihm stets fremd, zumal er die Deutschen wegen ihres ,nationalen Nervenfiebers‘ verachtet.“

Umrahmt wurde das Interview zwischen Philosoph und Reporterin von einigen von Uta Jakobi vorgetragenen Lebensdaten Nietzsches sowie von zwei den Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts widerspiegelnden Musikstücken: Richard Strauß‘ „Also sprach Zarathustra“ und Richard Wagners „Walkürenritt“. Bei dem von Haase und Antes vorgetragenen Text handelt es sich um einen Auszug aus dem neuen Buch des Laatzener Autors. „Einfach nur Kant – Die Kritik der reinen Vernunft“, in dem Haase auf rund 700 Seiten Kants Gedanken über die Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis und die nachkantischen Reaktion darauf ausbreitet, wird in Kürze veröffentlicht. rks

Bildquelle

  • : privat

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