Sich der Sucht gemeinsam stellen. Anlaufstelle für Menschen mit Suchterkrankungen: der Freundeskreis IGEL II
Die Sucht gemeinsam überwinden (von links): Paul Hartung, Roswitha Blume und Marco Zöllner vom Freundeskreis IGEL II für Alkoholabhängige und deren Angehörige. Foto: Schunk

Sich der Sucht gemeinsam stellen. Anlaufstelle für Menschen mit Suchterkrankungen: der Freundeskreis IGEL II

Laatzen (rks). Die Bezeichnung Freundeskreis kann durchaus wörtlich genommen werden: Seit Januar 2015 trifft sich im Stadthaus Laatzen regelmäßig einmal in der Woche eine Selbsthilfegruppe suchtkranker Menschen, der Freundeskreis IGEL II für Alkoholabhängige und deren Angehörige. Geleitet wird die Gruppe von Roswitha Blume. Die 64-Jährige, selbst trockene Alkoholikerin, weiß aus eigener Erfahrung, dass Freundschaften bei vielen Suchtkranken auf der Strecke bleiben. In der Selbsthilfegruppe sieht Blume vor diesem Hintergrund vor allem eine Möglichkeit für Suchtkranke, neue Kontakte zu knüpfen und vielleicht sogar Freundschaften zu schließen.

„Wenn man sich besser kennenlernt“, unterstreicht Blume die Bedeutung sozialer Kontakte für Suchtkranke, „kann man sich besser über seine Probleme austauschen, kann man sich besser gegenseitig dabei unterstützen, von seiner Sucht loszukommen.“ Unterstützt wird Blume bei diesem Ansatz von Marco Zöllner. Der 48-Jährige ist Regionalleiter des Landesverbandes der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe. „Wenn Suchtkranke ihre Sucht überwunden haben“, sagt er, „verlieren sie nicht selten die Bindung zur ihrem bisherigen Umfeld. In einer Selbsthilfegruppe treffen sie auf Menschen, die sich untereinander unausgesprochen verstehen.“

Die Treffen der Selbsthilfegruppe IGEL II beginnen in der Regel mit einem Kaffeetrinken und einem gemütlichen Plausch. Danach folgt eine, wie Blume es nennt, Wie-fühle-ich-mich-Runde – ein Gespräch darüber, wie die Teilnehmer die zurückliegende Woche erlebt haben, welche Konflikte sie auszustehen hatten. „Für Suchtkranke“, sagt Blume zur Begründung, „ist es wichtig, sich Konflikten zu stellen, sie auszutragen und sie nicht mit Hilfe von Alkohol oder anderen Suchtmitteln zu verdrängen.“

Auch die Einbindung Angehöriger ist ein wichtiger Baustein des Konzeptes der Freundeskreise. „Häufig sind es zuerst die Angehörigen, die in die Gruppen kommen und ihren suchtkranken Lebenspartnern damit den Weg ebnen“, sagt Zöllner, der, wie Blume auch, vor einigen Jahren über eine Selbsthilfegruppe den Weg aus der Abhängigkeit gefunden hat. Er weiß: „Gerade für nasse Alkoholiker stellt der erste Schritt, in eine solche Gruppe zu gehen, nicht selten eine große Überwindung dar.“

Kosten fallen beim Besuch des Freundeskreises nicht an. „Manchmal sammeln wir eine kleine Spende für Getränke, oder die Gruppe einigt sich auf einen geringen regelmäßigen Beitrag für gemeinsame Aktivitäten“, berichtet Blume. Für die Gruppenleiterin, die ihre Tätigkeit für den Freundeskreis ehrenamtlich ausübt, steht im Vordergrund, suchtkranken Menschen helfen zu wollen – egal ob sie von Alkohol, Tabletten oder Drogen abhängig oder der Spielsucht erlegen sind. „Der Bedarf ist da“, sagt sie mit Blick auf die offizielle Statistik, wonach zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung einer Sucht anhängen, und setzt darauf, dass weitere Betroffene bereit sind, sich ihrer Sucht zu stellen und den Weg zu den Treffen des Freundeskreises IGEL II im Stadthaus finden. Roswitha Blume ist dort gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Paul Hartung an jedem Dienstag ab 18 Uhr anzutreffen.

 

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