Späte Genugtuung. AES verleiht Laatzens Ehrenbürger Salomon Finkelstein ein  Ehrenabitur
Salomon Finkelstein (zweiter von links) wird im Beisein seiner Tochter Ilana (von links), seines Enkels David und seiner Tochter Daniela von Schulleiter Christian Augustin und Bürgermeister Jürgen Köhne mit dem Abiturzeugnis honoris causa der AES geehrt.

Späte Genugtuung. AES verleiht Laatzens Ehrenbürger Salomon Finkelstein ein Ehrenabitur

Laatzen. Die Möglichkeit, das Abitur zu machen, wurde ihm genommen. Als der heute 96 Jahre alte Salomon Finkelstein 17 Jahre alt war, wurde seine polnische Heimatstadt Łódz von deutschen Truppen besetzt und die Familie in ein Ghetto verschleppt. Der heutige Laatzener Ehrenbürger, von diesem Moment an für lange Zeit nur noch der Häftling mit der Nummer 142340, hat das ihm fehlende Abitur zeitlebens als Makel empfunden. Jetzt wurde ihm – als Zeichen der besonderen Verdienste, die sich der Holocaust-Überlebende als Zeitzeuge an der KGS erworben hat – von der Albert-Einstein-Schule (AES) das Ehrenabitur verliehen.

Mit dem Ehrenabitur wolle die Schulgemeinschaft Salomon Finkelstein eine Freude machen, betonte AES-Geschichtslehrer Wilhelm Paetzmann in seiner Laudatio vor rund 450 Schülern, Lehrern und Gästen im Forum der Schule. „Vor allem wollen wir so unseren Dank ausdrücken und uns die Verpflichtung auferlegen, uns an Ihnen zu orientieren und die Kraft zu aufbringen, uns bedingungslos zur Menschlichkeit zu bekennen und Unrecht entgegen zu treten“, so Paetzmann, der die Verleihung des Ehrenabiturs als symbolische Handlung bezeichnete, die längst überfällig gewesen sei.

Salomon Finkelstein ist seit zehn Jahren immer wieder als Zeitzeuge zu Gast an der AES. „Es bedeutet uns sehr viel, dass Sie Ihre schrecklichen Erlebnisse mit uns über viele Jahre geteilt haben“, sagte der Zehntklässler Felix. „Sie haben uns vertraut und uns Ihre Lebensgeschichte anvertraut. Das sehen wir als Ehre an.“ Die NS-Zeit, die so fern und unwirklich erscheine, sei den Schülern damit nähergekommen, ergänzte seine Mitschülerin Chiara Baake. „Es ist für uns eine Mahnung und Verpflichtung, nicht in solche menschenverachtenden Muster zurückzufallen.“ Der 96-Jährige, der heute in Hannovers Südstadt wohnt, hatte die Schüler stets dazu ermutigt, Zivilcourage zu zeigen und nicht wegzuschauen. „Er hat damit stets deutlich gemacht, dass wir immer von den Schwächsten her denken und diese in den Blick nehmen sollten“, brachte Paetzmann in Erinnerung.

Was es für den vielseitig interessierten Salomon Finkelstein bedeutet, das Zeit seines Lebens vermisste Dokument in den Händen zu halten, brachte seine Tochter Daniela Finkelstein zum Ausdruck: „Bei seinem Wunsch, sein Abitur zu machen, sind unserem Vater die Nazis dazwischengekommen. Mit dieser Urkunde haben seine Unterdrücker von einst zumindest diesen Kampf gegen ihn endgültig verloren.“

Bildquelle

  • : Daniel Junker

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