Tödliche Hitze. Wenn sich die Stadt im Sommer nicht mehr abkühlt steigt das Gesundheitsrisiko
Im Schatten der Bäume wandeln: die kleine Passage zwischen Stadt- und Rathaus weist eine ideale Bepflanzung auf. Foto: Schunk

Tödliche Hitze. Wenn sich die Stadt im Sommer nicht mehr abkühlt steigt das Gesundheitsrisiko

Laatzen (rks). „In der Stadtplanung muss es darum gehen, die zweifelsfrei vorhandenen Gesundheitsrisiken nicht noch weiter zu erhöhen.“ Ein Zitat des Meteorologen und Klimatologen Prof. Dr. Gerd Jendritzky aus einer Stellungnahme zu den Gesundheitsrisiken des Stadtklimas von Freiburg, das verdeutlicht, dass das Thema nachhaltige Stadtentwicklung im Süden der Republik heute bereits intensiv diskutiert wird. Die Stadt Freiburg, so Jendritzky weiter, bekenne sich zu einem gesunden und ausgeglichenen Stadtklima als wesentlichem Element einer nachhaltigen Stadtentwicklung. „Sie legt zu Recht Wert darauf, Kaltluftentstehungsgebiete und Luftleitbahnen von Bebauung freizuhalten.“

Inwieweit die Stadtplanung Freiburgs diesen Grundsätzen tatsächlich Rechnung trägt, sei dahin gestellt. Für Manfred Vogel und Michael Schilmover von der lokalen Agenda21-Gruppe Laatzen ist zunächst einmal der Umstand von Bedeutung, dass die Stadt Laatzen aus ihrer Sicht wenig bis gar nichts unternimmt, um den gesundheitlichen Risiken des Klimawandels zu begegnen.

Risiken, die vor allem aus anhaltenden Hitzewellen resultieren. Im ungewöhnlich heißen Sommer des Jahres 2003 starben dem Bericht Jendritzkys zufolge in West- und Südeuropa rund 55 000 Menschen an den Folgen von Hitze – etwa 35 000 von ihnen allein Anfang August. Das Problem: Gebäude beziehungsweise Innenräume heizen sich bei anhaltend hohen Temperaturen und zugleich fehlender nächtlicher Abkühlung von Tag zu Tag weiter auf. Dies wiederum führt mangels Erholungsphasen zu einer Dauerbelastung unter der insbesondere ältere und kranke Menschen zu leiden haben.

Abhilfe könnten hier die von Vogel und Schilmover wiederholt angesprochenen Abkühlflächen und Frischluftfurten schaffen. „Abkühlflächen“, sagt Vogel, „sind in der Lage, in der Nacht für einen Temperaturaustausch zwischen den aufgeheizten Gebäuden und der Umgebungsluft zu sorgen – wenn sie sich in der Nähe der Häuser befinden und einen entsprechenden Bewuchs aufweisen.“

Die heute zwischen den Mehrfamilienhäusern in Laatzen-Mitte vorherrschenden Rasenflächen, so Schilmover, könnten diese Funktion nicht erfüllen, da sie ständig gemäht würden und bei starker Hitze schnell vertrockneten. „Rasenflächen speichern tagsüber die Hitze und geben sie – wie alle versiegelten Flächen – nachts zusätzlich an die Umgebungsluft ab. „Blumenwiesen hingegen“, ergänzt Vogel, „können die Feuchtigkeit wesentlich besser und länger halten und vertrockneten nicht so schnell. Vorteilhafter sei es zudem, auf den Flächen Büsche und Bäume anzupflanzen. So würden zumindest einzelne Bereiche nicht durchgehend der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt.

„Nehmen Sie die kleine Wegeverbindung zwischen dem Stadthaus und dem Rathaus“, nennt Vogel ein Beispiel. Auf diesen wenigen Metern unter Schatten spendenden Bäumen kann man im Sommer richtig durchatmen. Und jetzt stellen Sie sich vor, was es für die Lebensqualität in der Stadt bedeuten würde, wenn es in Laatzen viele solcher überschatteter Wegeverbindungen geben würde.“

Wegeverbindungen, die – entsprechend angelegt – zugleich als Frischluftfurten fungieren könnten. „Ideal“, sagt Schilmover, „wären durchgehend mit Bäumen bestandene Furten quer durch die Stadt, die eine Verbindung zwischen dem Mastbruchholz/Kronsberg und der Leinemasch herstellen würden.“ Solche Furten ermöglichten den Austausch der warmen, schadstoffbelasteten Luft in der Stadt mit der kühleren Frischluft aus der Umgebung. „Voraussetzung dafür“, ergänzt Vogel, „ist jedoch, dass der Baumbestand keine größeren Lücken aufweist und dass die Bäume – Stichwort Pflege – ein möglichst geschlossenes Blätterdach beziehungsweise eine intakte Krone besitzen.“

Nur so seien sie in der Lage, für den Luftaustausch zu sorgen. „Bäume“, sagt Vogel, „wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um.“ Die bei diesem Vorgang entstehende kühlere Luft tausche sich ständig mit der wärmeren Umgebungsluft aus, was letztlich den Luftaustausch zwischen Stadt und Umgebung über die Bäume ermögliche. „Darauf“, sagt Vogel kommt es letztlich an: Das Grün in der Stadt so einzusetzen, dass es dazu beiträgt, das Stadtklima auch in Zukunft erträglich zu gestalten – im Sinne der Gesundheit von Mensch und Tier.“

 

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